Präsidentenwahl: Polnisches Regierungslager äußert Zweifel am Endergebnis
Warschau. Die entscheidende zweite Runde der polnischen Präsidentschaftswahl liegt fast vier Wochen zurück. Für Diskussionen sorgt der Urnengang aber immer noch.
Bereits kurz nach der Feststellung des offiziellen Wahlergebnisses, das den nationalkonservativen Kandidaten Karol Nawrocki mit knappem Vorsprung als Sieger auswies, tauchten Vorwürfe der Unregelmäßigkeiten bei der Stimmenauszählung auf. Später folgten offizielle Einsprachen beim obersten Gericht. Es ordnete daraufhin in einem guten Dutzend Wahlbezirken eine Neuauszählung der Stimmen an.
Den Wahlkampf und die Wahl hatten Beobachter als einen Richtungsentscheid für das politisch stark polarisierte Land bewertet. Nawrocki war Kandidat der Partei für Recht und Gerechtigkeit (PiS), sein Sieg war ein schwerer Rückschlag für Regierungschef Donald Tusk von der liberalen Bürgerplattform. Dessen Parteifreund, der Warschauer Bürgermeister Rafal Trzaskowski, hatte in Umfragen lange vorn gelegen.
Am Freitag hat das oberste Gericht nun bekannt gegeben, dass es in einigen der überprüften Wahlkreise tatsächlich zu Fehlern gekommen sei. So wurden etwa in einem Wahlbüro in Krakau, einer liberalen Hochburg, die Stimmen der beiden Kandidaten vertauscht. Trzaskowski hatte dort fast doppelt so viele Stimmen erhalten wie Nawrocki. Im Protokoll stand es aber genau umgekehrt.