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EZB„Warne, zu weit zu gehen“ – EZB-Direktorin dämpft Zinserwartung

In knapp zwei Wochen entscheidet die EZB über das Zinsniveau im Euro-Raum. Isabel Schnabel würde in puncto Zinssenkungen gemäßigter vorgehen als andere Ratsmitglieder. 27.11.2024 - 11:45 Uhr Artikel anhören
Schnabel ist Mitglied im EZB-Rat ist, dem Entscheidungsgremium der Notenban Foto: Reuters

Frankfurt. EZB-Direktorin Isabel Schnabel mahnt vor zu starken Zinssenkungen in der Euro-Zone. Die Währungshüter der Europäischen Zentralbank (EZB) könnten die Geldpolitik zwar weiter lockern, dies sollte aber nur schrittweise geschehen, sagte Schnabel im Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Ich würde davor warnen, zu weit zu gehen.“

Schnabel ist Mitglied im EZB-Rat ist, dem Entscheidungsgremium der Notenbank. Sie gilt als Verfechterin einer straffen Geldpolitik.

Sollten die Zinsen zu stark fallen, könnten sie unter das neutrale Niveau sinken, sagte die EZB-Direktorin. Mit dem neutralen Niveau ist gemeint, dass die Leitzinsen die Konjunktur weder bremsen noch anschieben.

Schnabel schätzt das neutrale Niveau auf zwei bis drei Prozent. Diese Schätzung liegt über den Prognosen anderer Ratsmitglieder. Die Analysten der Deutschen Bank beispielsweise hatten das neutrale Zinsniveau bei etwa 2,0 bis 2,50 Prozent angesiedelt. Der am Finanzmarkt richtungsweisende Einlagensatz, den Banken für bei der Zentralbank geparkte überschüssige Gelder erhalten, liegt aktuell bei 3,25 Prozent.

Legt man die erwartete Inflation zugrunde, seien weitere Anpassungen der Zinsen richtig, führte die Ökonomin aus. Ein Absenken in den akkommodierenden Bereich, in dem die Wirtschaft angeschoben wird, „halte ich aus heutiger Sicht nicht für angemessen.“

Rege Debatte um Zinssenkungen

Die Äußerungen Schnabels tragen zur Debatte bei, wie die EZB auf die trübe Konjunkturentwicklung reagieren sollte. Die einzelnen Ratsmitglieder vertreten verschiedene Ansichten über das richtige Tempo in puncto Zinssenkungen.

Seit der Zinswende im Juli hat die EZB die Leitzinsen dreimal gesenkt. An den Börsen wird mit weiter sinkenden Zinsen gerechnet, nachdem Konjunkturdaten aus der Euro-Zone zuletzt überraschend schwach ausfielen. Die nächste Zinsentscheidung der EZB steht am 12. Dezember an.

An den Terminmärkten wird damit gerechnet, dass der Einlagenzins im nächsten Jahr auf etwa 1,75 Prozent fällt. Das stehe im Widerspruch zu ihrer eigenen Einschätzung, betonte Schnabel. Von Bloomberg befragte Wirtschaftswissenschaftler erwarten einen Rückgang auf zwei Prozent in der zweiten Hälfte des Jahres 2025.

EZB-Chefvolkswirt Philip Lane hatte sich am Montag für weitere Zinssenkungen zur Stützung der Wirtschaft ausgesprochen. „Wir legen uns nicht im Voraus auf ein genaues Tempo der Senkung fest, aber wir werden unsere Zinsen schrittweise senken müssen“, sagte Lane der französischen Finanzzeitung „Les Echos“. Nach seiner Einschätzung sollte die Geldpolitik nicht zu lange restriktiv bleiben. „Andernfalls wird die Wirtschaft nicht ausreichend wachsen.“

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Bundesbank-Präsident Joachim Nagel warnte hingegen zuletzt abermals vor zu schnell sinkenden Zinsen. Es gelte weiter, vorsichtig zu sein „und die Geldpolitik nur graduell und nicht zu schnell zu lockern“, sagte er in Dortmund. Auch er gilt als Anhänger einer strikten Geldpolitik.

So könnten sich die Zollpläne des designierten US-Präsidenten Donald Trump auch hierzulande in höherer Inflation niederschlagen, so Nagel. Zudem sei nicht auszuschließen, dass das Lohnwachstum in der Euro-Zone, das Auswirkungen auf die Preise von Dienstleistungen hat, langsamer zurückgehe als erwartet.

rtr, Bloo
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