Bilfinger: Fähranleger stürzt ein – Aktie reagiert stark
New York. Bei einem Kulturfestival auf der Insel Sapelo im Bundesstaat Georgia ist am Samstag der Fähranleger eingestürzt. Sieben Menschen sind dabei ums Leben gekommen. Das Unglück könnte Auswirkungen auf den deutschen Baukonzern Bilfinger haben. Denn die Bilfinger-Tochter Centennial Contractors Enterprises hatte den Anleger 2021 fertiggestellt.
In einem gemeinsamen Brief haben sich Bilfinger-Chef Thomas Schulz und der Präsident von Centennial, Geoff Preisman, an die Familien der Opfer gewandt. „Wir sind zutiefst erschüttert über diese Tragödie und sprechen denjenigen, die Angehörige verloren haben, unser tiefstes Beileid aus. Unsere Gedanken sind bei den Verletzten“, heißt es in dem Schreiben.
Centennial Contractors Enterprises unterstütze die Behörden bei der Untersuchung, um die Ursache des Vorfalls zu ermitteln, heißt es weiter. Centennial fungierte nach Angaben des Unternehmens als Generalunternehmer für den Bau des Docks und der Anlegestelle und arbeitete dabei mit lokalen Subunternehmern und Lieferanten zusammen, um das Projekt im November 2021 abzuschließen.
Bilfinger-Tochter will die Behörden unterstützen
Das Team der Bilfinger-Tochter sei bereits auf Sapelo Island gewesen, um lokale und staatliche Behörden sowie die Gemeinde zu unterstützen, und stehe weiterhin zur Verfügung, um bei Bedarf zu helfen, teilten Schulz und Preisman mit. Der Brief von Bilfinger und Centennial ist jedoch kein Schuldeingeständnis.
Die im Jahr 2021 installierte Zugangsbrücke gab nach, als schätzungsweise 700 Menschen die weitgehend unberührte Insel Sapelo Island besuchten, die etwa 60 Meilen südlich von Savannah und sieben Meilen vor der Küste liegt. Die Menschen hatten sich auf der Insel zum Gullah-Geechee-Festival versammelt, das die Gullah-Geechee-Gemeinschaft schwarzer Sklavennachkommen feiert.
Die Besucher kamen am Samstag zum jährlichen Herbst-Kulturtag, bei dem Hogg Hummock, die Heimat von ein paar Dutzend schwarzen Einwohnern, im Mittelpunkt stand. Die aus unbefestigten Straßen und bescheidenen Häusern bestehende Gemeinde wurde nach dem Bürgerkrieg von ehemaligen Sklaven der Baumwollplantage von Thomas Spalding gegründet.
Auch US-Präsident Joe Biden äußerte sich zum Einsturz des Fähranlegers „Wir sind untröstlich über den Einsturz des Fähranlegers auf Georgias Sapelo Island. Was eine fröhliche Feier der Gullah-Geechee-Kultur und -Geschichte hätte sein sollen, wurde stattdessen zu einer Tragödie und Verwüstung“, wurde Biden in einer Erklärung zitiert.
Schadenersatzforderungen können in den USA hoch ausfallen
Die Behörden von Georgia erklärten am Sonntag, sie untersuchten das „katastrophale Versagen“ des Fähranlegers. „Es ist ein strukturelles Versagen. Eine solche Aluminium-Gangway sollte nur sehr, sehr wenig gewartet werden, aber wir werden sehen, was die Untersuchung ergibt“, sagte Walter Rabon, Kommissar des Georgia Department of Natural Resources, auf einer Pressekonferenz einen Tag nach der Tragödie auf Sapelo Island.
Noch laufen die Untersuchungen. Klar aber ist: Schadenersatzforderungen können in den USA sehr hoch ausfallen. Das dürften auch die Aktionäre des Unternehmens wissen und verkaufen ihre Anteile am Unternehmen. Der Kurs des Unternehmens reagiert am Donnerstag stark, die Aktien notieren zwischenzeitlich mehr als 15 Prozent im Minus.
Erstpublikation: 23.10.2024, 21:07 Uhr.