Kommentar: Kaum Zinsen? Dann verlasst halt die Sparkasse!

Die Sparkassen haben 2023 einen Gewinn von 17 Milliarden Euro erzielt. Und, oh Wunder, es liegt nicht zuletzt daran, dass die Institute auf der Einnahmenseite von den gestiegenen Kreditzinsen profitieren, diese auf der Guthabenseite aber meist nicht an ihre Kunden weiterreichen.
Das wird – die Prognose sei erlaubt – wieder zu einem Aufschrei führen, wie unfair die Sparkassen sind. Diese werden sich verteidigen und so weiter und so fort. Lassen Sie uns also diesen Teil überspringen und zur Lösung kommen:
Wenn Ihnen die Guthabenzinsen bei der Sparkasse zu niedrig sind, dann verlassen Sie die Sparkasse und wechseln die Bank. Denken Sie nicht drüber nach und vergessen es dann nach einer Woche. Machen Sie es. Das ist dank des Video-Identverfahrens vom Sofa zu Hause aus möglich.
So sehr man sich in vielen Teilen über seinen mangelnden Einfluss beschweren kann, weil der gewählte Politiker sich nach der Wahl nun doch ganz anders verhält als erhofft, oder das teure Brot kaufen muss, weil man nun mal Brot braucht: Hier funktioniert die Abstimmung mit den Füßen. Ihnen sind die Zinsen zu niedrig? Dann wechseln Sie die Bank.
Vielleicht ändert die Bank ihre Politik, wenn andere Kunden Ihrem Beispiel folgen. Dann wechseln Sie wieder zurück.
Nichts wird sich ändern, wenn sich niemand selbst ändert
Natürlich ist das mit Arbeit verbunden. Und wenn das einem zu viel Arbeit ist, ist das auch völlig okay. Aber diese Bequemlichkeit hat dann einen Preis. Denn welchen Anreiz sollte die Sparkasse haben, für diese Bequemlichkeit zu bezahlen? Genau: keinen! Ihr Streaming-Abo wird auch nicht von Jahr zu Jahr günstiger, weil Sie so ein treuer Kunde sind. Sollte vielleicht so sein, so funktioniert die Welt aber leider nicht. Und sie wird sich auch nicht ändern, wenn sich niemand selbst ändert.
Bei Banken mangelt es nicht an Alternativen. Dafür muss ich mein Geld auch nicht irgendeiner Bank in Litauen, Slowenien oder Zypern anvertrauen. Es gibt genügend deutsche Direktbanken.
Wenn Sie nun aber eine Filiale in der Nähe haben, die maximal drei Bushaltestellen entfernt ist, oder sich ab einem gewissen Alter nicht mehr mit Online-Banking auseinandersetzen wollen, sondern einen Ansprechpartner in Fleisch und Blut bevorzugen, zu dem ein mehr als 20-jähriges Vertrauensverhältnis besteht, dann sind das nachvollziehbare Gründe. Aber sie sind auch ein Grund, dass die Sparkasse kaum Zinsen zahlt: Dieser Service kostet Geld.
Also: Wenn Sie sich übervorteilt fühlen, weil Banken bei der Europäischen Zentralbank Ihr Geld für vier Prozent parken können, Sie bei Ihrer örtlichen Sparkasse aber nur 0,15 Prozent oder sogar null Prozent auf Ihr Tagesgeld bekommen, dann tun Sie was dagegen: Wechseln Sie Ihre Bank.
Erstpublikation: 12.03.2024, 13:39 Uhr