USA: Trump verspricht Indiens Premier faire Handelsbeziehungen
Washington, Bangkok. US-Präsident Donald Trump hat bei einem Treffen mit dem indischen Premierminister Narendra Modi im Oval Office „Fairness und Gegenseitigkeit“ in Bezug auf die wirtschaftlichen Beziehungen der beiden Länder versprochen. „Was immer Indien verlangt, verlangen wir auch von ihnen“, sagte Trump am Donnerstag (Ortszeit) auf einer gemeinsamen Pressekonferenz im Weißen Haus. Er fügte hinzu: „Wir wollen wirklich gleiche Wettbewerbsbedingungen.“
Die USA und Indien wollen ihren bilateralen Handel bis 2030 auf 500 Milliarden Dollar verdoppeln. Man werde vor allem in den Bereichen künstliche Intelligenz und Halbleiter zusammenarbeiten und sich auf den Aufbau starker Lieferketten für strategische Mineralien konzentrieren.
Aus indischer Sicht wurde das Treffen höchstens zu einem Teilerfolg. Denn trotz der zur Schau getragenen guten Stimmung zwischen Trump und Modi – der US-Präsident schwärmte von Modi als „großartigen Freund“ und lobte das „wundervolle Verhältnis“ zu Indien – bleiben die wirtschaftlichen Beziehungen von massiver Unsicherheit geprägt. Trump bekräftigte, dass sein Plan, sogenannte reziproke Zölle einzuführen, trotz aller Freundschaft auch für Indien gelten werde.
Indiens Wirtschaft ist in ernster Gefahr
Indien ist bekannt dafür, seinen Markt mit vergleichsweise hohen Einfuhrabgaben abzuschotten – mit dem Ziel, Unternehmen stattdessen zur Produktion im eigenen Land zu bewegen. Trump kritisierte dies im Beisein Modis ausdrücklich: „Es ist sehr schwer, nach Indien zu verkaufen, weil es dort Handelsbarrieren und sehr hohe Zölle gibt“, sagte er.
Die USA und Indien nahmen sich zwar vor, das Handelsvolumen deutlich zu erhöhen. Doch sollte Trump tatsächlich umfangreiche Gegenzölle verhängen, kann das kaum funktionieren. Ob die Eskalation vermieden wird, dürfte nun vor allem von den Verhandlungen über das bilaterale Handelsabkommen abhängen, deren Start Trump und Modi nun beschlossen haben.
Die erste Tranche davon soll nach dem Willen beider Politiker bis Herbst dieses Jahres beschlossen werden. Ambitionierte Zeitpläne für Handelsgespräche werden in Indien aber regelmäßig gebrochen – das weiß auch die EU.
Keine Einigung wäre für Indiens Wirtschaft eine ernste Gefahr: „Sollte die US-Regierung Indiens Zollsätze spiegeln, könnte dies den bilateralen Warenhandel erheblich zurückwerfen“, kommentiert Dhruva Jaishankar, der das Amerika-Büro der indischen Denkfabrik Observer Research Foundation leitet.
Einen weiteren Unsicherheitsfaktor stellen aus seiner Sicht Trumps Aussagen über eine Zusammenarbeit mit Russland und China zur Reduzierung nuklearer Spannungen dar. „Zweifellos würde Indien eine Entspannung zwischen seinen Partnern in Washington und Moskau sowie eine zufriedenstellende Lösung des Krieges in der Ukraine begrüßen“, meint Jaishankar. „Allerdings würde Indien besorgt reagieren, falls die USA enger mit China zusammenarbeiten und möglicherweise strategische Zugeständnisse machen.“