1. Startseite
  2. Politik
  3. Deutschland
  4. Brosius-Gersdorf: Nouripour gegen Übertragung der Wahl an den Bundesrat

RichterwahlNouripour gegen Übertragung der Wahl an den Bundesrat

Der Bundestagsvize hält an der Wahl der Verfassungsrichter durch den Bundestag fest. Forderungen nach einem Rückzug der Juristin Brosius-Gersdorf kann er nicht nachvollziehen.Leila Al-Serori, Silke Kersting 18.07.2025 - 18:16 Uhr Artikel anhören
Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour (Grüne): „Warum sollte Frau Brosius-Gersdorf die Probleme der Union lösen?“ Foto: Katharina Kausche/dpa

Berlin. Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour (Grüne) rät davon ab, die Entscheidung über die Besetzung der Richterposten für das Bundesverfassungsgericht an den Bundesrat zu übertragen. „So aufgeladen wie die politische Stimmung derzeit ist, wird es im Bundesrat nicht zwingend besser. Darüber hinaus wäre dies ein fatales Signal hinsichtlich der Handlungsfähigkeit des Bundestags“, sagte er dem Handelsblatt.

Nach dem Bundesverfassungsgerichtsgesetz (BVerfGG) werden die Richter der beiden Senate des Gerichts je zur Hälfte vom Bundestag und vom Bundesrat gewählt. Am vergangenen Freitag sollten insgesamt drei neue Richter durch den Bundestag gewählt werden, darunter die Juristin Frauke Brosius-Gersdorf. Das Gesetz sieht vor, dass der Bundesrat die Wahl übernehmen kann, wenn dem Bundestag keine Einigung gelingt.

Die Wahl der Richter war am vergangenen Freitag von der Tagesordnung des Parlaments genommen worden. Grund war der Widerstand innerhalb der Unionsfraktion gegen die von der SPD vorgeschlagene Kandidatin Brosius-Gersdorf. Entgegen vorherigen Zusagen hatte die Union eine Zustimmung für die Juristin am ursprünglichen Wahltag nicht mehr garantieren können.

Nouripour: „Verheerende Sitte“

Nouripour sagte, die Union habe im Wahlausschuss die Entscheidung mitgetragen, Frauke Brosius-Gersdorf zu wählen. Forderungen nach ihrem Rückzug könne er deswegen nicht nachvollziehen. „Warum sollte Frau Brosius-Gersdorf die Probleme der Union lösen?“

Juristin Brosius-Gersdorf: Gegen die von der SPD vorgeschlagene Kandidatin gab es Widerstand. Foto: Britta Pedersen/dpa

Nouripour sprach von einer „verheerenden Sitte“, die aus den USA bekannt sei, nämlich, „dass Richter nicht nach ihrer fachlichen Qualifikation und juristischen Kompetenz ausgewählt werden, sondern nach Gesinnungstest“.

Wie es nun weitergeht, ist offen. Die SPD hält bisher an Brosius-Gersdorf fest, Unionspolitiker legten der Juristin den Rückzug nahe. Bundesforschungsministerin und CSU-Politikerin Dorothee Bär äußerte Verständnis für die Bedenken von Unionsabgeordneten gegen Brosius-Gersdorf und legte ihr nahe, ihre Kandidatur zu überdenken.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wurde an diesem Freitag bei seiner ersten Sommerpressekonferenz als Regierungschef mehrfach zu der Juristin befragt, ließ sich aber keine abschließende Positionierung für oder gegen Brosius-Gersdorf entlocken.

Verwandte Themen
Bundesrat
SPD
Friedrich Merz
Dorothee Bär
Bundesverfassungsgericht
Berlin

Er ließ durchblicken, dass eine Neuaufstellung der Kandidatenliste möglich sei. „Wir wissen nicht, wer die Kandidaten sein werden bei der Wiederholungswahl“, sagte Merz. „Ich schließe jedenfalls aus heutiger Sicht keine Option aus.“ Man wolle in der Koalition besprechen, wie weiter vorgegangen werde. „Wir haben keinen Zeitdruck.“

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt