Cum-Ex: Staatsanwälte klagen Europas mutmaßlich größten Steuerbetrüger an
Düsseldorf. Rund 15 Jahre lang war Sanjay Shah laut eigener Darstellung ein ziemlicher Faulpelz. Ein Drückeberger, der sich weder an der Universität noch in seinen ersten Stationen im Berufsleben zu besonderer Leistung aufraffte. Dann entdeckte er sein Talent als mutmaßlicher Steuerhinterzieher. Shah wurde mehr als hundertfacher Millionär.
Nun soll ihm in Deutschland der Prozess gemacht werden. Wie die Staatsanwaltschaft Köln gegenüber dem Handelsblatt bestätigte, hat sie Anklage gegen einen 54-jährigen Briten erhoben, der sich an Cum-Ex-Geschäften mit deutschen Aktienwerten beteiligt haben soll. Den Namen nannte die Behörde nicht. Doch nach Insiderinformationen handelt es sich um Shah.
Der Steuerschaden soll sich auf über 46,5 Millionen Euro belaufen. Die Staatsanwaltschaft wies auf die Unschuldsvermutung hin. Shahs Verteidiger Björn Gercke zeigte sich überrascht, dass die Anklage erfolgte, ohne dass sein Mandant vorher angehört wurde. Er habe das schon lange angeboten.
Shah hat immer wieder betont, dass er sich als unschuldig ansieht und spricht im Zusammenhang mit seinen Cum-Ex-Geschäften von „Ausnutzung von Marktopportunitäten.“ Es ist eine Erklärung, die schon viele andere im Steuerskandal Cum-Ex vorgetragen haben.