Italien: Einstige Krisenbank Monte dei Paschi greift nach Mediobanca
Frankfurt. Auf dem italienischen Bankenmarkt bahnt sich ein milliardenschwerer Zusammenschluss an. Die langjährige Krisenbank Monte dei Paschi di Siena (MPS) will die Rivalin Mediobanca für 13,3 Milliarden Euro schlucken.
MPS bietet 23 eigene Aktien für je zehn Mediobanca-Aktien an, wie das Institut am Freitag mitteilte. Dies entspreche einem Aufschlag von fünf Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Donnerstag.
Die Führung der Mediobanca will sich einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge am Dienstag mit dem Übernahmeangebot befassen. In einem Schreiben an die Belegschaft vom Samstag, aus dem die Agentur zitiert, erklärt Vorstandschef Alberto Nagel, das MPS-Gebot sei nicht mit seiner Bank abgesprochen. Das Führungsgremium seines Hauses wolle die Interessen aller Beteiligten schützen, insbesondere die der Mitarbeiter.
Der italienische Staat hatte MPS, die älteste Bank der Welt, 2017 mit 5,4 Milliarden Euro vor dem Kollaps gerettet. Italiens drittgrößte Bank, Banco BPM, hatte dem Staat kürzlich eine Beteiligung von fünf Prozent an MPS abgekauft.
Auf den ersten Blick ist das Übernahmeangebot überraschend: Mediobanca ist mit 12,7 Milliarden Euro an der Börse nämlich deutlich mehr wert als MPS mit 8,8 Milliarden Euro. Auch die Analysten des Brokers Keefe, Bruyette & Woods (KBW) reagierten zurückhaltend. „Wir glauben, dass das Synergiepotenzial begrenzt ist“, erklärten sie in einer ersten Einschätzung.
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Am Aktienmarkt fielen die Reaktionen sehr unterschiedlich aus. Die Papiere von Mediobanca legten in der Spitze um 4,6 Prozent zu auf ein Dreimonatshoch von 15,99 Euro. Die Aktien von Monte dei Paschi rutschten dagegen zeitweise um mehr als zehn Prozent ab.
Europäischer Fusionspoker geht weiter
Die Übernahmeofferte unterstreicht, dass Zukäufe und Fusionen für europäische Banken wieder an Bedeutung gewinnen. Bereits im vergangenen Jahr kündigte die spanische Großbank BBVA ein Angebot für den kleineren Rivalen Banco Sabadell an.
Unicredit ist im September mit neun Prozent bei der Commerzbank eingestiegen und hat sich über Finanzinstrumente mittlerweile Zugriff auf 28 Prozent der Anteile gesichert. Unicredit-Chef Andrea Orcel würde das Institut am liebsten komplett übernehmen.
Darüber hinaus hat Orcel Ende 2024 ein Übernahmeangebot von zehn Milliarden Euro für den heimischen Konkurrenten BPM vorgelegt. BPM hat die Offerte bislang aber zurückgewiesen. Die Bank befürchtet für den Fall einer Übernahme den Abbau von rund 6000 Stellen.
BPM will seinerseits die Übernahme des italienischen Vermögensverwalters Anima wie geplant vorantreiben. Gelingt dies, würde auch der Anteil des Instituts an Monte dei Paschi steigen, weil der Asset-Manager an dem Institut ebenfalls beteiligt ist.
Italien hofft auf große Bankengruppe im Land
Einige Experten halten das Unicredit-Angebot für BPM als taktische Defensivmaßnahme, mit der Unicredit verhindern wolle, dass BPM mit Monte dei Paschi zusammengehe – eine Lösung, die die italienische Regierung favorisiert. Sie hofft, dass dadurch eine dritte große Bankengruppe entstehen könnte, die den Marktführern Intesa Sanpaolo und Unicredt verstärkt Konkurrenz machen könnte.
Durch die sogenannte Golden-Power-Regel könnte der Staat eine BPM-Übernahme durch Unicredit verhindern. Diese Regel ermächtigt die Regierung, Bedingungen oder einen Einspruch bei Transaktionen von Unternehmen einzulegen, die Vermögenswerte von strategischer Bedeutung für das Land halten. Kreditinstitute müssen die Regierung deshalb vorab über die geplante Fusion informieren.
Die Zahl der Kreditinstitute in Italien hat in den letzten Jahren durch Fusionen und Übernahmen abgenommen. Im Jahr 2023 hielten die fünf größten Banken des Landes knapp die Hälfte der Bilanzsumme aller italienischen Banken.
Mit Agenturmaterial.