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TuiWas Hotels mit dem Aktienkurs des Reiseveranstalters zu tun haben

Der Reisekonzern Tui erholt sich zunehmend von der Pandemie. Eine große Rolle spielen bei der Wachstumsstrategie von CEO Sebastian Ebel die Hotels. Das hat zwei Gründe. 11.12.2024 - 08:12 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Urlauber am Ostseestrand: 2024 kam Tui mit seinen Pauschalreisen und Kreuzfahrten auf mehr als 20 Millionen Gäste. Foto: Jens Büttner/dpa

Frankfurt. Der Reisekonzern Tui hat seinen Gewinn kräftig gesteigert. In dem bis September laufenden Geschäftsjahr 2024 stieg das bereinigte Betriebsergebnis um ein Drittel auf 1,3 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Grund dafür ist die robuste Nachfrage nach Urlaubsreisen bei zugleich steigenden Preisen.

Laut LSEG traf Tui damit die Erwartung von Analysten. Mit mehr als 20 Millionen Gästen erzielte der weltweit größte Reiseanbieter mit seinen Pauschalreisen und Kreuzfahrten gut 23 Milliarden Euro Umsatz, ein Plus von zwölf Prozent. „In diesen Zeiten ist es schwer zu garantieren, dass die eigenen Prognosen erreicht werden“, sagte Tui-Chef Sebastian Ebel am Mittwochvormittag vor Journalisten: „Umso glücklicher sind wir, dass wir liefern konnten, was versprochen wurde.“

Trotz der guten Zahlen verlor die Tui-Aktie am Mittwochvormittag rund fünf Prozent. Investoren hatten wohl noch bessere Zahlen für Buchungen im laufenden Winter erwartet.

Urlauber gönnen sich mehr Luxus

Tui-CEO Ebel verwies darauf, dass Ostern im kommenden Jahr erst im April und damit nicht mehr im Winterquartal liegt. „Wir sehen keinen Abschwung“, betonte er. Aktuell lägen die Buchungen für die Wintersaison vier Prozent über dem Vorjahr bei fünf Prozent höheren Durchschnittspreisen.

Für das laufende Fiskaljahr erwartet die Tui-Führung ein Umsatzplus von fünf bis zehn Prozent. Das Ergebnis soll noch stärker als der Umsatz zulegen – zwischen sieben und zehn Prozent. „Wir wollen Wert schaffen für alle Stakeholder – für die Mitarbeiter, für die Kunden und insbesondere die Aktionäre, die harte Zeiten hatten“, sagte Ebel.

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Tui plant Expansion des Hotel-Geschäfts – und erwägt den Kauf einer eigenen Insel

Eine große Rolle sollen dabei die Hotels und Resorts spielen. Das hat mehrere Gründe. Zum einen ist die Marge in diesem Segment hoch. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte von 549 auf 668 Millionen Euro zu. Die Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROIC) beträgt 22 Prozent.

Das liegt auch an steigenden Preisen. Die Urlauber gönnen sich mehr Luxus im Urlaub. Im Schnitt kostete eine Hotelnacht bei Tui 93 Euro, ein Plus von sieben Prozent. Und der Trend setzt sich fort. Die bisherigen Vorausbuchungen für die erste Hälfte des laufenden Fiskaljahres zeigen einen Anstieg der Tagesraten um weitere sechs Prozent.

Zum anderen kann sich das Unternehmen nach Ansicht von Ebel gerade bei den Hotels vom Wettbewerb abheben – auch von starken Plattformen wie Booking.com. So könne der Reisekonzern den Kundinnen und Kunden in den Hotels den eigenen „Tui-Touch“ bieten.

Bisher scheinen die Gäste das zu goutieren. Der sogenannte Net Promoter Score (NPS), der ausdrückt, wie stark ein Produkt weiterempfohlen wird, ist laut Ebel gestiegen: „Das ist sehr wichtig, denn zufriedene Kunden kehren zu Tui zurück.“

Das wiederum steigert die Gewinne. Im laufenden Geschäftsjahr will Tui bei den Hotels um 15 Prozent wachsen, danach sogar noch stärker. Aus den zuletzt 433 Hotels sollen mittelfristig 600 werden.

Amazon und Netflix als Vorbild

In diese Strategie passt auch die Sparte Kreuzfahrten (Cruises), zu der die Marken Mein Schiff und Hapag-Lloyd Cruises gehören. Es handelt sich im Prinzip um schwimmende Hotels. Das bereinigte Betriebsergebnis dieser Sparte stieg von 236 auf 374 Millionen Euro.

Die Identifikation der Kundinnen und Kunden ist hier extrem groß. Viele kommen zum Beispiel mit Koffern und Kleidung, die das Logo von „Mein Schiff“ tragen. Der NPS liegt laut Tui bei beachtlichen 74. Schon Werte zwischen 50 und 70 gelten als sehr gut. Die Schiffe sind mit 99 Prozent immer mehr oder weniger ausverkauft.

Sebastian Ebel: Der Chef von Tui nimmt sich Amazon und Netflix zum Vorbild. Foto: picture alliance/dpa

Hotels und Schiffe sind für die Tui-Führung damit der zentrale Hebel, um das strategische Ziel umzusetzen: Tui soll eine weltweite Freizeitplattform werden. „Wir machen das mit unseren eigenen Produkten, so wie es Amazon oder Netflix machen“, sagte Ebel. Das gelte für die Hotels und Kreuzfahrten, aber auch für die Aktivitäten am Urlaubsort, im Fachjargon „Musement“ genannt.

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Auf der Vertriebsseite setzt Tui zwar weiterhin stark auf die eigenen Reisebüros, die vor allem in Deutschland eine große Rolle spielen. Aber Stück für Stück will das Management die digitale Vermarktung ausbauen – insbesondere über die App. Hier ist die Marge höher. Das Ziel ist es, mit dem Vermarktungskanal einen Anteil von 50 Prozent zu erreichen. Das sei aber nicht kurzfristig machbar, betonte Ebel: „Es geht hier eher um 24 oder 36 Monate.“

Was noch für einen besseren Aktienkurs fehlt, ist die Dividende. Doch nach der schweren Krise, in der Tui mit Staatshilfe gerettet werden musste, will Finanzchef Mathias Kiep hierüber erst Ende kommenden Jahres entscheiden. Priorität habe erst einmal ein wieder besseres Kreditrating.

jkn
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