Ölkonzern: BP-Aktie steigt stark nach Beteiligung von Elliot
Düsseldorf. Im Management des Ölkonzerns BP dürfte die Nachricht für Nervosität gesorgt haben, bei den Aktionären kommt sie gut an: Nachdem der aktivistische Investor Elliot bei BP eingestiegen ist, legen die Papiere des Unternehmens am Montag zeitweise um bis zu 8,2 Prozent auf rund 4,6 Pfund (5,5 Euro) zu. Das ist der höchste Zugewinn an einem Tag seit knapp fünf Jahren. Anleger spekulieren offenbar darauf, dass BP unter dem Druck des aktivistischen Investors einen radikalen Kurswechsel vornimmt, um seinen Marktwert zu steigern.
Mit welchem Anteil Elliot sich bei BP beteiligt hat, ist bislang nicht bekannt. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge, die am Samstag zuerst über den Schritt des aktivistischen Investors berichtet hat, soll Elliot eine „signifikante“ Beteiligung aufgebaut haben. Elliot hält demnach das Unternehmen für unterbewertet und dessen Performance für enttäuschend.
Das ist typischerweise der erste Schritt im Drehbuch aktivistischer Investoren. Elliot hat durch seine Beteiligungen bei verschiedenen Unternehmen in den vergangenen Jahren Strategiewechsel und Abgänge von Vorstandsmitgliedern bewirkt. Das könnte auch BP bevorstehen.
„Jeder aktivistische Investor würde zumindest für die Ablösung des Verwaltungsratschefs plädieren“, sagte Biraj Borkhataria vom Vermögensverwalter RBC Capital in London. An der Spitze des Gremiums steht seit 2019 der Norweger Helge Lund. Verantwortlich für die Strategie des Konzerns ist jedoch Murry Auchincloss, er den Konzern seit gut einem Jahr als Vorstandschef führt.
Elliot-Gründer Paul Singer hat sich einen Namen als aggressiver Investor gemacht. So lieferte er sich einen jahrelangen Kampf mit er Regierung Argentiniens über die Rückzahlung von Staatsanleihen. Zuletzt stieg er beim US-Softwarekonzern Salesforce ein und setzte den dortigen Vorstandschef Marc Bennioff unter Handlungsdruck.
BP hat sich schwächer entwickelt als die Konkurrenz
Angriffspunkte für aktivistische Investoren gibt es bei BP zur Genüge. In den vergangenen Jahren hat sich der Aktienkurs des britischen Ölkonzerns deutlich schwächer entwickelt als der seiner Konkurrenten. Bei Aktionären hat das für Unmut gesorgt. Seit Ende 2022 sind die BP-Papiere, den jüngsten Kurssprung eingerechnet, rund 20 Prozent gestiegen. Jene von Wettbewerbern wie Exxon Mobil und Shell haben mindestens 40 Prozent zugelegt.
Am morgigen Dienstag wird BP seine Ergebnisse für das vierte Quartal des vergangenen Jahres vorlegen. Das Unternehmen hat bereits im Vorfeld gewarnt, in diesem Zeitraum schwach abgeschnitten zu haben. Die Ölproduktion sei geringer ausgefallen als im Vorquartal und die Gewinnmarge im Raffineriegeschäft sei ebenfalls zurückgegangen. Zudem hat BP bekannt gegeben, dass sich Aktienrückkäufe auch im Jahr 2025 verzögern könnten.
Einen Investorentag, der ebenfalls für diese Woche geplant gewesen war, hat BP auf den 26. Februar verschoben.
Es wird erwartet, dass der aktuelle Vorstandschef Murray Auchincloss das Unternehmen wieder deutlicher auf Öl und Gas und weniger auf erneuerbare Energien ausrichten wird. Auchincloss übernahm den Konzern, nachdem sein Vorgänger Bernard Looney gefeuert worden war. Looney wettete noch vor fünf Jahren darauf, dass der weltweite Ölverbrauch seinen Höhepunkt erreicht habe.
Analysten führen BPs schwaches Abschneiden an den Aktienmärkten unter anderem darauf zurück, dass BP zu stark und zu lange in regenerative Energien engagiert war. Ein weiterer Kritikpunkt ist, der Ölkonzern das Comeback der fossilen Brennstoffe nach dem Ausbruch des Ukraine-Krieges verpasst hat – anders als die Konkurrenz aus den USA.
Mehr Fokus auf Fossile und Kostensenkungen
Auchincloss hat bereits vor dem Einstieg des Investors teilweise begonnen, das Geschäft mit erneuerbaren Energien und fossilen Brennstoffen wieder stärker voneinander abzugrenzen. Naheliegend wäre, diesen Prozess fortzuführen.
Um wieder konkurrenzfähiger zu werden, hat der CEO zudem im vergangenen Monat angekündigt, die Kosten stark zu senken. Er kündigte an, auch durch Massenentlassungen bis 2026 rund zwei Milliarden Dollar einsparen zu wollen.
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Manchen Analysten und Investoren reichen Auchincloss' Maßnahmen aber nicht aus. Ihnen zufolge bleibe nicht mehr viel Zeit, um das Unternehmen neu auszurichten.
Analysten der Investmentbank Jefferies schreiben, dass Aktionäre positiv auf den Einstieg von Elliot reagieren dürften. Das Engagement könnte ihnen zufolge dazu führen, dass BP aus den CO2-armen Geschäften aussteigt und wieder zunehmend in die Öl- und Gasförderung investiert.
Zudem dürfte Elliot den Analysten zufolge versuchen, Änderungen im Management des Konzerns herbeizuführen. Denn die Riege der Top-Manager bei BP hat sich seit den Tagen des ehemaligen CEOs Looney nur wenig verändert. Und könnte so ein potenzielles Ziel für den neuen Investor werden.