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BankenItalienische MPS nimmt wichtige Hürde für Übernahme von Mediobanca

Eine milliardenschwere Fusion zweier Banken wird wahrscheinlicher: MPS sichert sich frisches Kapital von den Aktionären. Es könnte eine Neuordnung der italienischen Bankenlandschaft folgen.Michael Maisch, Hannah Krolle 17.04.2025 - 16:25 Uhr Artikel anhören
Schriftzug von Monte dei Paschi: Die italienische Bank musste 2017 nach einer Reihe von Skandalen mit Steuergeldern gerettet werden. Foto: Reuters

Frankfurt. Die Aktionäre der italienischen Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena (MPS) haben ihrem Geldhaus den Weg freigemacht, den heimischen Rivalen Mediobanca zu übernehmen. Sie stützten am Donnerstag auf der Hauptversammlung von MPS eine Offerte in Höhe von 12,5 Milliarden Euro für Mediobanca. Ein entsprechender Antrag auf dem Aktionärstreffen, die zur Finanzierung des Deals nötigen Aktien neu auszugeben, erhielt die Zustimmung von 86,5 Prozent der Anteilseigner, wie MPS mitteilte.

Damit hat MPS-Vorstandschef Luigi Lovaglio die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit erreicht, um die Aktienemission durchzusetzen und den Übernahmeversuch voranzutreiben. Nun müssen die Mediobanca-Aktionäre in den kommenden Monaten entscheiden, ob sie ihre Aktien zum Verkauf anbieten.

Das Ergebnis der virtuellen Hauptversammlung ist nicht nur für das Übernahmeangebot von MPS für den größeren Rivalen von zentraler Bedeutung. Es ist auch ein zentraler Baustein für eine Reihe komplexer Deals, die am Ende zu einer Neuordnung der gesamten italienischen Finanzbranche führen könnte.

Sollte die Offerte Erfolg haben, könnte am Ende neben den beiden Großbanken Unicredit und Intesa Sanpaolo mit MPS, Mediobanca und dem größten Versicherer des Landes, Generali, eine dritte große italienische Finanzgruppe entstehen. Genau das käme der nationalistischen Regierung in Rom unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni entgegen.

Regierungsnahe Firmen unterstützen den Deal

MPS-Chef Lovaglio konnte sich bei seinen Übernahmeplänen stets auf die Rückendeckung der italienischen Regierung verlassen. Sie hält noch immer zwölf Prozent an der einstigen Krisenbank.

MPS musste 2017 nach einer Reihe von Skandalen mit 5,4 Milliarden Euro Steuergeldern gerettet werden. Insgesamt kostete die Stabilisierung des Instituts, das erst seit 2023 wieder schwarze Zahlen schreibt, den italienischen Staat über sieben Milliarden Euro.

Unterstützt wird die Offerte für Mediobanca darüber hinaus von regierungsnahen Unternehmern wie dem Bau- und Medientycoon Francesco Caltagirone und der Delfin-Holding, die die Interessen der Erben des inzwischen verstorbenen Luxottica-Gründers Leonardo Del Vecchio vertritt. Delfin ist mit 9,8 Prozent an MPS und mit 19,7 Prozent an Mediobanca beteiligt.

Auch weitere Schlüsselspieler stimmen zu

Seit Dienstag war zudem klar, dass zwei weitere Schlüsselspieler im italienischen Übernahmepoker – die Bank BPM und der Vermögensverwalter Anima – eine Kapitalerhöhung unterstützen würden. BPM ist gerade dabei, Anima zu kaufen, sieht sich selbst allerdings gleichzeitig mit einem feindlichen Übernahmeangebot der Großbank Unicredit konfrontiert. Gemeinsam kommen BPM und Anima auf einen Anteil von knapp neun Prozent an MPS.

Aber auch unabhängige Aktionäre wie der norwegische Staatsfonds und der US-Fonds Pimco hatten angekündigt, die Übernahmepläne zu unterstützen.

Luigi Lovaglio: Der Chef von Monte dei Paschi di Siena hat sich auf der Hauptversammlung Übernahmekapital absegnen lassen. Foto: Bloomberg/Getty Images

Lovaglio will durch die Übernahme von Mediobanca einen neuen nationalen Champion schaffen, der in der Vermögensverwaltung, dem Retail-Banking, im Konsumentenkredit- und im Fusionsgeschäft die Nummer drei im Land sein würde.

Mediobanca lehnte MPS-Angebot als feindlich ab

Mediobanca-Chef Alberto Nagel lehnt das MPS-Angebot allerdings als feindlich ab: Es mache wirtschaftlich keinen Sinn und vernichte Wert, ist seine Ansicht.

Seine Argumente überzeugten einige MPS-Großaktionäre: Die beiden US-Pensionsfonds New York City Comptroller und SBA Florida, das Canada Pension Plan Investment Board sowie der amerikanische Vermögensverwalter Calvert hatten im Vorfeld angekündigt, dass sie gegen die Übernahmepläne von MPS stimmen werden. Allerdings halten diese Investoren wesentlich kleinere Anteile als der norwegische Staatsfonds und Pimco.

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Die Kritiker des Deals übernahmen im Wesentlichen die Argumente des Hauptversammlungsberaters ISS, der das Angebot für Mediobanca ablehnt. ISS moniert, dass MPS für die Übernahme zu klein sei und keine Möglichkeit habe, die Unternehmensdaten von Mediobanca detailliert zu prüfen, es keinen festen Zielpreis gebe und keine Garantie, dass die Offerte zum Erfolg führe. Das Angebot lasse „kaum finanziellen Spielraum für Fehler“, resümieren die Hauptversammlungsberater.

Im Gegensatz zu ISS hat sich der zweite große internationale Hauptversammlungsberater Glass Lewis für die Übernahmepläne ausgesprochen.

Logo von Mediobanca in der Mailänder Zentrale: Die Bank lehnt die Übernahmeofferte von MPS ab. Foto: REUTERS

Mediobanca ist an der Börse derzeit knapp 13 Milliarden Euro wert, MPS kommt auf eine Marktkapitalisierung von lediglich acht Milliarden. Die Bank aus Siena bietet den Mediobanca-Anteilseignern 2,3 neue Aktien für ein Mediobanca-Papier. Das entspricht einem Preis von 15.99 Euro je Aktie.

Es geht um die Zukunft des Versicherers Generali

Der nächste Akt im großen italienischen Finanzdrama ist für den 24. April terminiert – mit den selben Hauptdarstellern. Die für diesen Tag angesetzte Hauptversammlung des Versicherers Generali könnte ähnlich turbulent werden wie vor drei Jahren.

2022 versuchten Caltagirone und Delfin, den Generali-Chef Philippe Donnet zu stürzen. Die Rebellion scheiterte damals dank der Unterstützung von Mediobanca, die mit mehr als 13 Prozent der größte Aktionär von Generali ist.

Damals hatten Caltagirone und seine Unterstützer einen Gegenkandidaten zu Donnet präsentiert. Dieses Mal entschied sich der römische Unternehmer für eine andere Strategie. Er präsentierte eine Liste mit sechs Kandidaten für das Board von Generali, darunter den Vorstandschef des Energiekonzerns Enel, Flavio Cattaneo, und den Vorstandschef des Versorgers Acea, Fabrizio Palermo.

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Caltagirone hält 6,9 Prozent an Generali, Delfin 9,9 Prozent. Mediobanca präsentierte eine eigene Liste mit zwölf Kandidaten und unterstützt eine weitere Amtszeit für CEO Donnet und Chairman Andrea Sironi.

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Grund des Streits: Caltagirone, Delfin und auch die Regierung in Rom sind unglücklich über einen von Donnet eingefädelten Deal, aus dem Europas zweitgrößter Vermögensverwalter entstehen würde. Dazu hat der Franzose ein gleichberechtigtes Joint Venture mit der französischen Bankengruppe BPCE eingefädelt, in dem die Asset-Management-Töchter beider Konzerne aufgehen sollen.

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