Verhandlungen in Istanbul: Ukraine ändert mit Angriff die Gesprächsdynamik
Riga, Istanbul, Berlin, Brüssel. Wladimir Medinski ist sichtbar gestresst, als er in Istanbul aus der schwarzen Limousine steigt. Ein Mitarbeiter des russischen Staatsfernsehens hält dem russischen Delegationschef ein Mikrofon vor das Gesicht, fragt nach einem Kommentar zum ukrainischen Großangriff auf Militärflughäfen in Russland am Sonntag.
Medinskis Reaktion verdeutlicht Moskaus Unbehagen über die Angriffe: Eine schlagfertige Antwort hat er genauso wenig parat wie der Kreml, der noch immer zu den Angriffen schweigt.
Dass die Ukraine ausgerechnet am Vortag des Istanbuler Treffens eine Operation ausführte, bei der sie mithilfe von Drohnen russische Militärstützpunkte tief im Landesinnern attackieren konnte, dürfte die Dynamik in kommenden Gesprächen nun deutlich verändern. Denn der Kreml gerät zunehmend unter Druck – aus dem Ausland und zu Hause.
Vor knapp zwei Wochen waren Vertreter der beiden Staaten zum ersten Mal seit drei Jahren zu Gesprächen zusammengekommen. Die Delegationen einigten sich auf einen Gefangenenaustausch, in grundsätzlichen Fragen gelang kein Durchbruch.
Am Montag endete die zweite Runde der Gespräche in Istanbul dann bereits nach etwa einer Stunde. Die Ukraine soll Russland dabei eine Liste mit Namen von Kindern übergeben haben, die nach Russland verschleppt worden seien und deren Rückführung die Ukraine fordert. Zuvor hatte Kiew einen Fahrplan für Friedensgespräche mit der russischen Delegation geteilt, der eine umfassende Waffenruhe vorsieht. Davon ausgehend sollen weitere Schritte folgen, bis hin zu direkten Gesprächen der beiden Präsidenten.