Großbritannien: Fusion lässt neuen Mobilfunkriesen entstehen
London. Die britischen Wettbewerbshüter haben keine Einwände mehr gegen die Fusion der beiden Mobilfunkbetreiber Vodafone und Three in Großbritannien. Das teilte jetzt die Kartellbehörde Competition and Markets Authority (CMA) in London mit. Three ist ein Tochterunternehmen der CK-Hutchison-Gruppe in Hongkong.
Durch die Fusion entsteht der größte Mobilfunkanbieter in Großbritannien mit 29 Millionen Kunden. Die Zahl der Betreiber sinkt von vier auf nur noch drei Unternehmen. Durch die Entscheidung in Großbritannien könnte es auch in anderen europäischen Mobilfunkmärkten zu einer Konsolidierung kommen.
„Wir glauben, dass der Zusammenschluss den Wettbewerb im britischen Mobilfunksektor ankurbeln wird (…) – allerdings nur, wenn Vodafone und Three sich bereit erklären, die von uns vorgeschlagenen Maßnahmen umzusetzen“, betonte Wettbewerbshüter Stuart McIntosh.
Die Kartellwächter haben die beiden Unternehmen verpflichtet, rund elf Milliarden Pfund (etwa 13 Milliarden Euro) in den Ausbau des ultraschnellen Mobilfunknetzes der fünften Generation (5G) zu investieren.
Großbritannien hat bislang eines der langsamsten Mobilfunknetze in Europa. Außerdem müssen die beiden Unternehmen einige Preise für Mobilfunktarife deckeln.
Investitionen in schnellere Netze
„Die heutige Entscheidung schafft eine neue Kraft auf dem britischen Telekommunikationsmarkt und setzt die notwendigen Investitionen für den Aufbau der Netzinfrastruktur frei“, sagte Vodafone-Chefin Margherita Della Valle. Verbraucher und Unternehmen würden im gesamten Königreich in den Genuss einer größeren Reichweite, schnellerer Geschwindigkeiten und besserer Verbindungen kommen.
Vodafone und Three hatten im vergangenen Jahr ihre Fusionspläne bekannt gegeben. Die Transaktion hat ein Volumen von etwa 15 Milliarden Pfund. Vodafone wird mit 51 Prozent am Joint Venture die unternehmerische Führung übernehmen und hat eine Kaufoption für die restlichen Anteile nach drei Jahren. Geführt wird das Gemeinschaftsunternehmen vom Vodafone-Manager Max Taylor.
Die Entscheidung der britischen Wettbewerbshüter könnte nach Meinung von Experten auch Einfluss auf künftige Entscheidungen der EU-Kommission im europäischen Mobilfunkmarkt haben. Ist es doch das erste Mal, dass eine Fusion genehmigt wird, ohne dass die beteiligten Unternehmen wesentliche Teile abspalten müssen. Die Unternehmen der Branche warnen seit Langem davor, dass die europäischen Kartellwächter zu sehr auf den Preiswettbewerb achten und dadurch notwendige Investitionen in den Aufbau schnellerer Netze verhindern.
„Die Logik, dass jedes Land, jede Region, jedes ländliche Gebiet in Europa von mindestens vier konkurrierenden, vollwertigen Infrastrukturen abgedeckt werden muss, war ein massives Problem“, sagte Vodafone-Chefin Della Valle in einem Interview. „Das hat dazu geführt, dass es nur noch wenige Betreiber gibt, die die Kapazität haben zu investieren.“