Newsletter Shift: So will ein Gründer Milliarden für die Allgemeinheit mobilisieren
Düsseldorf. Deutschland ist ein reiches Land. Dennoch bleibt in der zu Ende gehenden Legislaturperiode wieder vieles unangetastet, was sich schon mit wenig Geld verbessern ließe.
Aber warum denn auf die Politik warten? Schon kleine Spenden von Privatleuten können helfen, beispielsweise die frühkindliche Bildung zu fördern, Geflüchtete besser zu integrieren oder mehr für den Klimaschutz zu tun.
Spenden kann jeder, der Geld übrig hat und ein sinnvolles Projekt unterstützen möchte. Allerdings ist nicht immer sicher, dass das gespendete Geld wirklich dort landet, wo es hin soll.
Die Lösung: eine eigene Stiftung gründen, welche die Spenden genau an die gewünschte Stelle bringt – und andere animiert, für denselben Zweck zu spenden.
Eine Sache nur für Vermögende? Nein, sagt Felix Oldenburg:
Oldenburg tritt mit dem Start-up Bcause an, finanzielles Engagement so einfach zu machen wie zum Beispiel die Eröffnung eines Online-Bankkontos. Stiften müsse kein teures Privileg für wenige Vermögende sein, sagt der ehemalige Generalsekretär des Bundesverbands Deutscher Stiftungen.
Wer nun eine herkömmliche Stiftung gründen will, muss sich rechtlich und steuerlich beraten lassen, erheblichen bürokratischen Aufwand bewältigen und über das Kapital für den Vermögensgrundstock der Stiftung verfügen. „Das ist eine so unfassbar aus der Zeit gefallene Komplexität“, sagt Oldenburg. Das solle sich durch Bcause ändern.
„Wir haben die gesamte Funktionalität einer Stiftung in einem digitalen Instrument abgebildet, so dass man innerhalb von fünf Minuten starten kann“, erläutert der Bcause-Mitgründer.
Man muss sich das so vorstellen, als ob man unkompliziert die eigene kleine Mini-Stiftung gründet. Dabei sei es egal, ob jemand mit fünf oder mit 50.000 Euro anfangen wolle – das Verfahren sei dasselbe.
Warum liegt Oldenburg das Thema so am Herzen?
Beim Stiftungsverband beobachtete Oldenburg, dass kaum noch zusätzliche Vermögen in Stiftungen fließen. Vergleiche man für den Zeitraum der vergangenen zehn Jahre das Wachstum der privaten Vermögen mit dem Wachstum von Stiftungsvermögen, hätten – bei gleichbleibender Großzügigkeit – Stiftungen 30 Milliarden Euro mehr einsammeln sollen, als sie erhielten.
Oldenburg beruft sich auf eine gemeinsame Berechnung mit der Beratungsfirma McKinsey. Daher sagt er:
Denn großzügige Gut- und Spitzenverdiener gebe es weiterhin. Aber sie bräuchten offenbar ein anderes Angebot als herkömmliche Stiftungen.
Wie funktioniert das Start-up?
Oldenburg und seine Geschäftspartner haben eine GmbH als Betreibergesellschaft gegründet, die durch Wagniskapital finanziert ist – „geduldiges Wagniskapital“, wie der Gründer sagt. Unter dem GmbH-Dach gibt es eine gemeinnützige Stiftung, in die hinein die Stiftungskonten der Nutzerinnen und Nutzer eingerichtet werden. Dort wird das Geld der Stiftenden verwahrt und geschützt vor jeglichem Zugriff Dritter.
Daneben gibt es einen Bereich auf der Stiftungsplattform für Empfängerorganisationen. Deren Seriosität prüft Bcause, und sie sollen Stiftungswillige inspirieren, wohin ihr Geld fließen könnte.
Was ist das Ziel?
Oldenburg hofft, dass die Idee einer eigenen digitalen Stiftung in weniger als zehn Jahren eine Selbstverständlichkeit sein wird und immer mehr Menschen auch mit kleinen Beträgen für die Allgemeinheit Sinnvolles bewirken. „Wir wissen in immer mehr Feldern ziemlich genau, wie günstig es ist, heute Probleme zu lösen im Vergleich zu ihren Folgekosten, die wir alle in wenigen Jahren tragen müssen – im Bereich des Klimawandels ist es am einfachsten nachzuweisen“, sagt er.
Was halten Sie von dieser Idee, liebe Leserin, lieber Leser? Finden Sie das Stiften im Kleinen so sinnvoll wie der Gründer? Welche anderen Vorschläge haben Sie, um unsere Gesellschaft zukunftsfest zu machen? Schreiben Sie uns an newsletter@handelsblatt.com!
Dieser Text ist zuerst am 27. Januar 2025 im Newsletter Handelsblatt Shift erschienen. Diesen und weitere Newsletter können Sie hier abonnieren.