Nahost: Auch die Syrien-Krise zeigt, dass Netanjahu sich durchsetzt

So unübersichtlich die Lage in Syrien, so unklar die Motive der sogenannten Rebellen auch sein mögen, zwei Erkenntnisse drängen sich schon jetzt auf:
- Erstens hat der Rachefeldzug des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu die Machtbalance im Nahen und Mittleren Osten nachhaltig verändert.
- Zweitens zeigt das überraschende Wiederaufflammen des syrischen Bürgerkriegs einmal mehr, dass in dieser chronisch instabilen Region alles mit allem zusammenhängt.
Auch im Ukrainekrieg spielen die Auswirkungen der neuen Konstellation eine nicht zu unterschätzende Rolle.
Die israelische Armee hat die Hisbollah im Libanon durch ihre Angriffe so geschwächt, dass sich die islamistische Miliz von Netanjahu einen Waffenstillstand aufzwingen lassen musste, der freilich schon jetzt brüchig ist. Der Iran wiederum, Israels gefährlichster Gegner, ist ohne eine handlungsfähige Hisbollah nur noch ein Schatten seiner selbst.
Sowohl Teheran als auch die Hisbollah waren neben Russland die wichtigsten Unterstützer von Baschar al-Assad, dem grausamen Diktator von Damaskus. Und Moskau selbst ist bereits mit seinem Angriffskrieg in der Ukraine überfordert. Die Gelegenheit für die Aufständischen und ihre Unterstützer, allen voran die Regionalmacht Türkei, könnte kaum besser sein.
Unabhängig von der Frage, ob es den Rebellen gelingen wird, die grausame Gewaltherrschaft Assads zu beenden und ob eine Machtübernahme durch die teils dschihadistischen Gruppierungen die Lage im Land verbessern würde – der Gewinner einer Schwächung des Regimes in Damaskus steht schon jetzt fest: Israel.
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Vor nicht allzu langer Zeit schien die Lage der einzigen Demokratie in der Region prekär. Nicht nur, dass Netanjahu sein Land nach der unverhältnismäßigen Vergeltung für das Hamas-Massaker vom 7. Oktober international isoliert sah. Er sah sich auch einer scheinbar übermächtigen „Allianz“ aus Iran und seinen Milizen Hamas, Hisbollah und Huthi sowie einer zunehmend israelkritischen Haltung der Schutzmacht USA gegenüber.
Doch spätestens mit der Schwächung des Diktators in Damaskus ergibt sich ein völlig neues Bild. Manche vergleichen die strategische Lage des Landes mit der Situation nach dem Sechstagekrieg 1967, als Israel die arabischen Staaten demoralisierte. Tatsächlich ist die militärische Überlegenheit Israels aus arabischer Sicht erdrückend.
Hinzu kommt: Netanjahu ist einer der wenigen in der westlich geprägten Welt, der vom Machtwechsel in Washington profitieren wird. Donald Trump gilt im Gegensatz zu Biden als bedingungsloser Unterstützer Israels. Gerade erst drohte er der Hamas mit der „Hölle“, sollte die Terrororganisation nicht bis zu seinem Amtsantritt am 20. Januar die israelischen Geiseln freilassen.
Selten hatte Netanjahu Anlass, sich in seinem Rachefeldzug gegen Hamas und Hisbollah zu mäßigen. Aber noch nie war der Anreiz so gering wie jetzt – und das ist die traurige Nachricht aus einer Region, in der es ohnehin kaum Hoffnungssignale gibt.