Wochenend-NewsletterDie eine Anwendung, bei der der Mensch die Maschine schlägt – das Handelsblatt-Wochenende

Außerdem: Wo die Reichen wirklich wohnen, warum ein Unternehmer lieber in Vietnam als in Deutschland produziert und wie Sie Ihren Urlaub nutzen, um den Stress endgültig zu besiegen. Unsere Leseempfehlungen.Sven Prange 25.07.2025 - 11:31 Uhr

Liebe Leserin, lieber Leser,

wir schwören zu Hause auf die Grillwürstchen eines benachbarten Metzgers. Irgendwann hatten wir aber das Gefühl, dass diese nicht immer gleich groß sind. Diesen Eindruck konnte der freundliche Fleischer bejahen. Er habe ja sogar eine Wurstmaschine, die die Füllung bis aufs Milligramm genau abmessen könne. Er habe die Funktion aber abgestellt: Unregelmäßige Würstchen sähen so schön nach menschlichem Handwerk aus.

Seit dieser Woche glaube ich: Der Mann ist nicht bauernschlau, sondern smart. Seinem Prinzip gehört die Zukunft. Es gibt nun ein Tool, das mithilfe von ChatGPT von ChatGPT generierte Texte so umschreibt, dass sie nicht mehr nach ChatGPT klingen. Sondern nach Mensch. „KI-Texte professionell humanisieren“ lautet das Produktversprechen. „Das ist ,dead internet'“, kommentierte ein Kollege, der sonst bei technologischen Sprüngen immer eher das Licht als das Dunkel sieht.

Ich glaube sogar, das Prinzip hat seine größte Zeit noch vor sich. Wollen wir nicht alle etwas menschlicher sein, haben aber eigentlich keine Zeit dazu? Wäre doch sehr effizient, die Arbeit komplett an die Maschine auszulagern – und ihr später von der Maschine einen menschlichen Anstrich verpassen lassen.

Zum Beispiel Pressefotos bei Politikgipfeln komponieren. Im Kanzleramt, konnten wir Montag sehen, haben sie da offenbar noch eine ältere KI, die ihr KI-Sein nicht verbergen kann – und einfach fünf Dutzend gleich aussehende Teilnehmer auf ein Foto nebeneinander stellt. Nicht auszudenken, welch Fortschritt das wäre, könnte der Bundeskanzler die Generierung eines KI-Fotos künftig mit dem zusätzlichen Prompt in Auftrag geben, es möge aber bitte im Ergebnis wie von einem Menschen gemacht aussehen.

Natürlich kann man das alles für den Anfang vom Ende halten. Vielleicht ist es aber auch ein Anfang: eine Welt, in der wir Echtheit nicht mehr daran messen, ob etwas wie ein Mensch klingt oder wie von einem Menschen aussieht. Sondern daran, ob wir wirklich in einer echten Begegnung etwas erleben können. Denn das wird die Maschine, da lege ich mich fest, so schnell nicht für uns erledigen. Der menschlichste Akt wäre dann ein ganz simpler, den der Computer aber noch lange nicht können wird: das Gerät einfach mal ausschalten und rausgehen.

Ich hoffe, dass Sie Ihr Gerät erst ausschalten, wenn Sie sich unsere Leseempfehlungen angeschaut haben.

Viele Grüße
Sven Prange
Ressortleiter Wochenende

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„Was ist Ihrer Karriere förderlicher – was Sie sagen oder was Sie verschweigen?“

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