Wochenend-Newsletter: Dieser eine Typ, zu dem jetzt alle aufschauen – das Handelsblatt-Wochenende
Liebe Leserin, lieber Leser,
mir fiel irgendwann die Korrelation zwischen einem leichten Bauchansatz, On-Schuhen und dem Begriff Vaddi auf. Seitdem hoffe ich, dass er den Weg in den wachsenden Wortschatz meiner Kinder nicht findet. Das war mein Gemütszustand vergangene Woche. Seit Ende dieser Woche glaube ich: Das war zu provinziell gedacht.
Ich sollte den Begriff einfach konsequent in seiner amerikanischen Form benutzen und schon hätte es sich erledigt mit der leicht peinlichen Begleitnote. Der „Daddy“ jedenfalls scheint mir der Typ der Stunde zu sein. Und das liegt nicht nur an den väterlichen Gefühlen, die Donald Trump Mitte der Woche bei Nato-Generalsekretär Mark Rutte offenbar auslöste.
Die Welt scheint so chaotisch, dass der Typ, der mit väterlicher Strenge, aber nicht ohne Güte für seine Lieben den Weg weist, stark im Kommen ist. Daddy, das ist der Typ mit dem Durchblick. Oder, wenn das jetzt mit Donald Trump vor Augen eine kurze Irritation in Ihnen auslöst, zumindest der, zu dem alle aufschauen. Gut, ich habe bei Familienaktivitäten selten das Gefühl, dass in mir jemand diesen entschlossenen Wegweiser sieht oder sucht, aber ich meine das ja auch eher gesamtgesellschaftlich.
Welcher Aktionär sehnt ihn nicht herbei, den starken Vorstandschef, der entschlossen die ineffizienten Strukturen in der Zentrale schleift, dem Unternehmen trotz aller Unsicherheiten einen klaren Kurs verordnet, aber natürlich dafür sorgt, dass es seinen Aktionärskinderchen am Ende finanziell besser geht? Wer möchte ihn nicht, den führungsstarken Chef, der immer eine Idee für die nächsten To-dos hat, am Arbeitsplatz die Richtung weist, die ansonsten zwischen Trello, Teams und Tertialzielen verloren geht und trotzdem immer ein wertschätzendes Urteil. Und wünschen wir uns nicht überall Staats- und Regierungschefs, die ansagen, wo andere zweifeln, führen, wo andere suchen, und uns trotzdem pampern, wenn uns mal das Geld ausgeht?
Sie dachten, diese anführerartige Rolle sei aus der Zeit gefallen? Nun, das Geheimnis liegt darin, dass die Leute einen Daddy suchen, keinen Diktator, einen coolen Typ, der die Richtung weist, aber auch mal milde verzeiht, wenn wir nicht so sind, wie wir sein sollten.
Und bevor Sie jetzt schreien: Das hier ist ein progressiver Newsletter, warum ist das nicht genderneutral formuliert? Nun, weil der Daddy von heute genderneutral ist. Daddy, das ist eine Haltung, kein Typ. Glauben Sie nicht? Der erfolgreichste Podcast unter Frauen in den USA heißt „Call her Daddy“. Ich finde das konsequent. Deswegen hoffe ich künftig einfach, sie meinen ihre Mutter, wenn meine Kinder dann doch noch Daddywitze machen.
Ich hoffe, Sie erleben am Wochenende das Maß an Führung, das Ihnen guttut.
Herzlich
Sven Prange
Ressortleiter Wochenende
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Was schützt die Welt vor dem totalen Chaos?
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Wie kauft man ein Bild für 20 Millionen Euro?
Es ist nicht so, dass mein Kollege Benjamin Ansari so viel Geld auf der hohen Kante hätte. Aber man darf ja mal träumen. Deswegen hat Benjamin sich unter die Menschen auf der Art Basel gemischt. Die ist zwar schon eine Woche vorbei, Benjamins Frage aber immer noch aktuell – auch für Menschen, die weniger als 20 Millionen Euro für ein Bild ausgeben wollen: Wie lege ich mein Geld gut in Kunst an – und wie läuft das Geschäft mit den Bildern weltweit eigentlich?
„Das Weltbild eines sehr petrolgetriebenen Maschinenbaus prägt das Land“
Ich habe schon aussichtsreichere Sachen versucht, als Ihnen dieses Thema nahezubringen: Unternehmen und Klimaschutz oder Nachhaltigkeit – das hat seine besten Zeiten hinter sich. Doch was, wenn das gar nicht so stimmt und wir das Thema bisher nur falsch angegangen sind? Das behaupten meine beiden Gesprächspartner Christoph Bornschein und Sebastian Cleemann. Sie glauben: Mit weniger Bürokratie und einer schnelleren Verrentung von Männern, deren Karriere einst im Industriezeitalter begann, liefe vieles besser.
Kein Alkohol ist auch keine Lösung – zumindest für diese Berufsgruppe nicht
Wenn ich in diesen Tagen auf einem Sommerfest bin, erlebe ich es deutlich häufiger als früher: Mir wird kein Alkohol angeboten. Ich finde das, obwohl ich schon familiär bedingt gerne ein Glas Wein trinke, gar nicht schlimm – nur auffällig. Tatsächlich geht nach vielen Studien, die die Gefahren von Alkohol belegen, der Trend zur Abstinenz. Das macht den Winzern in Deutschland arg zu schaffen – Thorsten Firlus hat mit ihnen gesprochen, welche Strategien sie dagegen haben. Und nebenbei für Sie recherchiert, wie viel Alkohol Sie denn nun wirklich trinken dürfen.
Mit dem Dreimaster in den Hafen der Ehe
Eigentlich habe ich seit Mitte der Woche vor allem auf ein Ereignis geschaut: Wie läuft die Hochzeit von Amazon-Gründer Jeff Bezos? Ein Spektakel, das gleichermaßen so faszinierend und so peinlich ob seiner größenwahnsinnigen Inszenierung ist, dass mir weggucken wirklich schwergefallen ist. Am interessantesten fand ich dabei etwas, das gar nicht in Venedig anwesend war: seine Segelyacht. Deswegen habe ich unseren Luxusexperten Thorsten Firlus mal gebeten, sich das Ding genauer anzuschauen. Wenn Sie auch Smalltalk-Stoff suchen, der Ihnen nichts bringt außer guter Unterhaltung – finden Sie hier.
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Influencer werden ohne ihr Wissen für Werbung eingesetzt, indem Deepfakes ihre Stimmen nachnahmen. Eigentlich ein Problem, gegen das alle vorgehen sollten, dachte meine Kollegin Lina Knees. Dann recherchierte sie etwas und fand heraus: Es gibt doch jemanden mit einem Interesse daran, den Schmu nicht zu beenden. Der Meta-Konzern.
Der große Unbekannte mit dem Allerweltsgesicht
Man kann nicht gerade sagen, dass die Modelle von Volkswagen auf deutschen Straßen unterrepräsentiert wären. Den Tayron kannte ich bisher aber nicht. Zum Glück haben wir Lukas Bay. Der hat den großen Unbekannten wie immer auf Herz und Nieren für Sie getestet. Hier ist sein Fazit.
Was bringt mir ein Gravelbike?
Zugegeben, eine Frage, die ich mir noch nie gestellt habe – dafür aber viele Menschen, mit denen ich regelmäßig spreche. Insofern freue ich mich über die Antwort unseres Sportkolumnisten auf die Frage – dann kann ich es bequem weiterleiten. Und für mich hab ich auch noch was gelernt: Ein vorhandenes Fahrrad auf neue Anforderungen hin umbauen ist meistens sinnvoller, als für jeden Zweck ein neues zu kaufen.
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So gelassen wie unsere Kolumnistin Patricia Thielemann wäre ich auch gerne. Wie ich – und Sie, wenn Sie mögen auch – das werde, hat sie diese Woche aufgeschrieben.
Alte Mauern, neuer Glanz
An der Cote d’Azur eröffnet die Hotelgruppe Como einen Belle-Epoque-Palast neu als Luxushotel. Das ist aus zwei Gründen bemerkenswert: Das Haus wirkt wirklich sehr schön. Und, schreibt Thorsten Firlus, es steht für einen Trend: Europaweit eröffnen schicke Hotels in altehrwürdigen Gemäuern. Thorsten empfiehlt Ihnen hier einige.
Dobellis Frage an das Leben für diese Woche
Ab sofort haben wir etwas Neues für Sie. Der Bestsellerautor Rolf Dobelli stellt Ihnen an dieser Stelle nun wöchentlich eine Frage an das Leben. Wir freuen uns, wenn Sie das zum Nachdenken, Schmunzeln oder Kreativwerden anregt. Vor allem freuen wir uns aber, wenn Sie uns Ihre Gedanken dazu mitteilen. Eine Auswahl der Antworten veröffentlichen wir dann, sofern Sie einverstanden sind. Diese Woche möchten wir wissen:
Gesetzt den Fall, Sie hätten Ihren Mann/Ihre Frau durch einen Vermittler kennen gelernt. Rückwirkend betrachtet: Welches wäre eine angemessene Provision gewesen?
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