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DeutschlandDIW-Präsident warnt vor erneuter Rezession durch Trump

Die deutsche Wirtschaft hat zwei schwache Jahre hinter sich. DIW-Präsident Marcel Fratzscher befürchtet nun einen Handelskonflikt mit den USA – der sich „dreifach negativ“ auswirken dürfte. 21.01.2025 - 13:29 Uhr aktualisiert Artikel anhören
DIW-Präsident Marcel Fratzscher rechnet mit einer Einführung von Strafzöllen. Foto: dpa

Berlin. Der deutschen Wirtschaft droht dem Ökonomen Marcel Fratzscher zufolge wegen der US-Handelspolitik unter dem neuen Präsidenten Donald Trump ein weiteres Rezessionsjahr. „Ein Handelskonflikt mit den USA dürfte sich dreifach negativ auswirken“, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters.

Es werde die Exporte reduzieren und die heimische Industrie in eh schon schwierigen Zeiten weiter schwächen. „Damit dürfte sich die Deindustrialisierung und der Verlust guter Arbeitsplätze in der Industrie in Deutschland beschleunigen“, warnte Fratzscher. „Eine erneute Rezession der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr wird dadurch immer wahrscheinlicher.“ Das Bruttoinlandsprodukt ist bereits 2023 um 0,3 Prozent und im vergangenen Jahr um 0,2 Prozent geschrumpft.

Einen Handelskonflikt mit der weltgrößten Volkswirtschaft dürften die Deutschen zu spüren bekommen. „Höhere Preise und eine steigende Inflation werden das unweigerliche Resultat des Handelskonflikts sein“, betonte Fratzscher. „Vor allem Menschen mit mittleren und geringen Einkommen werden dafür einen hohen Preis zahlen, da ihre Kaufkraft und ihr Lebensstandard sinken werden.“ Höhere Zinsen dürften das unweigerliche Resultat sein, was die deutsche Wirtschaft weiter schwächen dürfte.

Strafzölle durch Trump würden Deutschland hart treffen

Fratzscher rechnet mit der Einführung von Strafzöllen durch Trump, die dieser im Wahlkampf und danach angekündigt hatte. „Dies wird insbesondere Deutschland hart treffen“, sagte der Berliner Professor.

„Denn Deutschland hat riesige Handelsüberschüsse, auch bilateral gegenüber den USA — nicht, weil Deutschland zu viel exportiert, sondern weil es hohe Hürden für Importe ausländischer Unternehmen geschaffen hat.“ Deutschlands Wirtschaftsmodell sei langfristig eine große Stärke. In Zeiten geoökonomischer Konflikte mache es jedoch verwundbar.

Wenige Stunden nach seiner Vereidigung hat Donald Trump bereits zahlreiche seiner Vorhaben in die Wege geleitet. Der US-Präsident ordnete unter anderem den Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen und der Weltgesundheitsorganisation an.

Größe und Macht der US-Wirtschaft werden dem DIW-Chef zufolge dazu beitragen, dass US-Handelszölle den Konflikt auch zwischen China und Europa weiter eskalieren lassen. „Denn China hat schon jetzt begonnen, manche ihrer Überkapazitäten auf dem europäischen Markt zu verkaufen und somit einen zum Teil unfairen Wettbewerb anzuzetteln.“ Die EU werde darauf reagieren müssen, um fairen Wettbewerb zu gewährleisten.

Die alte wie die künftige Bundesregierung müssten zuallererst Europa stärken und ihre Fehler der Vergangenheit korrigieren. „Ohne ein starkes Europa hat auch Deutschland keine Chance, sich im Konflikt mit den USA zu behaupten“, sagte Fratzscher.

IfW Kiel: Zeit niedriger Zölle ist unter Trump vorbei

Auch das Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW Kiel) warnt vor den Auswirkungen von Trumps Präsidentschaft auf die deutsche Wirtschaft. „Das ist nicht gut für die deutsche Wirtschaft“, so der Präsident des IfW Kiel, Moritz Schularick. „Wir wissen nicht, welche Pläne Trump wirklich umsetzen will und wo er vielleicht blufft, um seine Verhandlungsposition zu stärken.“

Sicher sei nur, dass Trump mehr an Deals als an einer regelbasierten Weltwirtschaft interessiert sei. „Die Zeiten der immer schnelleren Globalisierung, niedriger Zölle und der Streitbeilegung im Rahmen der WTO sind damit vorerst vorbei“, sagt Schularick.

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Eine Erhöhung der Zölle auf zehn Prozent, wie von Trump ins Spiel gebracht, wäre für einzelne Branchen und Unternehmen in Deutschland problematisch. Dann gingen die deutschen Exporte nach Amerika langfristig 10 bis 15 Prozent zurück. Das würde das Bruttoinlandsprodukt um 0,3 Prozent schmälern, schätzt Schularick. „Klingt erst mal nicht viel, aber wir haben in der letzten Zeit kaum mehr Wachstum als in dieser Höhe. Das wäre weg.“

Außerdem dürften viele Unternehmen in den USA investieren und nicht in Deutschland, um hinter die Zollschranken zu kommen. „Die Zeche dürften am Ende aber vor allem auch die amerikanischen Verbraucher zahlen, weil die Preise in den USA steigen werden.“

rtr
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