Rohstoffe: Wie ein US-Feiertag im Mai für steigende Preise sorgte
Frankfurt. Trotz des schwelenden Zollstreits haben die Börsenpreise für Rohstoffe im Mai überwiegend zugelegt. Der weltgrößte Rohstoffindex Goldman Sachs Commodity Index beendete den Monat rund zwei Prozent im Plus.
Drei Rohstoffe haben sich im Mai aber überdurchschnittlich verteuert und bis zu zehn Prozent zugelegt. Doch es gibt auch einen klaren Verlierer – ohne den viele Texte aus dieser Redaktion gar nicht entstehen würden: Kaffee. Ein Überblick.
Gewinner des Monats: mageres Schwein
Mit plus 9,7 Prozent hat ein Rohstoff aus dem Lebendvieh-Segment am besten performt. Mageres Schwein profitierte vor allem vom US-Feiertag Memorial Day.
Den bundesweiten Feiertag zum Gedenken an die Kriegstoten nutzen viele US-Bürger für Familienfeste, er markiert inoffiziell auch den Beginn des Sommers – und somit der Grillsaison. Der Markt für mageres Schwein steuerte daher auf eine „saisonal knappe Angebotslage“ zu, so Matthew Wiegand, Risikomanagementberater beim Marktforscher Futures One.
Dauerbrenner: Kakao
Im vergangenen Jahr gab es keinen Rohstoff, der sich an der Börse besser entwickelte: Kakao legte 2024 um mehr als 178 Prozent zu. Und auch im Mai ging der Aufwärtstrend weiter. Der Frühstücksrohstoff verteuerte sich um rund neun Prozent.
Die Gründe waren unverändert: Extremwetterbedingungen sorgen für schlechte Ernten in den Anbauregionen Elfenbeinküste, Ghana und Nigeria.
Hinzu kommt, dass Preisschwankungen am Kakao-Terminmarkt durch die geringe Liquidität verstärkt werden. Es handeln deutlich weniger Marktteilnehmer mit Kakao als mit gängigen Rohstoffen wie Öl oder Gold. Geht ein Händler am Kakaomarkt also eine große Position ein, kann das bereits den Preis deutlich beeinflussen.
In den vergangenen Monaten hatten Marktbeobachter zwar mit einer Entspannung der Angebotslage gerechnet. Die Internationale Kakaoorganisation ICCO ging sogar von einem Angebotsüberschuss am Kakaomarkt aus.
Doch wegen langer Trockenheit in der Elfenbeinküste korrigierte die ICCO in ihrem neuesten Report die Produktionsprognose um fast 13 Prozent nach unten.
Die Liquidität an den Terminmärkten ist dabei weiter niedrig – auch weil die Anbauländer ihre Verkäufe für die kommende Saison bisher zurückhalten – in Erwartung höherer Preise.
Unerwartetes Comeback: Platin
Ebenfalls um rund neun Prozent verteuert hat sich Platin. Das Edelmetall wird unter anderem in Autoabgaskatalysatoren eingesetzt. Das geplante Verbrenner-Aus und die steigende Nachfrage nach Elektroautos, die ohne Katalysatoren auskommen, belasten daher seit mehr als zwei Jahren den Platin-Preis.
Dass der Preis nun kurzfristig stieg, liegt laut Chefanalyst Markus Blaschzok von der Solit-Gruppe zum einen an Sorgen vor möglichen Lieferengpässen aus Russland, auf das zwischen zehn und 15 Prozent des weltweiten Angebots entfallen.
Zum anderen ziehe die Schmucknachfrage aus China an. „Angesichts historisch hoher Goldpreise orientieren sich chinesische Verbraucher zunehmend in Richtung Platin,“ schreibt der Edelmetall-Experte in einem Marktkommentar.
Die Fundamentaldaten sind aber in der langfristigen Perspektive weiter durchwachsen. So prognostiziert der Branchenverband World Platinum Investment Council (WPIC) für dieses Jahr einen Nachfragerückgang um gut vier Prozent. In dem im Mai veröffentlichten Bericht rechnet der WPIC aber zugleich mit einem Angebotsdefizit von 966.000 Unzen (je 31,1 Gramm).
Noch im März war der WPIC von einem Defizit von 848.000 Unzen ausgegangen. Diese Korrektur nach oben nahmen viele Anleger ebenfalls im Mai zum Anlass, in Platin zu investieren. Grund für das Angebotsdefizit ist ein erwarteter Rückgang der Minenproduktion um sechs Prozent, unter anderem aufgrund längerer Ausfälle einer Verarbeitungsanlage im wichtigsten Produzentenland Südafrika.
Trotzdem sind Experten wie Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch vorsichtig, was optimistische Preisprognosen angeht. Denn zum einen gehe das Angebot auch zurück, weil die Notierungen seit zwei Jahren tendenziell sänken, und zum anderen dürften die Platin-Lagerbestände den Bedarf von 14 Monaten decken.
Verlierer des Monats: Kaffee
Der Rohstoff, der sich im Mai am stärksten verbilligte, ist Kaffee. Der Preis für an der New Yorker Rohstoffbörse gehandelte Arabica-Terminkontrakte fiel um fast 13,5 Prozent.
Allerdings vollzog sich dieser Preisrückgang von einem hohen Niveau. Denn noch im Februar hatte der Terminkontrakt für ein Pfund Arabica-Bohnen zur Auslieferung in drei Monaten ein Rekordhoch aus dem Jahr 1977 übertroffen. Die Kaffeepreise hatten sich zu diesem Zeitpunkt innerhalb eines Jahres verdoppelt.
Im Arabica-Hauptanbauland Brasilien haben Extremwetterbedingungen gleich fünf Jahre in Folge für schlechte Ernten gesorgt, bei gleichzeitig steigender weltweiter Kaffeenachfrage. Auch in Vietnam, dem Hauptanbauland für Robusta-Bohnen, die in Espresso-Mischungen und preisgünstigeren Kaffeemischungen eingesetzt werden, ruinierte im vergangenen Jahr eine extreme Dürre die Ernte.
Nun verbessern sich aber die Angebotsaussichten, besonders für Robusta. Vietnams Exporte stiegen Bloomberg zufolge im April um elf Prozent.