Wochenend-Newsletter: Die eine Anwendung, bei der der Mensch die Maschine schlägt – das Handelsblatt-Wochenende
Liebe Leserin, lieber Leser,
wir schwören zu Hause auf die Grillwürstchen eines benachbarten Metzgers. Irgendwann hatten wir aber das Gefühl, dass diese nicht immer gleich groß sind. Diesen Eindruck konnte der freundliche Fleischer bejahen. Er habe ja sogar eine Wurstmaschine, die die Füllung bis aufs Milligramm genau abmessen könne. Er habe die Funktion aber abgestellt: Unregelmäßige Würstchen sähen so schön nach menschlichem Handwerk aus.
Seit dieser Woche glaube ich: Der Mann ist nicht bauernschlau, sondern smart. Seinem Prinzip gehört die Zukunft. Es gibt nun ein Tool, das mithilfe von ChatGPT von ChatGPT generierte Texte so umschreibt, dass sie nicht mehr nach ChatGPT klingen. Sondern nach Mensch. „KI-Texte professionell humanisieren“ lautet das Produktversprechen. „Das ist ,dead internet'“, kommentierte ein Kollege, der sonst bei technologischen Sprüngen immer eher das Licht als das Dunkel sieht.
Ich glaube sogar, das Prinzip hat seine größte Zeit noch vor sich. Wollen wir nicht alle etwas menschlicher sein, haben aber eigentlich keine Zeit dazu? Wäre doch sehr effizient, die Arbeit komplett an die Maschine auszulagern – und ihr später von der Maschine einen menschlichen Anstrich verpassen lassen.
Zum Beispiel Pressefotos bei Politikgipfeln komponieren. Im Kanzleramt, konnten wir Montag sehen, haben sie da offenbar noch eine ältere KI, die ihr KI-Sein nicht verbergen kann – und einfach fünf Dutzend gleich aussehende Teilnehmer auf ein Foto nebeneinander stellt. Nicht auszudenken, welch Fortschritt das wäre, könnte der Bundeskanzler die Generierung eines KI-Fotos künftig mit dem zusätzlichen Prompt in Auftrag geben, es möge aber bitte im Ergebnis wie von einem Menschen gemacht aussehen.
Natürlich kann man das alles für den Anfang vom Ende halten. Vielleicht ist es aber auch ein Anfang: eine Welt, in der wir Echtheit nicht mehr daran messen, ob etwas wie ein Mensch klingt oder wie von einem Menschen aussieht. Sondern daran, ob wir wirklich in einer echten Begegnung etwas erleben können. Denn das wird die Maschine, da lege ich mich fest, so schnell nicht für uns erledigen. Der menschlichste Akt wäre dann ein ganz simpler, den der Computer aber noch lange nicht können wird: das Gerät einfach mal ausschalten und rausgehen.
Ich hoffe, dass Sie Ihr Gerät erst ausschalten, wenn Sie sich unsere Leseempfehlungen angeschaut haben.
Viele Grüße
Sven Prange
Ressortleiter Wochenende
Diese 30 Bücher lesen Top-Führungskräfte
Ich hoffe, Sie haben Ihre Bücherliste für die hoffentlich nahenden Ferien noch nicht fertig. Denn: Meine Kollegen und ich haben uns in den vergangenen Wochen umgehört, was Führungskräfte aus Wirtschaft und Wissenschaft gerade lesen. Herausgekommen sind 30 Bücher, die es in sich haben. Klassiker, Biografien, Welterklärungsbücher.
Wo fühlt Geld sich wohl?
Geld gesellt sich gern zu Geld. So einfach ist es meistens, und entsprechend verteilen sich Deutschlands Privatvermögen auf wenige Orte im Land. Aber was macht einen Ort so attraktiv, dass dort reiche Menschen siedeln? Teresa Stiens hat sich damit beschäftigt – und zeichnet das an zwei Orten nach.
Deswegen ist Friedrich Merz auf einmal so geschmeidig
Der Bundeskanzler ist nicht nur inhaltlich seit der Wahl kaum wiederzuerkennen – sondern auch als Typ. Wo Friedrich Merz vorher noch hölzern-derb durch Fototermine und Hochkantvideoaufnahmen stakste, ist plötzlich ein ziemlich dynamischer Staatsmann zu sehen, zuletzt am Mittwochabend neben dem nicht minder dynamischen Emmanuel Macron. Das, hat Benjamin Ansari recherchiert, ist aber keine wundersame Wandlung eines Sauerländers zum Superstar – sondern Teil einer Regierungsstrategie. Hier können Sie diese nachlesen.
„Das Maß aller Dinge? Sind wir doch gar nicht mehr“
Als ich Sebastian Bär kennenlernte, traf ich einen gut gelaunten, beschwingten Unternehmer. Als wir dann ins Sprechen kamen, war seine Botschaft nicht mehr ganz so beschwingt: Bär, Chef des Sportschuhherstellers Joe Nimble, hat in den vergangenen Jahren versucht, eine Produktion für Schuhe in Deutschland aufzubauen. Sein Fazit: Es geht nicht. Heute fertigt er seine Schuhe in Vietnam. Warum? Erzählt er hier.
So nutzen Sie Ihren Urlaub, um Stress aus dem Alltag zu verbannen
Ich habe diese Woche die letzten Arbeitstage vor einem dreiwöchigen Urlaub gehabt. Es gab schon entspanntere Wochen. Hier musste noch ein Newsletter fertig werden, dort ein Strategieprojekt – als ob ich nie aus dem Urlaub wiederkehren würde. War ich vor dieser Woche nicht urlaubsreif, bin ich es jetzt wirklich. Die Neurowissenschaftlerin Maren Urner würde wohl sagen: Ich habe meinen Alltag nicht im Griff. Wie der Urlaub dazu beitragen kann, das zu verbessern, hat sie Teresa Stiens erklärt.

Ziemlich lukrative Erdbeeren
Robert Dahl begann als Erdbeerbauer – und ist heute mit Karls Erlebnishof einer der erfolgreichsten Freizeitparkbetreiber Deutschlands. Er hat ein Imperium rund um die rote Frucht gebaut – und will nun 600 Millionen Euro in dessen Ausbau investieren. Wie das geht und warum die Deutschen so auf erdbeerrote Freizeitparks fliegen, hat er Katrin Terpitz erzählt.
Ein Sternekoch zieht um
Nelson Müller ist einer der beliebtesten Fernsehköche der Deutschen. Anders als viele seiner Kollegen ist er aber auch ein renommierter Spitzenkoch, bislang ausgezeichnet mit einem Michelin-Stern. Nun hat Müller sein Restaurant aus Essen nach Bergisch Gladbach verlegt. Und weil man Sterne nicht einfach mitnehmen kann, Müller aber wegen verzögerter Bauarbeiten nicht rechtzeitig zum Test-Stichtag eröffnen konnte, hat er seinen Stern zunächst einmal verloren. Wie ein Sternekoch ohne Stern weitermacht, hat sich Christoph Schlautmann angeschaut.
Löwe mit Kontrollzwang
Der chinesische Autohersteller BYD ist sehr gut darin, Autos zu bauen. Nicht so gut ist er darin, diese auch zu verkaufen. Entsprechend verursacht das Unternehmen derzeit einen regelrechten Preissturz in manchen Automärkten. Neben viel Massenware hat BYD aber auch einen Konkurrenten für VWs ID.5 im Angebot, den Lion. Und der, da ist sich mein Kollege Lukas Bay nach einem gewohnt sorgfältigen Test sicher, hat scharfe Krallen. VW ist zwar der Elektroautobauer der Stunde – ein schlechtes Auto bringt BYD aber deswegen noch nicht an den Markt. Zumindest, wenn man darüber hinwegsieht, dass dieses Auto einen ständig kontrolliert.
Schlaftracker? Einfach mal ausschalten
Ich habe Thorsten Firlus, glaube ich, noch nie ohne irgendein Gadget gesehen, mit dem er irgendwelche Körperwerte misst, Strecken auskundschaftet oder sonstiges Datengetümmel verursacht. Deswegen hat mich sein Plädoyer in der dieswöchigen Kolumne überrascht: „Trauen Sie den Daten Ihres Schlaftrackers nicht.“ Warum nicht? Schreibt er hier.
Einfach mal sich geborgen fühlen
Der Stress wirft Sie aus der Bahn? Sie fühlen sich unsicher, sehnen sich nach Geborgenheit? Kein Thema, über das in Führungskreisen gerne geredet wird. Zumindest offiziell. Unsere Kolumnistin und Coachin Patricia Thielemann kennt da andere Geschichten – und ein paar gute Lösungen.

Playmobil bleibt zu Hause
Diese Zeilen des Newsletters sind die letzten vor meinem langen Sommerurlaub. Und ich freue mich riesig darauf. Anders als ich bleiben aber offenbar viele Menschen auch gerne zu Hause – weil es dort schön, im Urlaub teuer ist oder aus ganz anderen Gründen. Der Trend ist so groß, dass Playmobil ihm jetzt ein eigenes Spielfiguren-Setting spendiert. Was das über uns aussagt? Darüber hat sich Thorsten Firlus Gedanken gemacht.
Dobellis Frage an das Leben
Rolf Dobelli ist Schweizer Bestsellerautor und stellt an dieser Stelle Fragen an das Leben. Wie würden Sie antworten? Letzte Woche wollte Rolf Dobelli wissen: „Stimmt es Sie traurig, dass Sie Ihren Vielflieger-Status beim Tod verlieren werden?“ Sie antworteten unter anderem:
Diese Woche möchte Rolf Dobelli wissen:
„Was ist Ihrer Karriere förderlicher – was Sie sagen oder was Sie verschweigen?“
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