Stahlindustrie: Thyssen-Krupp Steel beschließt Trennung von HKM
Düsseldorf. Thyssen-Krupp Steel wird in Zukunft auf rund 2,5 Millionen Tonnen Stahl der Hüttenwerke Krupp-Mannesmann verzichten. Dies gab das Unternehmen am Freitagabend bekannt.
Der Aufsichtsrat der Stahltochter von Thyssen-Krupp habe auf einer Sondersitzung dem Antrag des Vorstands zugestimmt, den Liefervertrag mit den Hüttenwerken Krupp Mannesmann (HKM) zu kündigen. Die Abnahmeverpflichtung des Stahls läuft demnach spätestens zum 31. Dezember 2032 aus.
„Die Kündigung des Liefervertrags selbst hat zunächst keine unmittelbaren Folgen für den Weiterbetrieb der HKM“, teilte Thyssen-Krupp Steel mit. Die Belieferung der Anteilseigner von HKM mit Vormaterial sei bis auf Weiteres vollständig gewährleistet.
Intern stand der Vorgang, sich aus den Verträgen zurückzuziehen, laut Insidern bereits seit einiger Zeit fest. Der Chef des Mutterkonzerns Thyssen-Krupp, Miguel López, will die Kapazitäten des Stahlherstellers deutlich reduzieren. Möglicherweise zählen die Produktionskapazitäten der Hüttenwerke Krupp-Mannesmann dazu.
Die Arbeitnehmerseite soll laut Konzernkreisen bei der Abstimmung gegen die Aufkündigung gestimmt haben. Für HKM könnte ein Rückzug des größten Anteilseigners langfristig das vollständige Aus bedeuten.
Der Stahlhersteller Salzgitter hält 30 Prozent der Anteile, der französische Konzern Vallourec weitere 20 – dieser will jedoch bis 2028 aussteigen. Thyssen-Krupp Steel hatte bereits angekündigt, seine HKM-Beteiligung von 50 Prozent verkaufen zu wollen. Dies sei der bevorzugte Weg. Sollte dies nicht gelingen, werde HKM geschlossen, hieß es.
Die Verkaufsverhandlungen mit dem Interessenten Investor CE Capital waren kürzlich gescheitert. Laut Insidern soll das Konzept des Investors die Konzernleitung nicht überzeugt haben.
IG Metall warnte Haupteigentümer
Am Donnerstag hatte die IG Metall ihren Haupteigentümer Thyssen-Krupp Steel in einer Mitteilung an die Beschäftigten noch davor gewarnt, den Liefervertrag mit dem Unternehmen zu kündigen. Am Freitag demonstrierten mehrere Hundert Beschäftigte der HKM vor der außerordentlichen Aufsichtsratssitzung in Duisburg.
„Die Beschäftigten von HKM fordern den Aufsichtsrat der TKSE (Thyssen-Krupp Steel) auf, diesen Liefervertrag nicht zu kündigen, sondern vielmehr aktiv den Verkaufsprozess der Hütte, abgestimmt mit dem weiteren Gesellschafter, der Salzgitter AG, zu fördern“, hieß es in dem Aufruf der Gewerkschaft, der dem Handelsblatt vorliegt. Dies erfordere aber Zeit und dürfe nicht durch überstürzte Handlungen des größten Gesellschafters negativ beeinflusst werden.