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StahlindustrieDeshalb droht British Steel die Verstaatlichung

Dem letzten konventionellen Stahlhersteller in Großbritannien geht das Geld aus. Chinesische Eigentümer ringen mit der Regierung um Subventionen.Torsten Riecke 10.04.2025 - 09:39 Uhr Artikel anhören
Hochofen im Stahlwerk Scunthorpe: Die chinesischen Eigentümer drohen mit der Schließung des Werks. Foto: IMAGO/News Licensing

London. Die britische Regierung erwägt, den Stahlhersteller British Steel mit einer Verstaatlichung zu retten. Premierminister Keir Starmer hat dem Unternehmen und seinen 3500 Beschäftigten versprochen, „alles zu tun“, um das Überleben des mit hohen Verlusten arbeitenden Industriebetriebs zu gewährleisten. „Alle Optionen liegen auf dem Tisch“, sagte Starmer vor einem Parlamentsausschuss. Er sei entschlossen, die Zukunft der Stahlindustrie in Großbritannien sicherzustellen.

British Steel gehört seit 2020 zur chinesischen Jingye-Gruppe und ringt seit Wochen mit der britischen Regierung um staatliche Unterstützung. London hat Subventionen in Höhe von 500 Millionen Pfund (etwa 600 Millionen Euro) angeboten, die Chinesen fordern jedoch das Doppelte und drohen mit Werksschließungen. Jingye hat nach eigenen Angaben mehr als 1,2 Milliarden Pfund in British Steel investiert, um den Betrieb aufrechtzuerhalten, und behauptet, es habe finanzielle Verluste von rund 700.000 Pfund pro Tag erlitten.

US-Zölle erschweren die Lage

Zugespitzt hat sich die Existenzkrise, weil den letzten beiden konventionellen Hochöfen im 135 Jahre alten Stahlwerk Scunthorpe die Rohstoffe ausgehen. Das Abschalten der Stahlkocher und ihr Wiederhochfahren wären technisch kompliziert und enorm teuer.

Erschwert wird die Lage dadurch, dass US-Präsident Donald Trump auf alle Stahlimporte in die USA Strafzölle von 25 Prozent verhängt hat. Zwar sind die britischen Stahlexporte nach Amerika gering. Der globale Handelskrieg kann jedoch dazu führen, dass mehr billige Stahlimporte nach Großbritannien kommen und den einheimischen Herstellern Konkurrenz machen.

Wirtschaftsminister Jonathan Reynolds will sich am Mittwoch mit Vertretern von British Steel zu einem weiteren Krisengespräch treffen. „Von allen industriellen Problemen, die die vorherige Regierung hinterlassen hat, ist dies wahrscheinlich eines der größten, die wir geerbt haben“, sagte er.

British Steel hat für Großbritannien auch große symbolische und strategische Bedeutung. Betreibt das Unternehmen doch die letzten beiden konventionellen Hochöfen im Königreich und liefert nahezu sämtliche Eisenbahnschienen in Großbritannien. Im vergangenen Jahr musste bereits das bis dahin größte Stahlwerk im walisischen Port Talbot seinen konventionellen Betrieb einstellen.

Stahl hat wieder strategische Bedeutung

Sollte auch das Stahlwerk in Scunthorpe aufgeben müssen, wäre Großbritannien unter den führenden sieben Industrienationen (G7) das einzige Land, das über keine konventionelle Stahlherstellung mehr verfügt. Angesichts der militärischen Bedrohungen durch Russland betrachten viele Länder ihre Stahlherstellung wieder als eine für die nationale Sicherheit strategisch wichtige Industrie.

Der Rechtspopulist Nigel Farage fordert auch deshalb eine zügige Verstaatlichung und hofft, dass seine Reform-UK-Partei bei den kommenden Kommunalwahlen am 1. Mai von der Stahlkrise profitieren und Stimmen in der Industrieregion Lincolnshire im Nordosten Englands hinzugewinnen kann.

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Erstpublikation: 09.04.2025, 11:16 Uhr.

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