Zinspolitik: Das war’s mit den Zinssenkungen in den USA

Am Mittwoch gab es eine erneut unerwartet hohe Inflationsrate von 3,0 Prozent in den USA und sogar 3,3 Prozent bei der Kerninflation, bei der Energie und Nahrungsmittel ausgeklammert werden. Klarer Punkt: Das ist zu viel.
Zumal gerade die Kerninflation als Ausdruck des binnenwirtschaftlichen Preisdrucks gilt. Schlimmer noch: Im Monatsvergleich stiegen Preise und Stundenlöhne um jeweils ein halbes Prozent, was auf das Jahr hochgerechnet mehr als sechs Prozent entspricht. Das ist viel zu weit entfernt von den zwei Prozent, die sich die US-Notenbank Fed wie andere Zentralbanken zum Ziel gesetzt hat.
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Fed-Chef Jerome Powell hatte auf den Inflationsanstieg, der durch die Coronapandemie und den Krieg in der Ukraine ausgelöst wurde, zumindest kommunikativ falsch reagiert. Er gab sich zu lange zu zuversichtlich, dass der Preisanstieg vorübergehend sei. Das hat er inzwischen korrigiert.
Aber einen erneuten deutlichen Anstieg der Inflation kann er sich nicht leisten. Und es zeigt sich eben, dass die US-Konjunktur einfach zu stark ist, um eine allzu laxe Preiskontrolle zuzulassen.
Die Spannungen werden zunehmen. Zum einen vergrößert sich dadurch die Zinsdifferenz zwischen den USA und Europa, wo eine schwächere Konjunktur eher eine weitere Lockerung der Geldpolitik zulässt.
Zum anderen kann es zu innenpolitischen Spannungen kommen. Der neue US-Präsident Donald Trump hat Powell bisher weitgehend in Ruhe gelassen.
Aber sobald entweder die Inflation hartnäckig zu hoch bleibt oder Trump mit den hohen Zinsen nicht zurechtkommt, wird er Powell nicht schonen, sondern für alles verantwortlich machen, was nicht funktioniert. Die US-Regierung braucht Inflation und niedrige Zinsen, um aus der Schuldenfalle herauszukommen.