Kommentar: Der Auftritt von Elon Musk muss auch Fans enttäuschen

Sicherlich, Elon Musk liebt die Show. Aber nicht nur deswegen präsentierte der Tesla-Chef das Robotaxi „Cybercab“ in den Hollywood-Studios von Warner Bros. Dort mietete der Elektroautohersteller nicht nur eine Bühne, sondern gleich das ganze Gelände inklusive Häuserkulisse und Straßennetz.
Schon diese Details zeigen, wie weit Tesla entfernt von einem autonom fahrenden Fahrdienst ist. Es besitzt für das Robotaxi keine Lizenzen, um auf öffentlichen Straßen zu fahren, und braucht detaillierte Karten, obwohl doch die Kameras in einem Tesla zusammen mit KI alle Fahrprobleme lösen sollen.
Es herrscht Wunschdenken bei Tesla
Anders als autonome Fahrdienste wie die Google-Tochter Waymo oder in der Technologie führende Hersteller wie Mercedes verzichtet Tesla weitgehend auf Lidar und Radar.
Dahinter steckt die kühne Idee, dass Künstliche Intelligenz so gut Bilder auswerten kann, dass ein Fahrzeug fehlerfrei fahren kann. Die Fortschritte in Computer Vision und anderen Gebieten der KI sind erstaunlich, keine Frage. Aber es wird nie fehlerlos fahren, dafür gibt es zu viele Sonderfälle.
Nicht nur in der Technologie liegt eine Gefahr für Tesla und die Aktionäre. Der Aufbau eines Fahrdienstes ist mühsam, voller unliebsamer Probleme wie betrunkenen Gästen oder mondänen Problemen wie das Fahrzeugaufladen. Drahtloses Laden soll die Lösung sein, dabei geht aber noch viel Strom verloren. Auch nicht selbst verschuldete Unfälle können ein Problem werden, wie man bei dem Fahrdienst Cruise von General Motors gesehen hat.
Musk spricht von nur 20 Cents, die ein Robotaxi pro Meile kosten soll. Das setzt aber laut Accenture voraus, dass es rund um die Uhr autonom fährt. Die Beratung sieht die Kosten eher bei 50 Cents, die erst nach 2040 auf 20 Cents fallen. Trotzdem soll das Robotaxi laut Musk 2027 produziert werden.
Was ist, wenn die Vision von Musk falsch ist?
Es drängt sich der Eindruck auf: Musk will die Zukunft wie auf Kommando herbeirufen. Bei Tesla stehen die Mitarbeiter stramm, wie auch die geladenen und auserwählten Gäste auf Knopfdruck jubelten.
Selbst die Aktionäre spielten bislang mit. Doch hat ihre Begeisterungsfähigkeit ihre Grenzen, wie sich zeigt. Der Aktienkurs rutschte am folgenden Börsentag deutlich ins Minus. Denn die Anteilseigner ahnen: Die Wirklichkeit könnte anders aussehen als ein Hollywood-Studio.