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OstseeBrennender Öltanker „Annika“ wird in den Hafen geschleppt

Die größte Gefahr scheint gebannt zu sein. Das auf der Ostsee vor Heiligendamm in Brand geratene Tankschiff soll jetzt in den Rostocker Hafen geschleppt werden. 11.10.2024 - 21:29 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Der Seenotrettungskreuzer Arkona (rechts) bekämpft den Brand auf dem  Küstentankschiff Annika in der Ostsee. Foto: -/Die Seenotretter - DGzRS/dpa

Kühlungsborn, Warnemünde. Der in der Ostsee unweit der Küste vor Heiligendamm aufgrund eines Brandes havarierte Öltanker „Annika“ soll noch vor Mitternacht im Überseehafen von Rostock ankommen. Man rechne damit, dass der Schleppvorgang etwa gegen 20.00 Uhr beginnen könne, sagte eine Sprecherin des Deutschen Havariekommandos. Das Schiff soll mit zwei Schleppern die etwa zwölf Seemeilen (rund 22 Kilometer) in östliche Richtung nach Rostock gezogen werden.

Das Feuer auf dem Tankschiff hatte einen Großeinsatz ausgelöst. Die Ladung der 73 Meter langen „Annika“ besteht nach Angaben des Havariekommandos aus etwa 640 Tonnen Öl.

Der Brand im Maschinenraum des Öltankers „Annika“ ist bis zum frühen Abend noch nicht gelöscht worden. Das Feuer sei aber unter Kontrolle, sagte ein Sprecher des Deutschen Havariekommandos gegen 17.30 Uhr. Zu dem Zeitpunkt lag das Schiff noch vor Heiligendamm. Das Bergeunternehmen sei an Bord und bewerte noch den Zustand der „Annika“.

Der 12 Meter breite Tanker war den Angaben zufolge auf dem Weg von Rostock nach Travemünde und lag etwa 4,5 Kilometer vor Heiligendamm vor Anker. Laut Schweriner Umweltministerium ist bisher keine Gewässerverunreinigung entstanden. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) äußerte sich besorgt.

Das Feuer war am Morgen aus ungeklärter Ursache ausgebrochen. Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger brachte die sieben Besatzungsmitglieder in Sicherheit und an Land. Nach Angaben des Havariekommandos wurden mehrere Personen leicht verletzt. Die Crewmitglieder sind mittlerweile aus dem Krankenhaus entlassen.

Blick aus einem Flugzeug auf das brennende Küstentankschiff „Annika“. Foto: Hannes P Albert/dpa

Von drei Schiffen aus hätten die Einsatzkräfte mit der Brandbekämpfung von außen begonnen. Feuerwehrteams machten sich mit Hubschraubern auf dem Weg zum Tanker. Am frühen Nachmittag gingen sie zur Erkundung an Bord der „Annika“. Anschließend wurde das weitere Vorgehen beraten. Nach Angaben der Polizei wurde eine Sperrzone von drei Seemeilen um den Einsatzort eingerichtet.

Schwarzer Rauch weit zu sehen

Auf Fotos ist zu sehen, wie von den Einsatzschiffen große Wassermengen auf den Tanker gesprüht werden. Schwarzer Rauch dringt aus dem Bereich des Hecks mit Maschinenraum und Brücke aus dem Schiff.

Der Rauch des brennenden Schiffes ist den Seenotrettern zufolge bis zur Küste sichtbar. Weitere Details sowie die Ursache des Feuers seien bisher nicht bekannt.

Umweltminister Backhaus sprach von einer sehr dynamischen Lage. Er verfolge die Ereignisse mit Sorge. „Ich bin froh, dass die Besatzung schnell evakuiert werden konnte.“ In Abstimmung mit dem Havariekommando, das die Gesamteinsatzleitung übernommen habe, verschaffe man sich derzeit ein Lagebild. „Wir werden alles tun, um größeren Schaden für die Umwelt abzuwenden.“

In Sichtweite der Küste

Die Havarie ereignete sich in Sichtweite der stark touristisch geprägten Küste zwischen Warnemünde und Kühlungsborn. Martin Delpiano-Weber der mit seiner Frau im Hotel in Heiligendamm zu Gast ist, sagte, sie hätten das Schiff am Morgen gesehen, als sie gegen 9.30 Uhr aus dem Spa-Bereich gekommen seien. Er berichtete von einer Art Feuerwalze oder Stichflamme. „Parallel wurde schon gelöscht.“

Der Chef des Landestourismusverbandes, Tobias Woitendorf, reagierte schockiert. „Das ist eine Situation, vor der wir uns im Tourismus immer fürchten“, sagte er. „Wir haben hier sehr verkehrsreiche Gewässer.“ Der Brand des Küstentankschiffs sei eine Großschadenslage, deren Folgen bisher nicht vollständig abgeschätzt werden könnten.

Wissenschaftler in Sorge um Umwelt

Der Direktor des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW), Oliver Zielinski, blickt mit großer Sorge auf den Brand. „Das ist ein mit 640 Tonnen Schweröl beladenes Schiff wenige Kilometer vor der Küste und wir haben starken Westwind“, sagte der Professor. „Das würde also im schlechtesten Fall in ein sehr sensibles Flachmeer-Ökosystem getrieben werden.“

Zielinski betonte: „640 Tonnen – das ist eine große Menge Schweröl und kann einen massiven Schaden in der Umwelt verursachen.“ Er hoffe sehr, dass das nicht passiere. „Die Bekämpfungsmaßnahmen sind ja voll im Gange.“

Die Umweltorganisation WWF lobte den schnellen Einsatz der Rettungskräfte und Löschmannschaften. Das Havariekommando Nord habe sich bewährt, sagte der Leiter des WWF-Ostseebüros in Stralsund, Finn Viehberg. „Das ist die Forderung, die wir immer wieder stellen: Ein dichtes Havariekommandonetz über die gesamte Ostsee“, sagte Viehberg. Das sei nicht überall gegeben, wo Gefahrgutschiffe unterwegs seien, betonte er.

Die Ostsee gilt als eines der am stärksten befahrenen Meere der Welt. Täglich sind Viehberg zufolge dort rund 2.000 große Schiffe unterwegs. Darunter seien Tanker mit bis zu 100.000 Tonnen Ladung an Bord. Die Havarie vor Heiligendamm sei ein „Schuss vor den Bug“, so der Wissenschaftler.

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Erstpublikation: 11.10.2024, 11:20 Uhr.

dpa
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