Flugzeugbauer: Airbus Defence will 2500 Stellen streichen
München. Europas Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus will bis zu 2500 Stellen in seiner Verteidigungs- und Raumfahrtabteilung streichen. Das teilte Airbus an diesem Mittwoch mit. Die Kürzungen beträfen somit sieben Prozent der Belegschaft in dem Bereich und sollen bis 2026 abgeschlossen sein.
„Wir müssen schneller, schlanker und kompetitiver werden“, sagte Airbus-Spartenchef Michael Schöllhorn in München. Der Abbau soll sozialverträglich erfolgen und über Abfindungen und die Nichtnachbesetzung von Stellen erfolgen. Die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern sollen jetzt beginnen. Die Stellenstreichungen folgen einer langjährigen Effizienzüberprüfung mit dem Codenamen ATOM.
Der Gesamtbetriebsratschef von Airbus Defence and Space, Thomas Pretzl, betonte, die Betriebräte und die IG Metall schützten die Belegschaft und den Standort Deutschland: „Wir konnten bereits vor Beginn der Verhandlung betriebsbedingte Kündigungen ausschließen.“
Das Geschäft wird durch hohe Kosten für Raumfahrtsysteme, darunter Onesat, sowie Verzögerungen und steigende Kosten im Verteidigungsbereich beeinträchtigt. Bereits im Februar musste Airbus einräumen, weitere 300 Millionen Euro Mehrbelastungen für Onesat buchen zu müssen. Mit der kommerziellen Satellitenfamilie Onesat wollte Airbus eigentlich zu den Konkurrenten aufschließen.
Teurer wird zudem das Raketengeschäft. Seit Jahren verliert Airbus, das sein Raketengeschäft gemeinsam mit dem Hochtechnologiekonzern Safran in der Arianegroup gebündelt hat, Marktanteile an Elon Musks Weltraumfirma SpaceX. Auch in diesem Bereich sind die Europäer zu langsam und zu teuer im internationalen Wettbewerb um kommerzielle Satellitenstarts.
Hoffnung auf Exportkunden für den Eurofighter
Und auch im Rüstungsgeschäft läuft Airbus dem Markt hinterher. Von dem rund 100 Milliarden Euro Sondervermögen der Bundesregierung zur Neuausstattung der Bundeswehr blieb bei Airbus Defence wenig hängen. Zwar will die Bundeswehr 20 neue Eurofighter-Kampfflugzeuge kaufen, auch Spanien und Italien könnten neue Maschinen bestellen.
Große Exportaufträge jenseits der Eurofighter-Partner aber fehlen, Airbus hofft nun auf Zusagen aus Saudi-Arabien und möglicherweise der Türkei. Bei beiden Ländern hatte die Bundesregierung in den vergangenen Jahren politische Vorbehalte, ihre Position aber geändert.
Das gilt auch für das militärische Transportflugzeug A400M. Von den 178 bestellten Maschinen sind die meisten ausgeliefert, allein die deutsche Luftwaffe hat bereits 45 ihrer 53 bestellten Flugzeuge abgenommen. Große Exportaufträge jenseits der Herstellernationen blieben bislang aus. Auch hier hoffen die Airbus-Manager auf neue Kunden aus dem Nahen Osten oder Südostasien.
Insgesamt muss sich Airbus in beiden Bereichen verbessern, um aus den Schulden zu kommen. Bei einem Umsatz von fast fünf Milliarden Euro schrieb Airbus zum Halbjahr einen Verlust von fast 760 Millionen Euro. Der Konzern müsse die Personalsituation an die „finanziellen Realitäten“ anpassen, hieß es.
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Möglicherweise kann ein Teil der Beschäftigten auch in den zivilen Airbus-Bereich wechseln, dort läuft das Geschäft wesentlich besser als bei Konkurrent Boeing – der hatte vergangene Woche den Abbau von 17.000 Stellen beziehungsweise zehn Prozent der Belegschaft angekündigt.