Geopolitik: An der Grenze zu Nordkorea zeigt sich Chinas politisches Dilemma
Yanji, Tumen, Hunchun. Die chinesische Grenze zu Nordkorea ist durch einen Stacheldrahtzaun gesichert. Schilder fordern Besucher auf, die international isolierte Diktatur in der sensiblen Grenzregion in Tumen nicht durch Rufe zu provozieren. Umso mehr gelten Journalisten als Störenfriede, die möglichst schnell wieder verschwinden sollen. Berichte über Chinas enge Beziehungen zum nordkoreanischen Regime unter Kim Jong-un kann Peking derzeit nicht gebrauchen.
Die Volksrepublik will sich schließlich als verlässlicher Partner Europas präsentieren. Doch die Partnerschaften mit Autokratien und Diktaturen in unmittelbarer Nachbarschaft kosten Sympathien im Westen. Ein politisches Dilemma für China, wie hier, im Dreiländereck mit Russland und Nordkorea, besonders deutlich wird.
In der Grenzregion ist es bitterkalt an diesem Februartag, minus neun Grad. Zwei in Wollschals gehüllte ältere Frauen stoppen mich. Ihre Armbinden weisen sie als Mitarbeiterinnen der Einwanderungsbehörde aus. Sie rufen die Polizei, die wenige Minuten später eintrifft. Das Gespräch mit den Beamten bleibt freundlich, sie nehmen meinen Ausweis und bitten mich höflich, „keine Dummheiten“ zu machen.
Zwischen den Zeilen wird deutlich, dass sie befürchten, die nordkoreanischen Grenzer könnten sich provozieren lassen von einem deutschen Journalisten – ich solle nicht über den zugefrorenen Fluss Tumen hinweg über die Grenze fotografieren, bitten sie. Dann gehen sie wieder, um wenige Minuten später auf dem Handy anzurufen, offenbar nach Aufforderung von vorgesetzter Stelle. Ich solle so schnell wie möglich das Grenzgebiet verlassen. „Tut mir leid, ich mache nur meine Arbeit“, sagt einer der Beamten fast entschuldigend.
Ein paar Stunden bleibe ich dennoch unbehelligt. Selbst das große und mächtige China scheint in der Region derzeit besonders nervös zu sein. Anders als vor zwölf Jahren, als ich zum ersten Mal vor Ort war.