Intersport: Händler setzt auf Doppelstrategie gegen Decathlon & Co.
München. Im hart umkämpften deutschen Sportfachhandel will der Intersport-Verbund mit einer Doppelstrategie die Marktführerschaft ausbauen. „Wir glauben fest an die Zukunft des stationären Handels in den Innenstädten“, sagte Alexander von Preen, Chef von Intersport Deutschland, dem Handelsblatt.
Konkret will Intersport die Zahl der exklusiven Flagship-Stores erhöhen. Diese haben eine Fläche von mindestens 2500 Quadratmetern, ein gehobenes Produktsegment und Zusatzservices wie eine stehende Welle im Geschäft, Orthopäden vor Ort, Skisimulatoren und Lauflabore. Zudem haben die Kunden Zugang zu besonderen Events.
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Standorte in Mülheim-Kärlich und Augsburg wurden neu in die Riege der Flagship-Stores aufgenommen, sie müssen dafür Voraussetzungen an Sortiment und Fläche erfüllen. Insgesamt sollen es 15 bis 20 werden. „Das sind die Einkaufstempel des Sports“, sagte von Preen.
Die Innenstädte könnten weiter belebt werden, glaubt der Intersport-Chef – allerdings müssten dazu alle an einem Strang ziehen. Die Politik müsse Sonderabschreibungsmöglichkeiten schaffen und die Citys auch bei kommenden Infrastrukturpaketen berücksichtigen.
Kampfansage an Decathlon
Zweites Standbein von Intersports neuer Expansionsstrategie ist das neue „Superstore“-Konzept, mit dem der Verbund ab dem kommenden Jahr verstärkt in das untere und mittlere Preissegment einsteigen will. Hier trifft der genossenschaftliche Verbund vor allem auf den stark wachsenden französischen Konkurrenten Decathlon.
Die „Superstores“ sollen 2000 bis 5000 Quadratmeter groß sein und Sportartikel für Familien und preissensible Kunden anbieten. Das Segment macht nach Intersport-Schätzungen etwa 20 Prozent des Markts aus. Als Standorte habe man zum Beispiel Regionen im Großraum Berlin, im Saarland und in Nordrhein-Westfalen im Visier, berichtete von Preen. „Wir sind sehr gespannt auf das Feedback.“
Nach der Coronapandemie hatte sich gezeigt, dass Sportler wieder in großer Zahl in die stationären Geschäfte zurückkehrten. Sie wollen oft lieber mehrere Marken vor Ort vergleichen und nicht alles im Internet kaufen.
Das bekamen auch die Sportartikelhersteller zu spüren. So setzte zum Beispiel Adidas, das vorher stark den Direktvertrieb im Internet vorantrieb, wieder auf ein besseres Verhältnis zu den Händlern.
Der Markt also ist attraktiv – doch entsprechend scharf ist auch der Wettbewerb. So erzielt Decathlon, das als eine Art gehobener Discounter gestartet war, inzwischen mehr als eine Milliarde Euro Umsatz in Deutschland und will die Erlöse verdoppeln. Weitere 60 Filialen sollen dafür bis 2027 eröffnet werden. Zuletzt waren es 88 Geschäfte.
Die Branche ist resilient gegen Krisen
Auch Sport 2000 mit seinen 942 Sporthändlern und zuletzt knapp 2,8 Milliarden Euro Umsatz hat ehrgeizige Wachstumspläne. Das aktuell schwache Konsumklima soll dem nicht im Wege stehen. „Der Sportartikelmarkt hat sich in früheren wirtschaftlichen und geopolitischen Krisen als resilient erwiesen“, sagte Margit Gosau, Geschäftsführerin von Sport 2000.
Intersport-CEO von Preen ist mit Blick auf die Konkurrenz überzeugt: „Es ist genug Platz für alle drei da.“ Sport sei einer der wenigen Bereiche, in denen alle Experten in den kommenden Jahren im Handel weiteres Wachstum erwarteten.
Einfach werde die Expansion für Intersport gerade im unteren Segment nicht, sagt ein Brancheninsider. „Decathlon wird immer günstiger sein.“ Die französische Gruppe werde zudem straff und agil geführt und habe starke Eigenmarken entwickelt. In einem Verbund wie Intersport mit vielen unterschiedlichen Interessen sei es da schwierig gegenzuhalten.
Die Stärke von Intersport sei, dass die Geschäfte inhabergeführt seien. „Das ist ein echter Wettbewerbsvorteil.“ Die zu Flagship-Stores ernannten Vorzeige-Märkte seien da gute Beispiele. „Wenn der Unternehmer gut ist, funktioniert das.“ Dann gebe es gute Beratung und Event-Marketing. Neue Standorte seien auf dem aktuellen Mietniveau aber nur schwer rentabel zu betreiben.
Aktuell zählen zu dem Intersport-Einkaufsverbund 1400 Verkaufsstellen – teils unter der Marke Intersport, teils unter anderen Namen. Im Geschäftsjahr 2023/24, das am 30. September endete, stagnierte zwar der Umsatz der im Intersport-Einkaufsverbund organisierten Händler bei 3,5 Milliarden Euro. Doch schlug sich Intersport damit laut von Preen zum dritten Mal in Folge besser als der Markt.
Der genossenschaftliche Einkaufsverbund will bis 2030 im Schnitt um deutlich mehr als fünf Prozent im Jahr wachsen und bis dahin etwa sechs Milliarden Euro umsetzen. Insgesamt ist der Markt mit Sportbekleidung und -geräten in Deutschland etwa elf Milliarden Euro groß. Laut Prognose der Experten von IHS dürfte er in den nächsten Jahren stabil im niedrigen einstelligen Prozentbereich wachsen.