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RüstungMünchener Start-up Fernride steigt ins Verteidigungsgeschäft ein

Die Firma testet bereits autonome Lkw für die Bundeswehr. Für den Ausbau des neuen Geschäfts erhält Fernride weitere 18 Millionen Euro von Investoren.Nadine Schimroszik 04.09.2025 - 09:10 Uhr Artikel anhören
Militärtransporter ohne Fahrer: Dabei will Fernride helfen. Foto: Fernride

Berlin. Das Münchener Mobilitäts-Start-up Fernride steigt in das boomende Verteidigungsgeschäft ein. „Wir arbeiten daran, autonome Lkw mit der Bundeswehr zu testen“, sagte Firmenchef und Mitgründer Hendrik Kramer im Gespräch mit dem Handelsblatt. Das, was Fernride mache, passe optimal zu den Anforderungen und dem Bedarf der Bundeswehr. „Das ist eine extreme Chance für uns“, ist sich Kramer sicher. Letztlich gehe es darum, Lkw autonom an die Front bringen zu können.

Bisher hat Fernride seine Technologie ausschließlich für den zivilen Sektor entwickelt. Mit dieser können Laster und Zugmaschinen aus großer Entfernung gestartet, gelenkt und gestoppt werden. Das macht es möglich, dass ein Fahrer gleichzeitig mehrere Maschinen steuert.

Erst kürzlich erhielt die Firma als erste in Europa die Zertifizierung, um auf Containerterminals teilautonom mit Lkw zu fahren. Zu den Kunden gehören Firmen wie DB Schenker, Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) und Volkswagen. Aktuell sind mit der Fernride-Technologie ausgestattete Zugmaschinen im Hafen von Tallinn im Einsatz.

Um das Verteidigungsgeschäft aufbauen zu können, erhält Fernride nun weitere 18 Millionen Euro von Investoren. Zuletzt fiel es vor allem Verteidigungsfirmen vergleichsweise leicht, neues Kapital einzusammeln. Die beiden größten deutschen Vertreter, Helsing und Quantum Systems aus München, stemmten Mega-Finanzierungsrunden.

Das neue Geld für Fernride kommt federführend von der erst kürzlich entstandenen Risikokapitalfirma Helantic, aber auch von Bestands- sowie auch Angel-Investoren, also von wohlhabenden Privatpersonen, die ihr eigenes Geld in junge Start-ups investieren, und dem früheren Hensoldt-Chef Thomas Müller. Letzterer zieht auch in den Beirat von Fernride ein. „Die Technologie von Fernride hat sich bereits in der zivilen Logistik bewährt“, sagte Müller. Genau solche Innovationen aus Deutschland würden benötigt, um die technologische Souveränität zu sichern.

Thomas Müller (l.) und Hendrik Kramer: Der frühere Hensoldt-Chef zieht in den Beirat von Fernride ein. Foto: Fernride

Mittlerweile hat Fernride, eine Ausgründung der Technischen Universität München, etwa 75 Millionen Euro Kapital eingesammelt. Zu den Bestandsinvestoren zählen die Munich Re, die HHLA und der Risikoarm von Schenker.

Wachsendes ziviles Geschäft

Für Kramer bedeutet der Einstieg in das Verteidigungsgeschäft nicht, dass jetzt der zivile Bereich vernachlässigt wird: „Wir sind eine Dual-Use-Firma. Wir haben ein wachsendes ziviles Geschäft.“

Entsprechend sind die Pläne von Kramer für beide Bereiche groß – für den Verteidigungssektor wie auch für das zivile Geschäft. „Im Idealfall rollen wir unser ziviles Produkt in mehreren europäischen Häfen im nächsten Jahr aus. Im Verteidigungsbereich möchten wir in die ersten Programme hineinkommen“, kündigte er an.

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Fernride kommt zugute, dass die Firma bereits einige Anforderungen erfüllt, die beim militärischen Einsatz wichtig sind. So funktionieren die Technologie-Lösungen ohne GPS, sind also größtenteils vor Jamming geschützt. Beim sogenannten Jamming lassen Störsignale die Funkverbindung abreißen, was beim autonomen Fahren für Unfälle sorgen könnte.

Zugleich plagen die Lkw-Branche ähnliche Personalprobleme wie die Streitkräfte. „Wir können helfen, die Personalnot und die gestiegenen Logistikanforderungen in der Bundeswehr und in anderen Streitkräften zu lindern“, sagte Kramer.

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