Konjunktur: US-Arbeitsmarktbericht fällt überraschend gut aus
Düsseldorf. Der überraschend starke US-Arbeitsmarkt sorgt an den Anleihemärkten für weitere Nervosität. Unternehmen haben in den USA im vergangenen Monat 256.000 neue Jobs außerhalb der Landwirtschaft geschaffen. Das teilte das Bureau of Labor Statistics am Freitag mit.
Damit übertrifft die US-Wirtschaft die Erwartungen bei Weitem. Befragte Experten hatten zunächst mit einem Zuwachs von 155.000 Arbeitsverträgen gerechnet. Der US-Arbeitsmarkt zeigt sich damit weiter robust. Das Jobwachstum fiel sogar noch stärker aus als im November, als knapp 200.000 Jobs entstanden.
Die Daten waren im Vorfeld mit Spannung erwartet worden, da sie Hinweise auf die kommende Zinsentwicklung in den USA geben. Die Rendite der maßgeblichen US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit sprang nach der Nachricht auf 4,793 Prozent, den höchsten Wert seit Oktober 2023.
Der unerwartet starke Jobzuwachs könnte die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) davon abbringen, die Zinsen zeitnah weiter zu senken. Denn bei inzwischen wieder niedrigerer Inflation und einem starken Arbeitsmarkt schwinden die Gründe dafür, die US-Volkswirtschaft mit niedrigeren Zinsen anzutreiben.
Dan North, US-Ökonom bei Allianz Trade, sagt dem US-Börsensender CNBC: „Das ist ein starker Bericht. Fed-Chef Jerome Powell dürfte erleichtert sein. Denn sein Job ist gerade etwas einfacher geworden: Die Inflation bleibt seit Monaten stabil, also gibt es keine Notwendigkeit, die Zinsen zu senken.“
Aktuell rechnen die Märkte mit zwei Zinssenkungen im Jahr 2025, vor wenigen Monaten waren noch vier Schritte erwartet worden. Am 29. Januar entscheiden die Notenbanker der Fed zum nächsten Mal über die Leitzinsen. Daten der Terminbörse CME zufolge rechnen die Zinshändler damit, dass die Zentralbank die Schlüsselsätze bei ihrer derzeitigen Spanne von 4,50 bis 4,25 Prozent belassen wird.
„Würde mich unwohl fühlen, wenn Renditen über fünf Prozent steigen“
Die Arbeitsmarktdaten waren von den Anlegerinnen und Anlegern bereits mit Spannung erwartet worden. Die Renditen der US-Staatsanleihen sind bereits in den vergangenen Tagen gestiegen. Deren Markt ist der liquideste der Welt und gilt als richtungsweisend für die weltweiten Finanzmärkte. Von den Renditen wird eine Reihe anderer Preise abgeleitet, daher können insbesondere schnelle Renditeanstiege für Turbulenzen sorgen.
Samy Chaar, Chefanlagestratege der Schweizer Privatbank Lombard Odier, erwartet, dass sich die US-Zinsen längerfristig auf einem Niveau zwischen vier und fünf Prozent einpendeln. Er warnt: „Ich würde mich unwohl fühlen, wenn die Renditen über fünf Prozent steigen.“
Ab dieser Grenze fürchten Experten, dass der Ausverkauf an den Anleihemärkten den Aktienmarkt erfasst. Chaar zufolge nimmt die Zahl der Firmeninsolvenzen zu, sobald die zehnjährigen US-Bonds über fünf Prozent rentieren.
Stundenlöhne steigen im Rahmen der Erwartungen
Die separat vom Jobwachstum berechnete Arbeitslosenquote sank im Dezember auf 4,1 Prozent. Fachleute hatten mit einer stabilen Quote von 4,2 Prozent gerechnet.
Besonders in den Bereichen Gesundheit und Sozialwesen sowie bei der Regierung kamen den Statistikern zufolge im Dezember neue Jobs hinzu. Auch der Einzelhandel stellte vermehrt neu ein, nachdem in der Branche zuvor viele Stellen entfallen waren.
Nicht übermäßig hoch fiel dagegen der Lohnzuwachs aus. Die US-Stundenlöhne legten im Dezember 0,3 Prozent zu, auf Jahressicht blieb das Wachstum mit 3,9 Prozent hinter den Erwartungen zurück. Hohe Lohnzuwächse lassen sich somit nicht als Grund für Preissteigerungen heranziehen – ein Punkt, den die Fed in den vergangenen Monaten immer wieder betont hatte.
Auch die durchschnittliche Wochenarbeitszeit blieb mit 34,3 Stunden stabil.