Gebäudetechnik: Bosch verkauft Sparte mit 4300 Beschäftigten an Triton
Stuttgart, Frankfurt, Düsseldorf. Bosch verkauft einen großen Teil seines Bereichs Gebäudetechnik an den Finanzinvestor Triton Partners. Das teilte der Stiftungskonzern am Donnerstag mit und bestätigte damit einen Bericht des Handelsblatts.
Bei dem Verkauf geht es um die drei Bereiche Videosysteme, Zutrittskontrollsysteme und Einbruchmeldeanlagen sowie um Kommunikationssysteme. Entsprechende Verträge haben beide Seiten am Donnerstag unterzeichnet.
Der Deal soll laut Finanzkreisen mit etwa 700 Millionen Euro bewertet werden. Den genauen Kaufpreis nannten beide Parteien nicht. „Wir haben einen angemessenen Preis erzielt“, sagte Bosch-Vizechef Christian Fischer, der die M&A-Aktivitäten führt.
Bosch hatte Verkaufspläne im Herbst 2023 öffentlich gemacht
Der Konzern veräußere ein profitables Geschäft mit nachgefragten Produkten und guten Perspektiven. Triton habe eine überzeugende Wachstumsstrategie für das Geschäft vorgelegt.
„Wir wollen das Management und die Mitarbeitenden nicht nur durch bereitgestelltes Kapital, sondern auch durch unser Know-how aus der erfolgreichen Entwicklung anderer Unternehmen im Sicherheitsbereich unterstützen“, sagte Claus von Hermann, Managing Partner bei Triton. Über den Deal hatte zuerst die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet.
Im Oktober 2023 hatte Bosch, der umsatzstärkste Autozulieferer der Welt, die Verkaufspläne für das Produktgeschäft der Gebäudetechniksparte bekannt gemacht. Jetzt ist es gelungen, die Teile wie geplant zusammen an einen Käufer abzugeben. Außer Triton sollen laut Finanzkreisen zuletzt noch zwei weitere Interessenten im Rennen gewesen sein.
Die Transaktion steht noch unter Vorbehalt der behördlichen Genehmigung, soll aber Ende des ersten Halbjahrs 2025 abgeschlossen sein.
Betroffen von den Verkaufsplänen sind 4300 Mitarbeiter an weltweit 90 Standorten. Laut Mitteilung sollen alle Beschäftigten übernommen werden. Der Umsatz der gesamten Gebäudetechnik belief sich im vergangenen Jahr auf 2,6 Milliarden Euro.
Bosch hatte vor einem Jahr angekündigt, die Sparte Gebäudetechnik neu auszurichten und dabei das Produktgeschäft weitgehend abzustoßen. Das Unternehmen will sich auf Systemintegration für Gebäudesicherheit, Energieeffizienz und Gebäudeautomation konzentrieren.
Triton ist an zahlreichen deutschen Unternehmen beteiligt
Nur das Produktgeschäft mit Brandmeldesystemen werde jetzt aufgrund seiner Bedeutung für die Systemintegration in den Bereich eingegliedert und fortgeführt. Bosch Building Technologies wird künftig mit rund 8000 Mitarbeitenden in acht Ländern vertreten sein.
Finanzinvestor Triton fokussiert sich auf Unternehmensdienstleistungen, Industrietechnologie sowie Gesundheitswesen und hat schon mehr als 18 Milliarden Euro aufgebracht. In Deutschland gehören der Beteiligungsgesellschaft die Fläkt Group, ein Anbieter von Gebäudelüftungslösungen, und Kelvion, ein Hersteller von industriellen Wärmetauschern. Beim Rüstungskonzern Renk ist Triton größter Aktionär.
Das Handelsblatt hatte zuletzt über Kritik an Tritons Unternehmenskultur berichtet. Insider schilderten eine „toxische Altherrenkultur“, die geprägt von Chauvinismus und Alkohol sein soll. Triton hat das dem Handelsblatt gegenüber bestritten, inzwischen aber auch Fehler im Umgang mit seinen Mitarbeitern eingeräumt.
Triton hat eine interne Untersuchung zu den Vorwürfen eingeleitet. „Offensichtlich gibt es eine Kluft zwischen dem Zielbild und der tatsächlichen Wahrnehmung durch die MitarbeiterInnen“, sagte Triton-Deutschlandchef Claus von Hermann in einem Interview mit der „Börsen-Zeitung“. „Das arbeiten wir auf und wollen sicherstellen, dass so etwas nicht mehr vorkommt.“
Das war offensichtlich auch Thema bei den Verkaufsverhandlungen: „Die aktuelle Kritik an der Unternehmenskultur von Triton haben wir in den Gesprächen klar adressiert", sagte Bosch-Vize Fischer. „Triton hat uns versichert, dass die Vorgänge untersucht, aufgeklärt und angemessene Maßnahmen eingeleitet werden. Und genau das war uns wichtig.“
Bosch habe in der Vergangenheit gute Erfahrungen mit Triton gemacht, beispielsweise beim Verkauf des Pneumatikgeschäfts von Bosch Rexroth vor einigen Jahren. „Den Auswahlprozess des neuen Eigentümers haben wir sehr sorgfältig vorgenommen“, erklärte Fischer. Insgesamt habe das industrielle Konzept von Triton überzeugt, ebenso die Expertise und die Erfahrung bei der Weiterentwicklung vergleichbarer Geschäfte.
Der Verkauf ist für Bosch der zweite große Deal in diesem Jahr nach der Übernahme der Heizungs- und Lüftungsanlagen von Johnson Controls im Wert von 7,6 Milliarden Euro im Frühjahr.
Aufgrund der Krise in der Autobranche gab Bosch im November bekannt, weltweit weitere 5500 Arbeitsplätze abbauen zu wollen, hauptsächlich in Deutschland. Betroffen sind Abteilungen für automatisiertes Fahren, Fahrzeuglenkung und Software. Damit erhöhte sich der geplante konzernweite Abbau binnen zwölf Monaten auf mehr als 12.000 Stellen.
Erstpublikation: 12.12.2024, 14:29 Uhr.