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Prüfers KolumneSparen ist etwas für Verlierer

Für mich als Kind war Sparen eine attraktive Sache, denn man bekam Zinsen und konnte ein Vermögen anhäufen. Heute investiert man am besten in Gummibärchen.Tillmann Prüfer 24.12.2024 - 09:14 Uhr
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Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“. Foto: Handelsblatt

Es gibt nun eine App namens Bling, die Kindern das Sparen beibringen soll. In der Selbstbeschreibung steht, Geldanlagen seien für Kinder eine wertvolle Stütze. Schließlich warteten im Leben immer einmal größere Ausgaben. Etwa ein größeres Fahrrad. Mit der Taschengeld-App samt Bezahlkarte sollen Eltern und Kinder gemeinsam Sparen und Anlegen lernen, dazu gibt es verschiedene Risikostufen. Dabei wird aus einer kleinen Summe eine gute Rücklage.

Ich erinnere mich noch an den Weltspartag, der für uns als Kinder heilig war. Man hatte von der Bank ein kleines Sparschwein bekommen, in das man das ganze Jahr über sein Taschengeld stecken konnte. Den Schlüssel zu diesem Sparschwein aber hatte man nicht. Den hatte der Mitarbeiter der Sparkasse, die man am Weltspartag besuchen konnte. Der öffnete das Sparschwein und transferierte den Betrag auf das Sparbuch. Das Sparbuch war ein richtiges Buch, in das der Betrag, der darauf verbucht war, tatsächlich eingetragen war. Dieser Betrag wuchs ständig von Weltspartag zu Weltspartag.

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Reiche Menschen und die Grippe

Ich hatte mal versucht, das mit meinen eigenen Kindern zu machen. Meine Frau und ich sind mit den Kindern zu einer Sparkasse in der Umgebung gegangen mit den Sparschweinen der Kinder. Den Inhalt wollten wir auf ein klassisches Sparbuch einzahlen. Der Bankmitarbeiter war aber leider total damit überfordert. Er sagte uns, dass Bargeldeinzahlungen leider nicht möglich seien, dazu müsste man zu einer anderen Filiale. Bei der anderen Filiale aber wollte man das Geld nur in fertigen Münzrollen annehmen, dazu händigte man uns Papiere aus, in die wir das Geld einrollen könnten. Das war eine mühsame Prozedur.

Von Zinsen wollen die Banken nichts mehr wissen

Das Sparkonto für die Kinder war denn auch kein Buch mehr, immerhin haben wir einen Ordner ausgehändigt bekommen. In den können die Kinder nun ihren Sparbetrag, der ihnen regelmäßig von der Bank geschickt wird, einheften. Natürlich werden die Briefe von der Sparkasse selten geöffnet. Wer will schon als Kind Ordner führen? Wir waren noch anders sozialisiert worden. Für mich als Kind war Sparen eine attraktive Sache, denn sie führte dazu, dass man Vermögen anhäufte und Zinsen bekam.

Von diesen Zinsen wollen Banken heute nichts mehr wissen. Wenn man heute auf ein normales Sparbuch einzahlt, dann bekommt man einen Zinssatz von 0,25 Prozent. Das bedeutet, dass das Geld von der Inflation schnell verspeist wird. Sparen ist also etwas für Verlierer, weil das, was man einmal herausbekommt, nichts mehr wert ist. Das wird ja den Deutschen auch immer angekreidet. Sie sparen noch immer und investieren zu wenig an der Börse. Mit der Bling-App immerhin ist auch eine Geldkarte verbunden, mit der die Kinder ihr Taschengeld ausgeben können. Am besten investiert man als Kind immer noch in Gummibärchen.

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