Indien: Asiens reichster Mann verbündet sich mit Elon Musk
Bangkok. Noch vor wenigen Monaten hatte Elon Musk in Indien einen mächtigen Gegner: Mukesh Ambani – den reichsten Mann des Landes und ganz Asiens. Er führte eine Lobbykampagne an, bei der es offensichtlich darum ging, den Markteinstieg von Musks Satelliteninternetdienst Starlink zu erschweren.
In Briefen an die Regierung warnten Ambanis Mitarbeiter eindringlich vor einem für Starlink vorteilhaften Verfahren bei der Frequenzzuteilung. Es müssten faire Wettbewerbsbedingungen erhalten bleiben, ließ Ambani den Behörden in Neu-Delhi ausrichten. Der Industrielle betreibt als Teil seines Konglomerats Reliance Indiens größten Mobilfunkkonzern Jio – und befürchtete, Marktanteile an Starlink zu verlieren.
Doch nun macht der 67 Jahre alte Multimilliardär eine überraschende Kehrtwende: Jio teilte am Mittwoch mit, künftig mit Starlink zusammenarbeiten zu wollen und Musks Unternehmen SpaceX bei der Vermarktung des Dienstes in Indien zu unterstützen.
Am Tag zuvor hatte bereits der zweite große indische Mobilfunkbetreiber, Bharti Airtel, eine ähnliche Vereinbarung mit Starlink verkündet. Auch Bharti hatte die Regierung in Neu-Delhi zuvor vor Wettbewerbsverzerrungen gewarnt.
Das Ende des Widerstands der beiden Unternehmen folgt nur wenige Wochen auf ein Treffen Musks mit Indiens Regierungschef Narendra Modi in Washington am Rande von Modis Besuch bei US-Präsident Donald Trump.
Musk profitiert bei Expansionsplänen von seiner Nähe zu Trump
Musk, der in der Trump-Regierung mit der Kürzung von Staatsausgaben betraut ist, hatte dabei offenbar privilegierten Zugang zu dem Staatsgast. Er traf Modi im offiziellen Gästehaus des US-Präsidenten. Worum es bei dem Gespräch genau ging, ist nicht bekannt. Trump teilte lediglich mit, er vermute, Musk wolle „Geschäfte in Indien machen“.
Chaitanya Giri, Forscher bei der indischen Denkfabrik Observer Research Foundation, kommentierte, die Kooperation der indischen Konzerne mit Starlink bekomme „dank der Beziehung zwischen Trump und Musk geopolitisches Gewicht“.
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Musks Nähe zu Trump schien sich zuletzt auch in anderen Bereichen positiv auf die Expansionspläne des Technologieunternehmers im Ausland auszuwirken: In Indien nahm Musk in den vergangenen Wochen auch Pläne zum Markteinstieg seines Elektroautokonzerns Tesla wieder auf.
Anfang des Monats wurde bekannt, dass das Unternehmen bereits einen Mietvertrag für eine Ausstellungsfläche in Mumbai unterzeichnet hat. Gleichzeitig schaltete Tesla Stellenanzeigen in Indien.
Der Elektroautohersteller könnte zu den Profiteuren der derzeit laufenden Handelsgespräche zwischen Indien und den USA zählen: Die Abschaffung der hohen indischen Zölle auf Autoimporte gehört Medienberichten zufolge zu den Hauptforderungen der Regierung in Washington.
Auch andere asiatische Staaten öffnen Musk die Türen
Auch in Vietnam haben sich die Geschäftsbedingungen für Musk seit dem Beginn seiner Tätigkeit für Trump deutlich verbessert. Regierungschef Pham Minh Chinh teilte Ende Februar mit, er habe die zuständigen Behörden angewiesen, schnell eine Betriebslizenz für Starlink auszustellen.
Kurz zuvor hatte Vietnams Parlament einer Gesetzesänderung zugestimmt, die es ausländischen Betreibern von Satelliteninternet ermöglicht, die volle Kontrolle über ihre lokale Niederlassung zu behalten. Musk hatte dies zur Bedingung für den Markteinstieg in Vietnam gemacht, stieß mit der Forderung in dem kommunistisch regierten Land aber lange auf Ablehnung.
Dass sich die Führung in Hanoi nun doch für Musks Unternehmen öffnet, wird von Beobachtern als Zugeständnis an die Trump-Regierung gewertet, das dazu beitragen soll, einen Handelskonflikt mit den USA zu vermeiden. Vietnam ist nach China und Mexiko bei Geschäften mit den USA das Land mit dem größten Handelsbilanzüberschuss – und befürchtet deshalb, ebenfalls mit Strafzöllen belegt zu werden.
Die Nähe zu Musk suchte zuletzt auch Bangladeschs Übergangsregierungschef Muhammad Yunus. Er bot dem Unternehmer im Februar an, Starlink in seinem Land innerhalb von 90 Tagen starten zu lassen.
In Indien braucht Musk trotz der Vereinbarung mit den beiden größten Telekomfirmen Jio und Bharti noch die Zulassung der Behörden. Auch die Frequenzzuteilung durch die Regierung steht noch aus.
Milliardär Ambani hatte ursprünglich gefordert, dass diese Zuteilung per Auktion erfolgen sollte, was seinem Unternehmen die Möglichkeit gegeben hätte, Konkurrenten zu überbieten. Stattdessen soll nun aber die zuständige Telekommunikationsaufsicht eigenständig über die Vergabe entscheiden, was aus Sicht von Branchenbeobachtern Starlink zugutekommt.
Berater sehen Milliardenmarkt in Indien
Die künftige Zusammenarbeit mit Ambanis Konzern sieht nun vor, dass Starlink-Hardware über die Verkaufsräume von Jio vertrieben wird. Zudem will das indische Unternehmen auch für die Installation der Starlink-Ausrüstung und den Kundendienst zur Verfügung stehen.
Ziel ist es, mit dem Satelliteninternet abgelegene Gegenden in Indien besser als bisher mit schnellem Internet zu versorgen. „Durch die Integration von Starlink in das Breitbandökosystem von Jio erweitern wir unsere Reichweite und verbessern die Zuverlässigkeit und Zugänglichkeit von Hochgeschwindigkeitsinternet“, sagte Mathew Oommen, der für Ambani das Jio-Geschäft leitet.
Von den rund 1,5 Milliarden Einwohnern Indiens haben derzeit 900 Millionen Internetzugang. Das Beratungsunternehmen Deloitte erwartet, dass der Markt für Breitbandinternet via Satellit in dem Land bis 2030 Umsätze von rund 1,9 Milliarden Dollar im Jahr erreichen wird.
Interesse an dem Markt zeigt auch der US-Konzern Amazon, der mit seinem Projekt „Kuiper“ ebenfalls Breitbandinternet via Satellit anbieten will. Auch Jio und Bharti haben bereits Vorbereitungen für den Start von eigenen Satelliteninternetdiensten getroffen – unklar ist jedoch, wie es mit ihnen nach den Starlink-Deals weitergeht.
Jio hatte für sein Angebot ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Satellitenbetreiber SES aus Luxemburg gegründet. Bharti schloss eine Kooperation mit dem französischen Satellitenbetreiber Eutelsat. Beide erhielten bereits eine Betriebserlaubnis in Indien und warten nun ebenfalls auf die Frequenzzuteilung.
Neil Shah, Mitbegründer des Marktforschers Counterpoint, nannte die Kooperation von Starlink mit den größten indischen Telekomunternehmen „eine kluge Strategie“, die nun eine Win-win-Situation für alle Beteiligten schaffe. „Statt um den Kuchen zu konkurrieren, teilen sie ihn sich jetzt auf.“
Erstpublikation: 12.03.2025, 19:21 Uhr.