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PflegeversicherungGeplante Erhöhung der Beiträge reicht womöglich nicht

Eine Analyse der Barmer zeigt erheblich steigende Kosten für die Pflege – auch weil die Menschen bald doppelt so lang gepflegt werden. Das ist nicht nur der Demografie geschuldet, sondern auch der Politik.Britta Rybicki 18.11.2024 - 17:00 Uhr Artikel anhören
Alltag im Seniorenheim: Immer mehr Menschen sind länger pflegebedürftig. Foto: dpa

Berlin. Ab 1. Januar 2025 sollen die Beiträge für die Pflegeversicherung steigen, und schon jetzt zeichnet sich ab, dass das nicht genügt. Eine aktuelle Analyse der Barmer Krankenkasse zeigt: Die durchschnittliche Dauer der Pflege soll sich in den kommenden Jahren verdoppeln – und die Kosten der Pflegeversicherung für den Einzelnen werden auch dadurch immer weiter steigen.

Barmer-Kassenchef Christoph Straub sagt mit Blick auf die von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) geplante Erhöhung: „Die 0,2 Prozentpunkte Beitragserhöhung reichen für das Jahr 2025 nicht aus, sie schaffen nur Luft bis nach der Bundestagswahl.“ Die durch die vorgezogene Wahl schon im Frühjahr 2025 folgende Regierung müsse sich daher direkt mit einer umfassenden Pflegereform auseinandersetzen, um eine langfristige Lösung zu finden.

Die Gründe für die steigenden Kosten: Die Gesellschaft wird immer älter, die Menschen brauchen immer häufiger Pflege. Zudem tragen steigende Löhne und vor allem die verlängerte Pflegedauer zu den Kostensteigerungen bei. Laut der Barmer-Analyse wird die durchschnittliche Pflegedauer in den kommenden Jahren auf rund 7,5 Jahre zulegen – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu den 3,8 Jahren, die Pflegebedürftige in Anspruch nahmen, die 2022 gestorben sind.

Steigende Löhne als Kostentreiber

Dieser Anstieg ist wiederum nicht nur dem demografischen Wandel geschuldet, sondern auch politischen Entscheidungen. So wurde 2017 der allgemeine Pflegebedürftigkeitsbegriff eingeführt, durch den mehr Menschen Anspruch auf Pflegeleistungen haben. Menschen mit Demenz zum Beispiel, die körperlich kaum eingeschränkt sind. Laut Barmer steigen die Kosten für den Einzelnen um etwa 50 Prozent bezogen auf die heutigen Preise.

In den vergangenen zehn Jahren sind zudem die Gehälter von Pflegefachkräften und Pflegehilfskräften mehr als doppelt so stark gestiegen wie die anderer Beschäftigter. Laut der Barmer-Analyse haben sich die Entgelte für Pflegekräfte seit 2015 um 59 Prozent erhöht, für Pflegehilfskräfte um 53 Prozent.

Die Lohnsteigerungen sind womöglich notwendig, um die Branche attraktiver zu machen und den Fachkräftemangel zu bekämpfen. Das Statistische Bundesamt prognostizierte, dass bis 2049 zwischen 280.000 und 690.000 Pflegekräfte bundesweit fehlen könnten.

Seit September 2022 werden außerdem nur noch Verträge mit Pflegeeinrichtungen abgeschlossen, die ihre Mitarbeiter entweder nach Tarif bezahlen oder zumindest entsprechend den regional üblichen Löhnen. Die Folge: steigende Kosten.

0,2 Prozentpunkte – zu wenig für die Zukunft?

Die von Lauterbach angekündigte Beitragserhöhung von 0,2 Prozentpunkten würde jährlich Mehreinnahmen von rund 3,7 Milliarden Euro für die Pflegeversicherung generieren sowie den Beitragssatz auf 3,6 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen erhöhen, heißt es in der entsprechenden Verordnung. Für Rentnerinnen und Rentner soll die Beitragserhöhung erst ab dem 1. Juli 2025 kommen.

Die Barmer warnt jedoch, dass diese Maßnahmen nicht ausreichen werden, um die langfristigen Kostensteigerungen zu finanzieren. Um die Pflegeversicherung nachhaltig abzusichern, fordert die Krankenkasse eine umfassendere Lösung. Diese müsse auch eine Steuerfinanzierung umfassen.

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Forderungen der Kassen

Neben einer Steuerfinanzierung fordert die Barmer Krankenkasse vom Bund auch die Rückzahlung von mehr als fünf Milliarden Euro, die während der Coronapandemie von der Pflegeversicherung vorfinanziert werden mussten. Zudem müsse die Pflegeversicherung von versicherungsfremden Leistungen entlastet werden. Auch die Ausbildungskosten für Pflegekräfte sollten künftig über Steuermittel finanziert werden statt aus der Pflegeversicherung.

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