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ManagementFinanzvorstände sind das zweite Jahr in Folge gefragter als CEOs

Die Nachfrage nach Finanzexperten erreicht international ein Rekordniveau – auch im Dax. Das hat vor allem einen Grund. Und ist besonders für Frauen eine gute Nachricht.Tanja Kewes 11.11.2024 - 12:54 Uhr Artikel anhören
Neue Finanzchefinnen bei den Dax-Konzernen (v.l.): Claire-Marie Coste-Lepoutre (Allianz), Nadia Jakobi (Eon), Eva Scherer (Daimler Truck). Foto: PR, Eon, dpa, Getty Images [M]

Düsseldorf. Sie standen lange im Schatten der Vorstandschefs, doch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie diesen rücken sie stärker in den Mittelpunkt: die Chief Financial Officers (CFOs) internationaler börsennotierter Unternehmen. Einer Analyse der Personalberatung Russell Reynolds Associates zufolge werden die Finanzchefs mittlerweile häufiger gesucht als Chief Executive Officers (CEOs).

Bis Ende des dritten Quartals 2024 wurden dieses Jahr demnach insgesamt 224 neue Finanzmanager von den Unternehmen der zwölf global führenden Börsenindizes ernannt. Zum Vergleich: In den ersten neun Monaten dieses Jahres wurden von den gleichen Unternehmen nur 161 neue Vorstandschefs berufen – fast ein Drittel weniger.

„Wir erleben das zweite Jahr in Folge eine nie da gewesene Nachfrage nach CFOs“, sagt Daniela Nienstedt, Partnerin bei Russell Reynolds Associates und auf Finanzexperten spezialisiert. Weiter erklärt sie: „Der Markt läuft heiß.“

Mit der Nachfrage steigt auch der Druck – und die Fluktuation

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten, so die Expertin weiter, bekämen Finanzexperten „so viel Aufmerksamkeit wie nie zuvor“. Damit wachse aber auch der Druck, sagt Nienstedt: „Läuft es wirtschaftlich nicht rund und müssen Prognosen kassiert werden, werden sie stärker als in der Vergangenheit dafür in die Verantwortung genommen.“

Entsprechend steigt auch die Fluktuation unter den Finanzexperten und erreicht im Zeitraum von Januar bis Oktober einen neuen Höchstwert. Die durchschnittliche Verweildauer eines CFOs in seinem Amt sinkt international auf den Tiefstwert (seit Beginn der Erhebung vor fünf Jahren) von 5,6 Jahren.

Einen Trend, den auch Helmut Ahr beobachtet. Der Chef der auf Finanzprozesse spezialisierten Strategieberatung Horváth sagt: „Wir nehmen bei den CFOs eine verstärkte Fluktuation und zahlreiche Neubesetzungen wahr.“

Das wundert den Berater nicht. Denn die Anforderungen an Finanzexperten seien durch Wettbewerb und Transformationen stark gestiegen, und diese könnten bestehende CFOs teilweise nicht ganzheitlich erfüllen. Die Auslastung vieler Finanzabteilungen sei zudem „am Limit“, und neue Fachkräfte seien „schwer zu bekommen“. Ein weiterer Grund: Deren Engagement würde in vielen Unternehmen angesichts der konjunkturellen Unsicherheit gerade „nicht so einfach bewilligt“.

Die internationale Entwicklung spiegelt sich auch im deutschen Leitindex. Im Dax 40 schieden seit Beginn des Jahres mit Manfred Knof (Commerzbank) und David Schneider (Zalando) nur zwei CEOs aus, aber fünf Finanzchefs. Das waren Giulio Terzariol (Allianz), Marc Spieker (Eon), Jochen Götz (Daimler Truck), Katja Garcia Vila (Continental) und Rainer Lehmann (Sartorius).

Zugleich sank im Dax wie international die durchschnittliche Verweildauer eines CFOs von Januar bis Oktober erstmals unter fünf Jahre – und zwar auf 4,6 Jahre. Im gleichen Vorjahreszeitraum betrug sie noch 7,5 Jahre. Dax-40-CEOs, die 2024 ausschieden, waren hingegen im Schnitt 7,7 Jahre im Amt, mehr als zwei Jahre länger.

Frauen drängen in die Männerdomäne

Mit den fünf neuen Finanzchefs im Dax erhöhte sich auch die Frauenquote unter den Finanzexperten. Denn auf vier Männer und eine Frau als CFO im deutschen Leitindex folgten drei Frauen und zwei Männer. Bei der Allianz übernahm Claire-Marie Coste-Lepoutre, bei Eon Nadia Jakobi und bei Daimler Truck Eva Scherer.

Daniela Nienstedt: Die Personalberaterin von Russell Reynolds Associates ist auf Finanzexperten spezialisiert. Foto: PR

Für Expertin Daniela Nienstedt ist klar: „Frauen drängen immer stärker in die einstige Männerdomäne. Endlich sind Vorstandsfrauen nicht mehr nur vorwiegend für HR zuständig.“

Das zeigt sich auch international: Obwohl Frauen in CFO-Positionen weiterhin unterrepräsentiert sind, waren von den im Zeitraum Januar bis Oktober dieses Jahres ernannten 224 neuen Finanzvorstände insgesamt 60 Frauen – die höchste Zahl seit Beginn der Erhebung vor fünf Jahren.

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Der Frauenanteil unter den Neuernennungen liegt damit erstmals über der 30-Prozent-Marke und steigt auf 37 Prozent. Im Jahr 2020 hatte der Anteil im Vergleichszeitraum noch bei 19 Prozent gelegen.

Insbesondere die Technologie- und Finanzdienstleistungsbranchen verzeichnen große Fortschritte bei der Geschlechterdiversität. Im Jahr 2024 waren bisher 38 Prozent der neuen CFOs in der Technologie- und 48 Prozent in der Finanzdienstleistungsbranche Frauen. Das sind doppelt so viele wie im Vorjahr.

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