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LogistikHafenbetreiber testet ferngelenkte Lkw

Zehntausende Lkw-Fahrer fehlen in Deutschland. Hafenbetreiber wie die HHLA wollen sie sich in Zukunft sparen. Dahinter steckt ein Start-up für ferngesteuerte Trucks mit großen Ambitionen.Markus Fasse 14.11.2024 - 11:30 Uhr Artikel anhören
Ferngesteuerte Zugmaschine: Fernride und der Hafenbetreiber HHLA versprechen sich erhebliche Kosteeinsparungen. Foto: Fernride

München. In deutschen Seehäfen könnten schon bald fahrerlose Zugmaschinen Container befördern. Möglich macht das die Validierung des Sicherheitskonzepts für das teilautonome System des Start-ups Fernride durch den Tüv Süd. Fernride ist nach eigenen Angaben vom Donnerstag das erste Unternehmen, das eine solche Validierung bekommen hat. Mit der Technologie des Münchener Unternehmens können Lkw aus großer Entfernung gestartet, gelenkt und gestoppt werden.

Fernride testet das System bereits seit Monaten gemeinsam mit der Hamburger Hafengesellschaft HHLA im estnischen Tallinn. Die Partner versprechen sich, durch die ferngelenkten Fahrzeuge erhebliche Kosten einzusparen.

Lkw-Hersteller und Logistikunternehmer versuchen seit Jahren, alternative Lösungen für Lastwagen und Zugmaschinen zu finden – denn allein in Deutschland fehlen laut Branchenstudien mittlerweile 70.000 Lkw-Fahrer.

Der selbstfahrende Truck bleibt im Straßenverkehr bislang nur eine Vision. Hier sind die Anforderungen immer noch zu komplex, damit ein Computer einen Lkw steuert. Anders ist das auf den Betriebsflächen von Häfen oder Logistikzentren, dort gilt die Straßenverkehrsordnung nicht. Allerdings müssen die Betreiber ihre Betriebssicherheit über eine CE-Zertifizierung nachweisen. Fernride strebt diese nun an, um das Konzept europaweit vermarkten zu können.

Mit einer CE-Zertifizierung kann ein Hersteller nachweisen, dass alle rechtlichen Anforderungen an Sicherheit, Gesundheitsschutz und Umweltschutz, die in der Europäischen Union (EU) gelten, erfüllt werden.

Häfen werden die Vorreiter für autonome Trucks

Bei der HHLA teilen sich Computer und ein Lkw-Fahrer aus der Ferne die Arbeit. „Die langen Strecken zwischen den Kränen fahren wir autonom, der Fahrer schaltet sich für komplexe Manöver auf“, sagt Hendrik Kramer, Mitgründer und Vorstandschef von Fernride. Das gilt zum Beispiel für Rangierarbeiten an den Verladestationen oder wenn Hindernisse wie zum Beispiel Plastikplanen auf der Wegstrecke liegen.

Der Fahrer sitzt in der Operationszentrale und verfolgt die Arbeit der Maschinen über Kameras und Radare. Alle Fahrer haben einen Lkw-Führerschein und eine Weiterbildung zum Teleoperator.

Bei HHLA teilen sich Computer und ein Lkw-Fahrer aus der Ferne die Arbeit. Foto: Fernride

Zunächst soll ein Lkw-Fahrer vier Zugmaschinen bedienen, doch in Zukunft soll ein Fahrer Dutzende oder bis zu einhundert Fahrzeuge betreuen können. Verbaut werden Lidar, Radare und Kamerasysteme aus der Autoindustrie, die ebenfalls an teilautomatisierten Fahrzeugen arbeitet. Lidar steht für eine Methode, bei der Laserlicht die Umgebung abtastet.

Das System verarbeitet über die Zeit Daten aus Kameras und Radaren, erlernt Routinen und das Verhalten in Ausnahmefällen. „Der Lkw-Fahrer wird zu einer Art Fluglotse“, sagt Kramer. Die Investitionen in die neuen Zugmaschinen sollen sich je nach Lohnniveau in sechs bis 18 Monaten rechnen. Denn menschliche Fahrer machen bis zu 70 Prozent der Transportkosten in der Logistik aus – wenn sie am Arbeitsmarkt überhaupt noch verfügbar sind.

Mittlerweile hat Fernride, eine Ausgründung der Technischen Universität München, rund 70 Millionen Euro Kapital eingesammelt. Zu den Investoren zählen die Munich Re, die HHLA und der Risikoarm von Schenker. Neben der Technik verfügt Fernride auch über die gesammelten Daten, mit dem die Systeme wiederum trainiert werden. Das ist wohl das wichtigste Eigentum des Start-ups.

Mehrere Unternehmen arbeiten an selbstfahrenden Trucks

Nach den Häfen will das Münchener Unternehmen die Betriebshöfe von Logistikunternehmern wie Schenker, Amazon oder DHL automatisieren. Auch Baustellen oder Minen bieten sich für die Technik an. Hier ist Fernride aber nicht allein. In Europa arbeiten Volvo und Scania an selbstfahrenden Transportern für den Minenbetrieb.

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Weltweit zieht die Automatisierung der Logistik immer mehr Investoren an. In den USA sind finanzkräftige Unternehmen wie Outrider AI und Forterra im Markt. In China, dem größten Hafenbetreiber der Welt, arbeitet Westwell an selbstfahrenden Zugmaschinen.

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