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LuftfahrtStart-up Volocopter stellt Mitarbeiter frei

Die Gespräche mit einem potenziellen Käufer laufen nach Unternehmensangaben zwar noch. Da Volocopter aber nicht mehr zahlen kann, müssen die 500 Beschäftigten zum Arbeitsamt.Jens Koenen 05.03.2025 - 11:33 Uhr Artikel anhören
Volocity: Der Zweisitzer soll einen Piloten und einen Fluggast befördern und wird elektrisch angetrieben. Foto: IMAGO/ABACAPRESS

Frankfurt. Traurige Nachrichten für die Beschäftigten des Luftfahrtpioniers Volocopter aus Bruchsal bei Karlsruhe. Der Insolvenzverwalter Tobias Wahl von der Kanzlei Anchor informierte die rund 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Montag in einer Telefonkonferenz darüber, dass sie ab sofort freigestellt sind. Das erfuhr das Handelsblatt aus Belegschaftskreisen. Eine Unternehmenssprecherin bestätigte das Mitarbeitertreffen und die Freistellungen.

Das Insolvenzgeld war Ende vergangener Woche ausgelaufen. Zwar bleiben die Beschäftigten nun noch für drei Monate bei der Volocopter GmbH angestellt. Denn auch bei einer Insolvenz gilt grundsätzlich die dreimonatige Kündigungsfrist. Doch Volocopter ist nicht mehr zahlungsfähig.

Ob damit nach Lilium auch der zweite Entwickler eines elektrischen Senkrechtstarters endgültig gescheitert ist, ist noch nicht ganz klar. Mitarbeiter berichten, der Insolvenzverwalter habe zumindest angedeutet, dass es noch Gespräche mit einem potenziellen Käufer gibt. „Es wird weiterhin alles versucht“, sagte die Unternehmenssprecherin.

Nur noch eine kleine Hoffnung auf Rettung

Volocopter hatte am zweiten Weihnachtstag 2024 Insolvenz angemeldet. Wie beim Rivalen Lilium ging dem Unternehmen das Geld aus. Die Rettung von Lilium scheiterte schließlich, weil der maßgebliche Investor, der slowakische Unternehmer Marian Bocek, das versprochene Geld nicht überwies.

Bei Volocopter wollte Wahl bis Ende Februar einen Investor finden. Das gelang nicht. Am vergangenen Freitag endete das vorläufige Insolvenzverfahren, seit dem 1. März befindet sich Volocopter in der regulären Insolvenz. Bis zum 11. März müssen nun die Gläubiger ihre Forderungen anmelden.

Die Führung von Volocopter nutzt die Insolvenz, um das Unternehmen zu verkleinern. So wurden mehrere Büroflächen aufgegeben. Der mit dem Ablauf des Monats Februar ausgeschiedene CEO Dirk Hoke hatte zudem schon zuvor die Belegschaft reduziert. Sie schrumpfte von gut 700 auf weniger als 500.

Volocopter wurde 2011 gegründet und arbeitet seitdem an einem elektrischen Senkrechtstarter. Weltweit entwickeln mehr als 200 Firmen solche Flugvehikel. Sie wollen damit eine neue Kategorie in der Luftfahrt schaffen. Doch die Luftfahrtaufsichtsbehörden müssen für diese neuen Geräte erst eine passende Regulierung entwickeln. Das dauert lange. In dieser Zeit können die Firmen kein Geld mit ihren Senkrechtstartern verdienen.

Gleichzeitig kosten die Entwicklung und der Aufbau einer Serienfertigung sehr viel Geld. Jeder Handgriff und jede verbaute Schraube muss zertifiziert werden. Das Lieferantennetz muss aufgebaut werden. Auch für den Betrieb der neuen Fluggeräte – also die Steuerung durch Piloten, aber auch die Wartung der Fluggeräte – ist eine Zulassung notwendig.

Volocopter ist hier weiter als Lilium. Dem Unternehmen fehlt nur noch eine Musterzulassung der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (Easa), um mit den senkrecht startenden Fluggeräten Passagiere befördern zu dürfen. Zuletzt hatte die Führung die Zertifizierung im laufenden Jahr erwartet.

Dirk Hoke: Der frühere CEO von Volocopter hatte bereits im Sommer vergangenen Jahres vor einer Insolvenz gewarnt. Foto: Getty Images News/Getty Images

Eigentlich wollte die Volocopter-Führung schon bei den Olympischen Sommerspielen in Paris im vergangenen Jahr erstmals Fluggäste befördern. Doch mangels Genehmigung gab es dort nur Demonstrationsflüge.

Die aktuellen Probleme der deutschen Luftfahrt-Start-ups zeigen, wie schwer sich solche Unternehmen hierzulande tun. Die Unterstützung durch die Regierung ist überschaubar. Erst im kommenden Jahr sollen zum Beispiel Teststrecken bereitgestellt werden.

Auch scheiterten Lilium und Volocopter mit ihrem Wunsch nach staatlicher Unterstützung. Die hätte dabei geholfen, bei privaten Investoren frische Gelder zu bekommen, hatten die CEOs der beiden Unternehmen erklärt. Dagegen werden Luftfahrt-Start-ups in den USA und in China von ihren Regierungen unterstützt – durch Aufträge der Militärs oder finanzielle Hilfe.

Mitte Februar hatten Volocopter und das französische Unternehmen Jet Systems Hélicoptères Services eine Absichtserklärung unterzeichnet. Sie sieht vor, in Paris als erster Stadt die Dienste des elektrischen Senkrechtstarters anzubieten. Später soll dieser Service dann auf andere Regionen in Frankreich ausgeweitet werden.

Jet Systems betreibt aktuell eine Helikopterflotte in Frankreich und befördert damit rund 15.000 Passagiere jährlich. Es ist vereinbart, dass Volocopter nach der Zulassung zunächst zwei Senkrechtstarter an Jet Systems liefert. Auch wenn eine solche Absichtserklärung nicht bindend ist – es ist ein ungewöhnlicher Vorgang bei einem Unternehmen, das sich in der Insolvenz befindet.

Erstpublikation: 04.03.2025, 13:13 Uhr.

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