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NahostkonfliktIsrael fürchtet den Vormarsch der Islamisten in Syrien

Die Rebellen haben in den letzten Tagen große Gebiete in Nordsyrien erobert. Könnte ein Sturz des Assad-Regimes für Israel sogar eine positive Nachricht sein?Inga Rogg 02.12.2024 - 18:14 Uhr Artikel anhören
Islamistische Rebellen: Die HTS hat vor, als Nächstes auf Damaskus vorzurücken. Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire

Istanbul. Die Islamisten, die derzeit in Syrien auf dem Vormarsch sind, geben sich bislang betont diplomatisch. Anstatt in flammenden Reden zum Kampf gegen Israel und zur Unterstützung der Palästinenser aufzurufen, äußern sie sich höchstens zurückhaltend.

Nach der Einnahme von Aleppo beteten sie, dass die Leiden der Zivilbevölkerung in Gaza ein Ende haben möge. Ihr Fokus scheint darauf zu liegen, sich auf den Kampf gegen die Truppen des Regimes von Bashar al-Assad vorzubereiten.

Ein prominenter Kämpfer gab einem israelischen Sender sogar ein Interview, bei dem er sich bemühte, die israelischen Ängste vor den Aufständischen zu zerstreuen: Israel sollte sich vor der Hisbollah, dem Iran und Assad fürchten, nicht aber vor den Rebellen, sagte Suhail Mohammed Hamud dem öffentlich-rechtlichen Sender Kann News. Wegen seiner Treffsicherheit im Einsatz von Panzerabwehrraketen kennt man ihn in Syrien vor allem unter dem Spitznamen „Abu Tow“. „Ihr wisst, wie der Iran und Assad sich verhalten. Sie gehen mit viel härterer Hand vor als die Islamisten.“

Abu Mohammed Jolani, der Chef der Gruppierung, die den Angriff auf das Regime anführt, richtete sich mit einer Botschaft an die Nachbarländer: Die Vertriebenen und Flüchtlinge aus der Türkei würden zurückkehren können, der Iran werde Syrien nicht mehr als Korridor nutzen können, sagte Jolani mit Blick auf die Waffenlieferungen an die libanesische Hisbollah-Miliz.

In Israel wäre man zwar froh, wenn die Hisbollah und der Iran weiter geschwächt würden. Vor allem will man aber Stabilität an der Nordgrenze. Und diese gewährt Assad derzeit. Zudem ermöglicht seine Schwäche es den Israelis, Nachschubwege der Hisbollah sowie mögliche iranische Stellungen und Waffendepots zu bombardieren.

Israel sei neutral, sagt der Außenminister

Israels Außenminister Gideon Sa‘ar sagte am Sonntag, zwischen dem syrischen Regime und den dschihadistischen Rebellen gebe es keine gute Wahl. Der ehemalige Offizier des israelischen Militärgeheimdienstes, Mordechai Kedar, sprach sich dagegen für eine Kehrtwende aus.

Er stünde in ständigem Kontakt mit den Rebellen, sagte Kedar, der heute an der Bar-Ilan-Universität lehrt, in einem Interview mit einem israelischen Sender. „Sie sind zu einem Friedensabkommen mit Israel bereit.“ Die Bedingung dafür seien Waffenlieferungen. Er habe eine genaue Liste erhalten, so Kedar.

Können die Rebellen Assad stürzen?

Heiko Wimmen von der International Crisis Group, einem auf Konflikte spezialisierten Thinktank in Brüssel, bezweifelt, dass die Aufständischen über die jetzt eroberten Gebiete nach Süden vorrücken können. „Die Rebellen haben sehr schnell, sehr viel Territorium erobert. Das heißt, dass damit automatisch die Nachschubwege länger werden“, sagte Wimmen dem Handelsblatt. Das Regime sei von dem Angriff überrascht worden, wovon es sich aber erhole. „Früher oder später hat das Regime aber an Quantität einfach mehr aufzubieten.“

Russland hat sich in dem aktuellen Konflikt bisher weitgehend zurückgehalten. Das dürfte sich ändern. „Die Russen sind sicherlich nicht besonders begeistert“, so Wimmen. „Sie werden sich nicht mit besonders viel Enthusiasmus beteiligen. Aber sie werden dem Regime am Ende die Mittel geben, um den Rebellenangriff zu stoppen.“

Der Experte geht davon aus, dass sich der Frontverlauf nördlich der Stadt Hama stabilisieren wird. „Vielleicht gelingt es den Rebellen, Aleppo zu halten. Aber ich gehe nicht davon aus, dass sie bis nach Damaskus vormarschieren können.“

Signale der Rebellen an Russland und den Irak

Die wichtigeren Themen als Israel seien für die Regimegegner vor allem Russland und der Irak, sagt der Syrien-Experte Aymenn Tamimi.

„Im Fall von Russland haben sie versucht zu betonen, dass sie kein Problem mit Russland als Staat haben“, sagte Tamimi dem Handelsblatt. Russland solle nicht glauben, seine Interessen seien an das Schicksal von Assad gebunden, so die Botschaft.

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„Im Fall des Irak versuchen sie ebenfalls zu betonen, dass sie keine Bedrohung darstellen“, so Tamimi.

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