Indien-Reise: Wie ein Notizblock Robert Habecks Aufholjagd einleiten soll
Neu-Delhi. Irgendwann auf seiner Reise durch Neu-Delhi hat sich Robert Habeck einen Notizblock der Gastgeber geschnappt und etwas auf die erste Seite gekrakelt. Später kommt der Schmierzettel zum Einsatz bei der Rede während des abendlichen Dinners der Asien-Pazifik-Konferenz (APK). Vor Hunderten Unternehmerinnen und Unternehmern, in einer Halle so groß wie ein Flugzeughangar.
„Wir müssen die jeweilige Perspektive des anderen verstehen“, erklärt Habeck, während er vor der Bühnenkulisse in Form eines Hindutempels steht. Indien hat eine besondere geopolitische Rolle, ist eng mit Russland verbunden, aber auch mit dem Westen. Dann sagt Habeck einen bemerkenswerten Satz: „Unser Verhältnis zu Moskau gleicht eurem Verhältnis zu Peking.“ Was der da wieder für einen Unsinn erzähle, sagt ein Wirtschaftsvertreter.
Zwischen China und Indien besteht ein schwerwiegender, auch militärisch ausgetragener Konflikt. Dass Habeck das mit Deutschland und Russland vergleicht, ist jedoch kein Ausrutscher. Es ist der Versuch einer Geste: Ich habe euch verstanden, jetzt versteht auch mich.
Während der deutsch-indischen Regierungskonsultationen, die am Morgen stattfanden, waren es die Inder, die genau diesen Vergleich machten. Indem Habeck den Satz adaptiert, fordert er, dass Indien seinen Einfluss auf Russland genauso geltend macht wie die EU auf China. Wobei dieser im Falle Indiens bedeutend größer ist.