Fahrrad: Alles Automatik – außer dem Antrieb
Düsseldorf. Die Welt war einfach, als es keine Gangschaltungen für Fahrräder gab. Die ersten Radfahrerinnen und Radfahrer mussten treten, was die Beine hergaben. In der Jetztzeit gibt es ein verwirrendes Angebot und vielfältige Möglichkeiten an Schaltwerken, insbesondere den Kettenschaltungen.
Was, wenn das Rad erkennt, welcher Gang gerade der richtige ist? Wenn wir einfach nur treten müssen, uns um sonst nichts kümmern müssen und Landschaft und Verkehr beachten können? Wenn aus der Hilfe, die oft knarzt und kracht, eine stille Allmacht wird, die uns stets in einem bequemen Bereich befördert?
Obwohl es automatische Schaltungen für Fahrräder schon länger gibt, so recht durchgesetzt haben sie sich bislang noch nicht. Doch sowohl für E-Bikes als auch für herkömmliche Fahrräder sind nun neue Technologien verfügbar, die Schluss machen mit Verwirrung – dank dreier Kettenblätter vorn und elf Ritzeln am Hinterrad, die in ein harmonisches Miteinander gebracht werden müssen.
Der deutsche Hersteller Pinion aus dem schwäbischen Denkendorf ist für seine Getriebe bekannt. In einer neuen Version des kombinierten E-Motors mit Getriebe – dem E1.9s – ist nun eine vollautomatische Schaltung verfügbar. Egal ob die Radfahrerin tritt, der Radfahrer steht, es wird geschaltet. Rauf, runter, einerlei. Sorglosigkeit am Pedal verspricht der Hersteller, ob im Wald oder an der Ampel.
Eine geradezu intime Bekanntschaft zwischen Radlern und seiner mit Muskelkraft betriebenen Schaltung Q’Auto hält der japanische Konzern Shimano für aussichtsreich. Selbst die lernfähige Schaltung kommt ohne Akku aus und soll sich an die Gewohnheiten seiner Nutzerin auf dem Trailrad oder seines Nutzers auf dem Stadtrad gewöhnen.
Dazu müssen sich Mensch und Maschine kennenlernen. Eingriffe in den Gang-Vorschlag soll die Q’Auto-Elektronik aufnehmen und mit jeder Korrektur dazulernen, um später gleich die passende Trittfrequenz zu ermöglichen.
Ein Sensor im Inneren der Freilaufnabe analysiert Geschwindigkeit, Trittfrequenz und Steigung. Daraufhin bietet er einen Gang an, und der Mensch kann ihn akzeptieren oder korrigieren, bis sich eines Tages eine Einheit geformt hat, die die Nutzerin und den Nutzer zurückführt in eine Zeit, als die Welt einfach war, Fahrräder nur einen Gang hatten und sich Radfahrer an Anstiegen abplacken mussten.