Schulden: 100 Jahre Defizit – trägt Italien die schwerste Last der Euro-Zone?
Frankfurt. Es ist schon etwas gemein, wenn die Ökonomen der Deutschen Bank eine Studie zu Italien überschreiben mit: „Herzlichen Glückwunsch zu 100 Jahren Defizit.“ Doch die Behauptung stimmt: Vor 100 Jahren hatte das Land zum letzten Mal einen Überschuss im staatlichen Haushalt.
Italien steht immer wieder im Rampenlicht, wenn es um Schulden der Euro-Länder geht. Denn es ist nach Deutschland und Frankreich die drittgrößte Wirtschaftsnation in der Euro-Zone, zugleich mit Staatsschulden von weit über 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ein Sonderfall.
Dafür muss es seinen Investoren besonders hohe Renditen als Risikoausgleich bieten. Die zehnjährigen Staatsanleihen werfen zurzeit fast 3,6 Prozent ab, die entsprechenden deutschen Papiere dagegen nur gut 2,7 Prozent und die französischen knapp 3,4 Prozent. Sogar Griechenland, das sich von seiner schweren Schuldenkrise vor rund 15 Jahren gut erholt hat, liegt nur auf dem Niveau Frankreichs.
Kritiker wie Robin Brooks, deutscher Ökonom beim Brookings Institute in Washington, weisen jedoch immer wieder darauf hin, dass die italienischen Renditen künstlich abgesenkt seien. Weil die Europäische Zentralbank (EZB) versprochen habe, bei Bedarf italienische Papiere zu kaufen, um deren Kurse zu stützen und im Gegenzug die Renditen zu drücken, stehe das Land günstiger da als andere Staaten mit stabileren Staatsfinanzen.