Kommentar: Sparkassen – Es geht um mehr als Geld

Der neue Sparkassenpräsident legte die Messlatte ganz nach oben. Bei seinem Amtsantritt Anfang des Jahres wollte Ulrich Reuter der Kundenzufriedenheit einen höheren Stellenwert einräumen als dem wirtschaftlichen Erfolg. Er forderte, die Kundenzufriedenheit zum entscheidenden Maßstab der Geschäftstätigkeit zu machen.
Doch Reuter scheint sich neue Ziele gesetzt zu haben. Die Sparkassen-Institute machten im vergangenen Jahr mehr Gewinn als Deutsche Bank und Commerzbank. Und das am Ende zulasten ihrer Kunden – so hart muss man es formulieren.
Im Sommer 2023 boten sie laut Daten von Tagesgeldvergleich.net im Schnitt lediglich 0,3 Prozent Zinsen auf Tagesgeld. Der Branchendurchschnitt lag bei 1,2 Prozent. Aktuell zahlt laut Verivox Finanzvergleich nicht einmal ein Viertel der Sparkassen Tagesgeldzinsen von mindestens einem Prozent.
Natürlich kann der Kunde die Bank wechseln, wie mein Kollege am jüngst im Handelsblatt kommentierte. Das passt aber einerseits überhaupt nicht zur beschworenen Kundenzufriedenheit. Und zweitens: Wer macht das schon?
Da gibt es zum einen ein Heer von trägen Sparern, die sich zu einem solchen Schritt nicht durchringen. Da gilt wie bei vielen Handyverträgen offenbar auch bei den Sparkassen das Motto: Um den Bestandskunden kümmern wir uns zuletzt. Zum anderen gibt es aber noch Hunderttausende von Älteren, für die ein Wechsel unvorstellbar ist.
Allein die Debatte über einen solchen Schritt sorgt für schlaflose Nächte und löst Ängste um das ein Leben lang Ersparte aus. Nicht jeder bewegt sich eben sicher durch die digitale Welt und springt regelmäßig auf das nächst bessere Tagesgeldangebot. Man muss leider davon ausgehen, dass die Sparkasse mit dieser Trägheit kalkuliert.
Als es darum ging, Strafzinsen einzuführen, waren die Sparkassen ganz vorne mit dabei. Und dann kursieren noch diese Geschichten, dass Sparkassen weit über 80-Jährigen Bausparverträge anbieten – mit dem Hinweis, diese könne man doch vererben. Da kommt einiges zusammen.
Sparkassen machen mehr Gewinn als Deutsche Bank und Commerzbank / KI, Longevity, MDMA – die Trends vom SXSW-Festival
Gemeinwohl auf Kosten der Kunden
Jetzt sagen sicher viele. So ist es eben bei Banken. Deren Zweck ist es, Geld zu verdienen. Da dürfe sich niemand wundern, wenn die Sparkassen nach einer EZB-Zinserhöhung bei Haushalten und Unternehmen mit variabel verzinsten Krediten oder Neukrediten sofort zugriffen.
Da kann man aber nur antworten: Die Sparkassen sollten dann aber aufhören, ihre Gemeinwohlorientierung wie eine Monstranz vor sich herzutragen. Die Sparkassen lassen sich für alle Spenden kultureller oder sportlicher Art in der Lokalpresse feiern und holen sich das Geld von ihren Sparern zurück, die nicht ausweichen können. Die Sparkassen hatten mal den Slogan: „Weil’s um mehr als Geld geht.“ Das stimmt schon. Dann müssen sie sich aber auch daran halten.