Joe Nimble: So denkt Sebastian Bär über nachhaltige Produktion
Ludwigsburg. Im Leben des Unternehmers Sebastian Bär haben sich in den vergangenen Jahren Dinge verändert, die ihn auch rückblickend noch überraschen. Und das liegt nicht nur daran, dass er das Unternehmen seiner Familie verließ, um sein eigenes Ding zu machen.
Es fing eigentlich mit Corona schon an. Plötzlich schlich sich da diese Vokabel in seinen Wortschatz, die er als einer der beiden Chefs des Schuhherstellers Bär nie aktiv verwendet hatte: Lieferkette.
„Damit hat man sich als Unternehmer überhaupt nicht beschäftigt“, sagt Bär. „Man hat eine Spedition beauftragt, und die Ware kam pünktlich.“ Das ist Geschichte.
Oder die Sache mit den Zügen. Wie kriegt man Ware aus Asien, wenn Containerpreise plötzlich ins Unermessliche steigen? „Mit Zügen“, sagt Bär heute. Hätte er vorher auch nicht für möglich gehalten.
Und schließlich der Start in seine Arbeitstage. Die Lektüre von Politiknachrichten, erzählt Bär, die habe er in den vergangenen Jahren erst so richtig wiederentdeckt. Schließlich wartet jeden Tag eine Überraschung: Erheben die USA Zölle? Sprengen die Huthis im Jemen Containerschiffe mit seiner Ware in die Luft? Man weiß es nie.
Für Bär hieß all das: Er wollte die Dinge wieder unter Kontrolle haben. Deswegen wollte er seine Schuhe in der Nähe produzieren statt in Asien. Doch ausgerechnet dieser Schritt, der ihm die Kontrolle zurückbringen sollte, führte schließlich zum Kontrollverlust.