Thyssenkrupp und Co.: Die Stahlbranche braucht Sofortmaßnahmen

Der Stahlhersteller Arcelor-Mittal hat seine Pläne für einen grünen Umbau in Deutschland auf Eis gelegt. Die Stahltochter von Thyssen-Krupp will sich nun von 11.000 Arbeitsplätzen und dreieinhalb Millionen Tonnen Stahl trennen. Dass die deutsche Stahlindustrie in einer tiefen Krise steckt, hat nun auch Bundeskanzler Olaf Scholz erkannt – und Vertreter der Branche zum Stahlgipfel ins Kanzleramt geladen.
Treffen, bei denen sich die Politik die Sorgen der Stahlindustrie anhört, gab es schon viele. Auch nach dem heutigen Gipfel lautet das Fazit: Viel geredet, aber keine konkreten Maßnahmen.
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„Es ist nicht fünf vor zwölf, es ist schon zwölf“, sagte Gunnar Groebler, Vorstandsvorsitzender des Stahlherstellers Salzgitter und Präsident des Branchenverbandes, bereits im September. Die Liste der Probleme ist lang: Die Stahlindustrie braucht wirtschaftliche Strompreise, die Nachfrage wichtiger Abnehmer bricht ein. Zudem belasten Netzentgelte und billige Stahlimporte aus Asien die heimische Industrie.
Zudem muss der Weg in eine klimaneutrale Zukunft gesichert werden. Die deutsche Stahlindustrie befindet sich mit der grünen Transformation in einem Wandel, wie es ihn seit der Industrialisierung nicht mehr gegeben hat.
Die neue Regierung ist sofort gefordert
Zu diesem Zweck haben Bund und Länder den vier größten deutschen Stahlherstellern bereits rund sieben Milliarden Euro für den Bau klimafreundlicher Anlagen zur Verfügung gestellt. Das Geld ist allerdings umsonst ausgegeben, wenn die heimische Stahlproduktion an den strukturellen Rahmenbedingungen erstickt.
Die Branche braucht konkrete Schritte auf dem Weg zu wettbewerbsfähigen Energiepreisen, gedeckelten Netzentgelten und notwendigen Investitionen. Hier ist auch eine neue Regierung im kommenden Jahr gefordert.
