Banken: EU will Verbriefungen erleichtern
Brüssel. 17 Jahre nach der weltweiten Finanzkrise will die EU-Kommission die Eigenkapitalvorgaben für Banken und Versicherer wieder lockern. So möchte sie den europäischen Markt für Verbriefungen wiederbeleben, der damals eingebrochen war.
Die EU-Regeln zur Verbriefung seien „zu konservativ“, heißt es in zwei Gesetzesentwürfen der Kommission, die dem Handelsblatt vorliegen. „Hohe operative Kosten und übermäßig konservative Eigenkapitalanforderungen halten viele Emittenten und Anleger vom Verbriefungsmarkt fern.“ Daher wolle man nun ein „neues Gleichgewicht zwischen Sicherheit und Wachstum“ finden.
Bei einer Verbriefung bündeln Banken viele einzelne Kredite in einem Wertpapier, das sie an institutionelle Anleger wie Pensionsfonds oder Versicherer verkaufen. Gebündelt werden in der Regel Kredite aus einer Branche, beispielsweise Immobiliendarlehen oder Autokredite.
Eigenkapital an die „tatsächlichen Risiken“ anpassen
Wenn Banken Kredite an den Kapitalmarkt bringen, schaffen sie Spielraum für neue Darlehen in ihrer Bilanz. Die Kommission schreibt, die Verbriefung ermögliche zusätzliche Kredite für die europäische Wirtschaft und führe zu einer breiteren Risikostreuung im Finanzsystem.
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Bisher ist vorgeschrieben, dass Banken für Verbriefungen deutlich mehr Kapital vorhalten müssen als für die Kredite, die in dem Produkt enthalten sind. Die Reform soll diese Risikoprämie deutlich reduzieren. Man müsse die Eigenkapitalanforderungen an die „tatsächlichen Risiken“ anpassen, heißt es in dem Entwurf.
Verbriefte Immobilienkredite hatten 2008 die Finanzkrise in den USA ausgelöst, weil die Produkte immer komplexer wurden und die wahren Kreditrisiken verschleierten. Der europäische Verbriefungsmarkt war danach von seinem Höhepunkt bei zwei Billionen Euro abgestürzt und hat das Vorkrisenniveau bis heute nicht erreicht.
Die europäischen Banken wollen nun die veränderte politische Stimmung in Europa nutzen und drängen seit Monaten darauf, die Regulierung zurückzudrehen. Der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber sagte, der Verbriefungsmarkt in Europa sei „fast völlig zum Erliegen gekommen, was maßgeblich auf überzogene Regulatorik zurückzuführen ist“. Die Vorschläge der Kommission gingen in die richtige Richtung.
Der Finanzexperte Sebastian Mack vom Jacques Delors Centre hingegen sagte, die Verbriefungsreform werde die europäischen Kapitalmärkte nicht wesentlich voranbringen. „Sie bleibt weit hinter dem zurück, was nötig wäre.“ Die Senkung der Eigenkapitalanforderungen würden die Banken vor allem dazu nutzen, ihre Eigenkapitalquote zu verbessern. Die Nachfrage nach Wertpapieren werde das hingegen nicht steigern.
Nötig wäre es, europäische Regeln zu harmonisieren, sagte Mack. So brauche man eine europäische Datenbank, damit Anleger einen transparenten Überblick über das Angebot bekämen. Auch müsse das Insolvenzrecht vereinheitlicht werden. „Wir sehen wenig grenzüberschreitende Investitionen, weil die Rechtssysteme so unterschiedlich sind.“