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US-WahlTrump führt deutlich vor Harris

Nahezu alle Wahllokale sind geschlossen, in zwei Dritteln der Staaten lässt sich eine Prognose ableiten – und es deutet sich zunehmend ein Trend an. So lief die Wahlnacht in den USA.Jana-Sophie Brüntjen, Astrid Dörner, Katharina Kort, Annett Meiritz, Jens Münchrath und Leonie Tabea Natzel 06.11.2024 - 07:32 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Angespannte Stimmung auf der Harris-Wahlparty: Noch ist die Wahl nicht entschieden. Foto: REUTERS

Das Wichtigste im Überblick

  • Laut CNN-Prognose kommt Republikaner Donald Trump aktuell auf 246 Stimmen der Wahlleute, Kamala Harris auf 187. Nötig für einen Sieg sind 270.
  • Die Swing States sind bis auf North Carolina und Georgia bislang nicht entschieden. Im für Harris entscheidenden Bundesstaat Pennsylvania liegt Trump aktuellen Schätzungen zufolge deutlich vorn.
  • Während der Stimmabgabe kam es punktuell zu Verzögerungen wegen Bombendrohungen und technischer Schwierigkeiten.

New York, Washington. Donald Trump liegt bei den US-Präsidentschaftswahlen am Mittwochmorgen deutlich vorn – die meisten Stimmen in den US-Bundesstaaten sind ausgezählt. Sicherheit gibt es für den Kandidaten der Republikaner allerdings noch nicht. Die rot gefärbten Staaten dominieren zwar in den Hochrechnungen die Landkarte. Doch Stand jetzt sind die für die Wahl endgültig entscheidenden Swing States noch nicht an Trump gegangen.

Helfer zählen Stimmen im wichtigen Swing State Wisconsin. Foto: REUTERS

Trump hat nach Hochrechnungen des US-Senders CNN und der Nachrichtenagentur AP bislang wie erwartet die traditionell republikanischen Staaten im Süden und im Mittleren Westen geholt. Harris gewann ebenfalls in den Bundesstaaten, in denen ein Sieg für die Demokraten regelmäßig feststeht. Eine viel beachtete Prognose, nach der Harris überraschend Iowa von den Republikanern gewinnen könnte, bewahrheitete sich den Hochrechnungen zufolge nicht.

Swing States entscheiden über Wahlsieg

Jetzt hängt alles an den Swing States Pennsylvania, Arizona, Michigan, Wisconsin und Nevada. In allen diesen Staaten liegt Trump leicht vorn. Die Swing States Georgia und North Carolina hat er bereits gewonnen.

Aber auch in weiteren Staaten wird es nach aktuellem Stand eng für Harris. Besonders problematisch könnte das für die Demokratin in Pennsylvania werden: Der Bundesstaat stellt 19 Wahlleute – insgesamt 270 braucht es zum Sieg.

Da insbesondere die Auszählung der Briefwahlstimmen in einigen Gegenden noch dauern könnte, ist nicht ausgeschlossen, dass das Endergebnis erst in einigen Tagen vorliegt.

Unsere Grafik zeigt den aktuellen Stand der Auszählungen:

Wahlpartys in Washington und Mar-a-Lago

Weder Harris noch Trump äußerten sich in der Wahlnacht gegenüber der Presse. Die Demokratin will sich in der Nacht gar nicht mehr äußern, der Auftritt von Trump dürfte kurz bevorstehen. Anders sah es in der Nacht auf Mittwoch bei Partys in den Wahlkampf-Hauptquartieren in Washington (Harris) und Mar-a-Lago (Trump) aus.

Auf dem Campus der Howard-University veranstaltete Harris ihre Wahlparty. Dort waren mehrere Bühnen und riesige Leinwände aufgebaut. Der Nachrichtensender CNN blendete den Stand des Rennens in einzelnen Staaten ein. Zunächst war die Stimmung ausgelassen: Ein Chor von Buh-Rufen bei Texas, das traditionell republikanisch wählt.

Unterstützer von Demokratin Kamala Harris bei ihrer Veranstaltung in der berühmten Howard University in Washington. Foto: REUTERS

Doch die Atomsphäre auf der Harris-Wahlparty änderte sich schnell. Entschieden war zwar auch am frühen Mittwochmorgen noch nichts. Doch dass Harris in wichtigen Staaten wie North Carolina und Georgia hinter Trump lag, war ein Dämpfer für die knapp 15.000 Menschen, die sich auf dem Campus der Universität versammelt hatten.

Eine Anhängerin der Demokraten betonte zwar, sie sei weiter hoffnungsvoll. Erste schlechte Zahlen? „Das macht nichts.“ Diese Wahl sei zu wichtig. „Ich denke, das Land steht auf dem Spiel“, sagte sie.

Harris selbst wird in der Nacht noch an ihrer ehemaligen Universität erwartet. Sie hat angekündigt, erst mit ihrer Familie zu Abend zu essen und dann zur Wahlparty zu kommen.

In einem anderen Bundesstaat feierten die Trump-Anhänger. Hupende Autokaravanen mit riesigen Trump-Flaggen fuhren die berühmte achte Straße in Little Havanna entlang, dem Latino-Viertel Miamis. Eine Frau schwang eine riesige blaue Fahne, auf der „Trump 2024“ steht. Auf ihrem T-Shirt hieß es: „Fuck Biden“.

Die Latinos feierten, als hätte Trump die Wahl schon gewonnen und läge nicht nur in ersten Prognosen vorn. „Der Sieg ist unser“, sagte ein junger Mann.

Trump-Anhänger feiern in Miami. Foto: Handelsblatt

Eine landesweite Nachwahlbefragung von Edison Research hat ergeben, dass 45 Prozent der Hispanics für Trump gestimmt haben, 13 Prozent mehr als 2020. Harris kam bei der größten Minderheit des Landes auf 53 Prozent. Bei hispanischen Männern hat Trump sogar um 18 Punkte auf 54 Prozent zugelegt. Hispanics machen etwa 19 Prozent der US-Bevölkerung aus.

Trump wiederholt Behauptungen zu Wahlbetrug bei US-Wahl

Auch am Wahltag und in der Nacht versuchte Trump, das Vertrauen in das politische System zu untergraben. Kurz bevor die ersten Wahllokale schlossen, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social: „Es wird viel über massiven BETRUG in Philadelphia geredet. Die Strafverfolgungsbehörden kommen!!!“ Belege für diese Behauptung lieferte Trump nicht.

Ein Vertreter der Stadt wies die Vorwürfe des Republikaners umgehend zurück. „An dieser Behauptung ist absolut nichts dran“, schrieb Seth Bluestein auf der Plattform X. Es handele sich um ein weiteres Beispiel von Falschinformationen. Die Stimmabgabe in Philadelphia sei „sicher und zuverlässig“, betonte der Republikaner, der auch eines von drei Mitgliedern des Wahlausschusses in Philadelphia ist, der größten Stadt in Pennsylvania.

Deutlicher wurden die Behörden in Michigan. Trump behauptete, es habe auch dort Wahlbetrug gegeben. „Ich antworte nicht auf Blödsinn“, sagte eine Vertreterin der Stadt der Nachrichtenagentur Reuters.

Bombendrohungen und technische Schwierigkeiten

Für Aufruhr in den sozialen Medien sorgten Berichte zu Bombendrohungen in zwei Wahllokalen in Georgia. Die Abstimmung wurde dort kurzzeitig unterbrochen. Um die zehn Wahllokale im Bundesstaat blieben deswegen zwischen 20 und 40 Minuten länger geöffnet.

Bürger warten in der Schlange, um in Albuquerque im US-Bundesstaat New Mexico zu wählen. Foto: AP

Die US-Bundespolizei FBI hat Bombendrohungen eigenen Angaben zufolge nach Russland zurückverfolgt. Man werde die Lage weiterhin genau beobachten und bei Bedarf reagieren, um die Wahl zu schützen, hieß es in einer Mitteilung. US-Geheimdienste hatten am Montag gewarnt, dass Russland wie schon in den Tagen zuvor versuchen könnte, die Abstimmung zu beeinflussen.

Auch in anderen Swing States meldeten die Behörden Bombendrohungen. In Pennsylvania wurde ein Gebäude geräumt, in Michigan und Arizona sorgten die Drohungen ebenfalls für Verzögerungen. Nach Angaben eines Beamten wurde Wisconsin ebenfalls Ziel von Drohungen.

Für Verzögerungen sorgten zudem technische Probleme in weiteren umkämpften Staaten. In Wisconsin mussten Beamte Zählmaschinen zurücksetzen und etwa 31.000 Stimmzettel neu auszählen, weil die Türen der Maschinen nicht richtig schlossen. In Pennsylvania verhinderte ein Softwarefehler, dass einige Wähler ihre Stimmzettel einscannen können. Die Wahlzeiten in Cambria County wurden daraufhin verlängert.

Märkte setzen auf Trump-Trades

Nachdem Trump früh und deutlich in Führung gegangen war, positionierten die Märkte sich entsprechend. Aktien weiteten vorbörslich ihre Gewinne aus. Die Futures der großen US-Aktienindizes Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq lagen am frühen Mittwochmorgen jeweils gut ein Prozent im Plus, nachdem sie bereits den Dienstag mit einer breit angelegten Rally abgeschlossen hatten. Der Dollar erreichte den höchsten Stand seit Juli. Die Renditen der wichtigen zehnjährigen US-Staatsanleihen stiegen um zwölf Basispunkte auf 4,39 Prozent, das war der höchste Stand seit vier Monaten.

Im ganzen Land versammelten sich Bürgerinnen und Bürger, um die Wahl zu verfolgen. Foto: AP

Das sind alles Bewegungen, die Analysten als Trump-Trades bezeichnen. Sollte der Republikaner erneut ins Weiße Haus einziehen, könnten die angekündigten Zölle die Inflation und damit die Renditen erneut antreiben. Damit würde auch der Dollar gestärkt.

Die Renditen sind in den vergangenen Wochen bereits deutlich angestiegen, auch aus Sorge vor einer möglichen Schuldenkrise in den USA, wie der unabhängige Kapitalmarktberater Ed Yardeni zu bedenken gibt. Die ohnehin schon hohen Staatsschulden würden unter Trump in den kommenden zehn Jahren etwa doppelt stark steigen wie unter Harris, wie aus Berechnungen des überparteilichen Committee for a Responsible Federal Budget (CRFB) hervorgeht.

Der Bitcoin legte deutlich zu. Die größte und älteste Digitalwährung gilt als ein Indikator für die Wahlchancen von Trump und erreichte ein neues Rekordhoch von 74.670 Dollar. Trump hatte sich zuvor als Befürworter der Kryptrobranche positioniert.

Republikaner holen Mehrheit im Senat

Die US-Amerikanerinnen und -Amerikaner wählen auch ein Drittel des Senats und das gesamte Repräsentantenhaus neu. Die Demokraten haben den Senat nicht halten können, auch im Abgeordnetenhaus läuft es aktuell auf einen Sieg der Republikaner hinaus.

Alexandria Ocasio-Cortez hat bei der US-Wahl ihren Sitz im Repräsentantenhaus verteidigt. Foto: AP

Mit Alexandria Ocasio-Cortez und Bernie Sanders haben jedoch zwei prominente Linke ihre Positionen verteidigen können. Ocasio-Cortez gewann in der Wahl um ihren Sitz im Repräsentantenhaus in New York. Der unabhängige Sanders wurde als Senator von Vermont wiedergewählt. Es ist seine nunmehr vierte Amtszeit. Auch wenn Sanders kein Parteimitglied ist, ist sein Sieg wichtig für die Demokraten. Der 83-Jährige stimmt meist mit ihnen.

Führende Rechte verteidigten ebenfalls ihre Ämter. Dazu gehört Marjorie Taylor Greene. Sie gewann ihren Wahlkreis in Georgia und bleibt Mitglied des Repräsentantenhauses. Die Republikanerin erlangte seit ihrer Wahl 2020 schnell landesweite Bekanntheit als eine der führenden Hardliner des rechten Flügels ihrer Partei. Greene ist für ihre Unterstützung von Trump und kontroverse Positionen bis hin zu Verschwörungstheorien bekannt.

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Mit Agenturmaterial.

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