Raumfahrt: Isar Aerospace holt US-Sportmilliardär an Bord
Düsseldorf, Berlin. Isar Aerospace erhält insgesamt 150 Millionen Dollar von Eldridge Industries, einem Finanzinvestor mit Sitz in Florida. Das Unternehmen wird von Todd Boehly geführt, der nach Angaben des Finanzdienstes Bloomberg rund neun Milliarden Dollar besitzt.
Daniel Metzler, Chef und Mitgründer von Isar, sagte: „Diese Investition bestätigt das starke Vertrauen der globalen Märkte in unsere Bemühungen, einen neuen führenden Anbieter im Raumfahrtsektor aufzubauen.“
Julian Riedlbauer, Partner bei der Investmentbank Drake Star, sagte: „So eine große Finanzierung ist ein beeindruckender Erfolg im aktuellen Marktumfeld.“
Zweite Rakete soll frühestens im Herbst starten
Die Finanzierung für den deutschen Raketenhersteller wurde bereits zum Jahresanfang beschlossen und ist laut Isar Aerospace jetzt auch vom Bundeswirtschaftsministerium abgesegnet worden.
Die Finanzierung kommt in der für Start-ups vergleichsweise ungewöhnlichen Form einer Wandelanleihe. Wie der Name sagt, können die Darlehen zu einem späteren Zeitpunkt, meist dem der nächsten Finanzierungsrunde, umgewandelt werden – und zwar in Eigenkapital, also eine Firmenbeteiligung. Die Bedingungen dafür werden bereits bei der Ausgabe der Wandelanleihe festgelegt. Das lohnt sich für den Investor vor allem dann, wenn der Wert des Start-ups über die Zeit steigt.
Die Auszahlung ist in drei Tranchen aufgeteilt, wie aus einem Eintrag im Handelsregister ersichtlich wird und über die das „Manager Magazin“ zuerst berichtete. Isar Aerospace erhält danach jeweils 50 Millionen Euro, wenn das Unternehmen bestimmte Meilensteine erreicht.
So muss das Start-up im ersten Schritt seine zweite Rakete erfolgreich ins Weltall bringen. Nach Informationen des Handelsblatts will Isar Aerospace mit der Spectrum 2 frühestens im Herbst dieses Jahres einen neuen Anlauf wagen. Im März startete die Münchener Firma ihre erste „Spectrum“, die aber nach 30 Sekunden abstürzte.
Isar Aerospace will Raketen in Serie produzieren
Mit den bislang eingesammelten 400 Millionen Euro an Risikokapital und der Wandelanleihe besitzt Isar Aerospace laut einem Unternehmensinsider jetzt nicht nur genügend Geld für die weiteren Starts. Es reicht auch, je nach Ausgestaltung, für das neue Werk in der Nähe von München, das 2026 fertiggestellt wird und das bis zu 40 Raketen pro Jahr herstellen soll.
Für Isar Aerospace hat eine Wandelanleihe ebenfalls Vorteile. Sie kann einfacher und schneller abgewickelt werden, eine Neubewertung des Unternehmens und komplexe Beteiligungsverträge entfallen. „Meistens wird das Finanzierungsinstrument aber in früheren Phasen verwendet“, sagt Berater Riedlbauer, „in dieser Größenordnung ist es eher ungewöhnlich.“
Boehly erhält durch das Investment einen von sieben Sitzen im Aufsichtsrat von Isar Aerospace. Dort sitzen bislang andere Investoren wie Bülent Altan von Alpine Space, Hendrik Brandis von Earlybird und Klaus Hommels von Lakestar.
Der Amerikaner hat deutsche Wurzeln, seine Großeltern wanderten in die USA aus. Der 51-Jährige machte sein Vermögen mit der Investmentfirma Guggenheim in New York. 2015 gründete er seine eigene Finanzfirma Eldridge, die in so unterschiedliche Firmen wie den gerade an die Börse gegangenen Cloud-Anbieter Coreweave oder in die Muttergesellschaft der Café-Kette Le Pain Quotidien investierte.
Boehly besitzt zahlreiche Sportklubs
Das Hauptaugenmerk legt Boehly aber derzeit auf Sport. Zusammen mit seinem Guggenheim-Partner Mark Walter erwarb er vor wenigen Tagen für die Rekordsumme von zehn Milliarden Dollar die legendäre US-Basketballmannschaft Los Angeles Lakers. 2022 übernahmen sie den englischen Fußballklub Chelsea für 5,6 Milliarden Dollar. „Mark und ich wollen die vielleicht herausragendste Sportplattform der Welt aufbauen“, sagte Boehly vor wenigen Tagen dem Finanzdienst Bloomberg.
Das Investment in eine Raketenfirma muss aus Sicht des Amerikaners attraktiv wirken. Der Sektor boomt aufgrund der zahlreichen Satelliten, die für Kommunikation oder Erdbeobachtung in den Orbit gebracht werden. Isar Aerospace ist bereits bis 2027 ausverkauft – obwohl die Rakete es bisher nicht ins All geschafft hat.
Pionierunternehmen wie SpaceX oder Rocket Lab erzielen in den USA hohe Bewertungen. So ist der von Elon Musk gegründete Raumfahrtkonzern mit 350 Milliarden Dollar das am höchsten bewertete private Unternehmen der Welt. Der kleinere Konkurrent Rocket Lab kommt an der Börse auf eine Marktkapitalisierung von mehr als 15 Milliarden Dollar.