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DWSAktionärsvertreter loben Geschäft – Kritik an Nachhaltigkeitsstrategie

Die Deutsche-Bank-Tochter hat ihr Geschäft stabilisiert, betonen Anteilseigner auf der Hauptversammlung. Die Kritik am Umgang mit Nachhaltigkeitsfonds reißt trotzdem nicht ab.Martin Müller 13.06.2025 - 20:28 Uhr Artikel anhören
Stefan Hoops: Der DWS-Chef sprach über die Nachhaltigkeitsstrategie des Fondshauses. Foto: Bloomberg/Getty Images

Frankfurt. Aktionärsvertreter haben die Geschäftsführung und den Aufsichtsrat der DWS auf der virtuellen Hauptversammlung am Freitag für ein solides Geschäftsjahr gelobt. Umweltorganisationen kritisierten dagegen erneut den Umgang mit Nachhaltigkeitsfonds.

In den vergangenen zwölf Monaten legte der Aktienkurs der Deutsche-Bank-Tochter um etwa 50 Prozent zu und damit deutlich stärker als die Titel europäischer Konkurrenten. Im vergangenen Jahr stieg das verwaltete Vermögen des Fondshauses – auch dank eines guten Börsenjahres – um 13 Prozent auf 1,01 Billionen Euro.

Andreas Schmidt von der Schutzvereinigung der Kapitalanleger (SdK) lobte das Gesamtbild als „sehr positiv“. Das Management und die Mitarbeiter der Fondsgesellschaft hätten Ruhe gebracht und das operative Geschäft gestärkt, sagte Schmidt.

Ähnlich positiv äußerte sich Wolfgang Schärfe von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). „Wir möchten Ihnen bereits zu Beginn zum Ergebnis des hervorragenden Geschäftsjahres gratulieren“, sagte Schärfe. Die DSW gehe trotz einer schwierigen weltpolitischen Lage auch 2025 von einem erfolgreichen Jahr aus.

Am Freitag entlasteten die Anteilseigner die von DWS-Chef Stefan Hoops geführte DWS Management GmbH und den Aufsichtsrat. Gegen die beide Anträge votierten jeweils knapp 4,9 Prozent der stimmberechtigten Aktionäre, 95,1 Prozent unterstützten sie.

DWS: Hoops nimmt Stellung zur Kritik an der Nachhaltigkeitsstrategie

Möglich war der relativ hohe Anteil der Gegenstimmen nur, weil die Deutsche Bank als dominierender Aktionär der DWS laut Aktiengesetz nicht an den Entlastungsabstimmungen teilnehmen darf. Über die Entlastung der beiden Gremien stimmten deshalb nur etwa zehn Prozent des Stammkapitals ab. Die Deutsche Bank hält knapp 80 Prozent der DWS-Aktien.

Laut dem Finanznachrichtendienst Bloomberg empfehlen derzeit sieben von zehn Analysten die Aktie zum Kauf. Analysten der US-Bank JP Morgan sahen das Fondshaus vor allem wegen des ETF-Geschäfts und der Ambitionen im Geschäft mit alternativen Anlagen im europäischen Vergleich gut positioniert.

DWS-Chef Hoops bekräftigte in seiner Rede die Ambition, auch mit Zukäufen wachsen zu wollen. Die bevorstehende Marktvolatilität könne „attraktive anorganische Chancen“ bieten, sagte Hoops. Die DWS verfüge weiterhin über einen erheblichen Kapitalpuffer. „Damit sind wir in der Lage, neue Chancen zu eröffnen und Opportunitäten zu verfolgen.“

Hoops kündigte zudem an, die Nachhaltigkeitsstrategie der DWS anzupassen. „Das Thema Nachhaltigkeit bleibt für uns hochrelevant“, sagte Hoops. Allerdings hätten sich die Vorzeichen hinsichtlich regional unterschiedlicher Regulatorik und bei Kundenpräferenzen geändert.

Vermögensverwalter

Druck aus den USA: DWS überarbeitet Nachhaltigkeitsstrategie

Der Dachverband der kritischen Aktionärinnen und Aktionäre hatte vor der Hauptversammlung beantragt, die persönlich haftende Gesellschafterin und den Aufsichtsrat nicht zu entlasten. Als Grund nannte der Verband eine mangelhafte Aufarbeitung der Greenwashing-Vorwürfe gegen die DWS und den Umgang mit ESG-Fonds. ESG steht für Umweltverträglichkeit (Environment), soziale Standards (Social) und eine verantwortungsvolle Unternehmensführung (Government).

Julia Dubslaff von der Umweltorganisation Urgewald äußerte sich bestürzt über die Rede des CEO. „In meinen Ohren klingt Ihre Rede, Herr Hoops, leider nicht nach relevanten Beiträgen zum Klimaschutz“, kritisierte sie. Beim Umgang mit Öl- und Gasunternehmen wie Total Energies und Exxon Mobil in den Kundenportfolios bleibe das Fondshaus hinter Konkurrenten zurück. „Welches Selbstverständnis hat die DWS denn nun wirklich von ihrer Rolle im Kampf gegen den Klimawandel?“, fragte Dubslaff.

Es wäre verwerflich, wenn wir unsere eigene Weltanschauung unseren Kunden aufzwingen.
DWS-Chef Stefan Hoops

Laut Hoops sollen die Kunden der DWS selbst darüber entscheiden, ob sie in grüne oder konventionelle Fonds investieren. „Es wäre halt verwerflich, wenn wir unsere eigene Weltanschauung unseren Kunden aufzwingen“, sagte er. Im Umgang mit Öl- und Gaskonzernen sei keine Verschärfung bisheriger Regeln geplant.

Aktionärsvertreter Schärfe kritisierte zudem die Bußgelder, die die DWS wegen Greenwashing-Vorwürfen in den USA und Deutschland zahlen musste. Auch wenn die Verfahren jetzt abgeschlossen seien, sei das „keine ganz günstige Veranstaltung“ gewesen.

Logo der DWS: Aktionäre waren zufrieden mit der Performance des Fondshauses. Foto: REUTERS/Ralph Orlowski/File Photo

Im April hatte die DWS ein Bußgeld der Staatsanwaltschaft Frankfurt in Höhe von 25 Millionen Euro akzeptiert. Der Vermögensverwalter soll Fonds grüner dargestellt haben, als sie waren. Wegen ähnlicher Vorwürfe hatte die DWS in den USA schon vor knapp zwei Jahren eine Geldbuße von 19 Millionen US-Dollar zahlen müssen. DWS-Chef Hoops hatte bereits kurz nach seinem Amtsantritt 2022 „überschwängliches Marketing“ bei dem Thema eingeräumt.

Bei der Hauptversammlung am Freitag billigten die Aktionäre die erneut angehobene Dividende von 2,20 Euro je Aktie. Zudem ermöglichten sie es Geschäftsführung und Aufsichtsrat, auch in den kommenden zwei Jahren Hauptversammlungen virtuell abzuhalten. Für einen entsprechenden Antrag stimmten 99 Prozent der Anteilseigner.

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Das Fondshaus Union Investment hatte dem Handelsblatt vorab bestätigt, gegen den Antrag stimmen zu wollen. Auch die Aktionärsvertreter von SdK und DSW hatten das virtuelle Format in ihren Reden kritisiert. Die DWS hatte vorab bereits betont, möglichst schon die nächste Hauptversammlung in Präsenz abhalten zu wollen.

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