Beyond the obvious: Gebt zu, die Energiewende war ein Fehler
Die Strompreise in Deutschland sind bekanntlich hoch. Obwohl die Verfechter erneuerbarer Energien nicht aufhören zu betonen, wie billig diese doch seien, schlägt sich diese Behauptung nicht in den tatsächlichen Stromkosten nieder. Die Ursache dafür kann wiederum nicht überraschen: da eine Industrienation rund um die Uhr verlässlich Strom benötigt, braucht es erhebliche Überkapazitäten bei erneuerbaren Energien, ein neues Leitungsnetz, Doppelstrukturen – gerne als Back-ups verkleinernd umschrieben, Stromimporte zu hohen Preisen und Speicher aller Art, um Abnahmespitzen zu glätten. Kurz gesagt: Es ist sehr teuer.
Noch tun wir uns mit dem Eingestehen dieser Fakten schwer. Vielleicht würde ein Blick auf andere Länder helfen, die einen ähnlichen Weg eingeschlagen haben. Großbritannien zum Beispiel. Zwar hat das Land im Unterschied zu Deutschland nicht auf Kernenergie verzichtet, aber der Ausbau der Erneuerbaren geschah auf ähnliche Weise: mit Subventionen und garantierten Preisen wurde der Umbau des Energiesystems gefördert und der Ausstieg aus Kohle und Gas für die Stromerzeugung betrieben. Das Ergebnis überrascht nicht. Die Strompreise sind noch höher als hierzulande und die energieintensive Industrie ist im Niedergang.
Einen Unterschied gibt es dann doch. Die Briten versuchen nicht wie die deutsche Politik, die Kosten der Transformation zu verschleiern. Die Renewable Energy Foundation und offizielle Stellen wie das Office for Budget Responsibility berichten detailliert über die Kosten.
Die Bundesregierung hält es nach einer Anfrage bekanntlich weder für sinnvoll noch für nötig, die bisherigen Kosten der Energiewende zu beziffern. Allein bis 2023 sind rund 220 Milliarden Euro nur als EEG-Vergütung – also als Subventionen für Erneuerbare Energien – gezahlt worden. Hinzu kommen noch andere Formen der Subvention, sowie die Kosten des Netzausbaus, weshalb Schätzungen von rund 500 Milliarden nicht zu hoch gegriffen sein dürften.
Fehlereingeständnis? Fehlanzeige!
Die Fertigstellung der Transformation soll nach Berechnungen im Auftrag der DIHK zwischen 4,8 bis 5,4 Billionen Euro bis 2050 kosten. Davon entfallen 2,0 bis 2,3 Billionen Euro auf Energieimporte, 1,2 Billionen Euro auf Netzkosten, 1,1 bis 1,5 Billionen Euro auf Investitionen in die Energieerzeugung und rund 500 Milliarden Euro auf den Betrieb von Erzeugungsanlagen. Ich wage die feste Prognose, dass es zu diesem Umbau nie kommen wird, einfach weil ihn die deutsche Volkswirtschaft nicht überlebt.
Großbritannien und Deutschland wollten mit aller Macht Vorreiter beim Kampf gegen den Klimawandel sein. Beide Länder haben Milliarden in die Energiewende investiert. Beide Länder ignorieren physikalische und ökonomische Realitäten. Beide leiden unter hohen Stromkosten. Laut DIHK-Umfrage denken über 50 Prozent der großen Industriebetriebe hierzulande über eine Standortverlagerung ins Ausland nach. Wohlstand, Arbeitsplätze, technologische Souveränität – all das steht zur Disposition.
Großbritannien und Deutschland müssen zudem erkennen, dass ihr sehr teurer Weg international keine Nachahmer findet. Länder mit hohem Angebot an erneuerbarer Energie wie Schweden setzen zusätzlich auf Kernenergie, um eine kostengünstige und klimaneutrale Energieversorgung zu sichern. Allen Verlautbarungen zum Trotz nutzen Staaten wie China erneuerbare Energien nicht, um aus fossilen Energien auszusteigen, sondern als wichtigen Beitrag den immer weiter wachsenden Energiebedarf zu decken. Die jüngste Klimakonferenz in Brasilien hat es deutlich vor Augen geführt: Die Welt denkt gar nicht daran, aus fossiler Energie auszusteigen, solange es sich nicht lohnt.
„Der erste Schritt ist zuzugeben, dass man ein Problem hat.“ Diese Weisheit aus der Suchttherapie beschreibt präzise, was Deutschland und Großbritannien bei ihrer Energiepolitik dringend beherzigen sollten. Die Politik muss endlich ehrlich Bilanz ziehen, Planwirtschaft und Klein-Klein-Regulierung stoppen und auf marktwirtschaftliche Instrumente setzen – zum Beispiel einen sektorübergreifenden CO₂-Deckel, internationale Kooperation und technologische Offenheit. Erfolgreiche Klimapolitik braucht Mut zur Kurskorrektur, nicht Rechthaberei.