Kommentar: Fliegen darf nicht zum Luxus werden

Ein Ende ist nicht in Sicht. Zwar verspricht das Bundesverkehrsministerium, die erneute Erhöhung der Gebühren für die Flugsicherung abzufedern. Doch die nächste Kostensteigerung ist bereits im Anmarsch.
Ab dem kommenden Jahr ist nicht nur eine Quote für die Beimischung des teuren, synthetisch hergestellten Kerosins (SAF) vorgeschrieben. In Deutschland soll es daneben eine Unterquote für SAF geben, das mit Wasserstoff und nicht mit altem Frittenfett produziert wurde. Das ist noch teurer und aktuell nur in homöopathischen Dosen verfügbar.
Nun bestreitet keiner, dass die Luftfahrt klimaneutraler werden muss. Deshalb ist es per se nicht verkehrt, die Menschen durch etwas höhere Preise dazu zu bringen, sich jede Flugreise sehr gut zu überlegen.
Doch was aktuell geschieht, geht eindeutig zu weit. Die Politik hat so stark an den Kosten gedreht, dass die Fluggesellschaften ihr Angebot in einem atemberaubenden Tempo zusammenstreichen. Und dort, wo noch geflogen wird, werden die Preise weiter steigen.
Es droht eine Zweiteilung der Gesellschaft. Wer über die ausreichenden Mittel verfügt, kann und wird sich das Flugzeug weiterhin leisten. Wer nicht, wird sich abgehängt fühlen – vielleicht noch mehr als bisher schon. Das ist brandgefährlich in einer eh schon fragilen Demokratie, in der immer mehr Bürger ihre Wünsche und Anliegen nicht mehr berücksichtigt sehen.
Luftfahrt war in ihren Anfängen ein Luxusgut. Mit dem Jumbo von Boeing gelang es, Fliegen zu einem Transportmittel für die Massen zu machen. Derzeit wird diese Demokratisierung des Luftverkehrs von der deutschen Politik zurückgedreht. Das kann nicht gut gehen.
Mobilität nachhaltig zu gestalten braucht mehr als einseitige und wenig durchdachte Maßnahmen. Ein gesamtheitliches Konzept ist notwendig. Am ehesten ist das Fliegen zum Beispiel auf der Kurzstrecke zu vermeiden. Dazu muss den Menschen aber eine Alternative geboten werden – etwa die Bahn. Doch die ist in Deutschland nicht nur malad, sie ist auch häufig nicht günstig.
Nach dem Debakel mit dem Heizungsgesetz sollte die Politik eigentlich gelernt haben, wie wichtig es ist, die Menschen bei den Klimabemühungen mitzunehmen. Es wäre fatal, sollte sich dieser Fehler bei der Mobilität wiederholen.