Strafzölle: Eli Lilly investiert 27 Milliarden Dollar in US-Standorte
Düsseldorf. Der US-Pharmakonzern Eli Lilly, der vom Hype um die Abnehmspritzen profitiert, kündigt die nach eigenen Angaben größte Investition in die Produktion von Arzneimitteln in den USA an. 27 Milliarden Dollar sollen in vier neue Standorte fließen. In fünf Jahren sollen dort die ersten Medikamente produziert werden.
Eli Lilly scheint damit auf die Zoll-Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump zu reagieren. Neben der Stahl- und der Autobranche hat Trump auch die Pharmaindustrie im Blick. Zölle in Höhe von 25 Prozent stehen im Raum. Zuletzt hatte schon Apple-Chef Tim Cook angekündigt, 20.000 Jobs in den USA zu schaffen.
Eli-Lilly-Chef Dave Ricks hat sich Medienberichten zufolge in den vergangenen Wochen mehrmals mit Trump getroffen. Erst Anfang der Woche soll es nach Berichten der Nachrichtenagentur Bloomberg ein Treffen zwischen Trump und den Chefs der Pharmaunternehmen Eli Lilly, Pfizer, des US-Konzerns Merck und der größten Pharma-Lobbyorganisation gegeben haben.
Dabei habe Trump die Hersteller vor den Zöllen gewarnt und ihnen geraten, sich zu beeilen, um die Produktion aus dem Ausland in die USA zu verlagern, berichtete Bloomberg.
Eli Lilly ist nun das erste große Pharmaunternehmen, das reagiert. Zwischen 2020 und 2024 hat das Unternehmen bereits 23 Milliarden Dollar in die US-Produktion investiert, die Summe soll nun mehr als verdoppelt werden.
Ricks sprach von der Wiederbelebung der heimischen Produktion, „was hart arbeitenden amerikanischen Familien zugutekommt und die Exporte von in den USA hergestellten Medikamenten steigert“. Nun stellt sich die Frage, ob und inwieweit andere Pharmaunternehmen nachziehen könnten.
Gefährden Zölle die Versorgung?
Zuletzt zeigte sich die Branche noch vorsichtig optimistisch: Hersteller hofften auf Ausnahmen für den Import lebenswichtiger Medikamente. Außerdem dürften sich die Zölle im Endeffekt auf die Preise und damit auf die Patienten auswirken. Trump war angetreten, die hohen Medikamentenpreise in den USA zu bekämpfen.
» Lesen Sie auch: Deutsche Pharmabranche rüstet sich für US-Zölle auf Medikamente
Dass Eli Lilly nun im großen Stil die US-Produktion ausbaut, scheint ein Hinweis zu sein, dass Trump entgegen den Hoffnungen der Pharmaindustrie tatsächlich Ernst machen dürfte.
Das könnte auch deutsche Hersteller treffen: Boehringer Ingelheim etwa macht gut 40 Prozent seines Umsatzes in den USA. Auch das Darmstädter Pharmaunternehmen Merck und Bayer machen einiges an Umsatz mit ihren Medikamenten in den USA.
In Europa am stärksten betroffen dürfte die Firma Novo Nordisk sein, die knapp 60 Prozent der Umsätze in den USA macht. Wie Eli Lilly entwickelt Novo Nordisk neuartige Mittel gegen Diabetes und zum Abnehmen. Bisher ist die Nachfrage für diese Therapien höher als das, was die beiden Unternehmen produzieren könnten. Mit einer groß angelegten Investitionsoffensive in den USA von Eli Lilly könnte das Unternehmen auch darauf hoffen, sich damit einen Vorteil gegenüber Novo Nordisk zu verschaffen.
Seit vergangenem Jahr baut Eli Lilly auch in Deutschland, im rhein-hessischen Alzey, für 2,3 Milliarden Dollar eine Produktionsstätte, vor allem für die neuartigen Abnehmmittel. Auswirkungen auf dieses Investment gibt es dem Unternehmen zufolge nicht.